Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.OKWeitere InformationenCookies Auflistung
"Historische Straßenszene in Goch vor 400 Jahren, KI-generiertes Bild, Heimatverein"
25. Mai 2026 Von NN-Online · Goch

Historische Bilder im Wandel der Künstlichen Intelligenz

Ausstellung des Heimatvereins Goch zeigt Chancen und Grenzen künstlicher Intelligenz bei historischen Bildern

GOCH. Künstliche Intelligenz (KI) ist in aller Munde. Der ehemalige Stadtarchivar und Redakteur verschiedenster historischer Zeitschriften, Hans-Joachim Koepp, stellte sich die Frage, wie es wäre, die Vergangenheit in Farbe aufleben zu lassen. Er wollte wissen, wie weit KI zur Aufwertung alter historischer Abbildungen, Fotos und Texte in der Heimatgeschichte genutzt werden kann. Er stellte sich der Herausforderung, quasi wertlose alte Abbildungen beziehungsweise Fotos, die bisher keine Verwendung finden konnten, mithilfe von KI aufzuarbeiten. Mit viel Geduld erlangte er erstaunlich gute Ergebnisse. Allerdings reicht es nicht, der KI nur das stark pixelige und verschwommene Bild mit Kratzern oder ähnlichem zu geben. Brauchbare Ergebnisse für die Heimatgeschichte ließen sich meist nur durch die Angabe von konkreten Vorgaben, die zeitgeschichtliches Hintergrundwissen verlangen, erzielen.

Interessant war auch die Erfahrung, welche Ergebnisse die kostenlose KI im Vergleich zur kostenpflichtigen Variante bietet. Hier fand Koepp Unterstützung durch den passionierten Niederrhein-Filmer und Fotographen Sascha Junghenn, der mit Herzblut Gocher Motive interessant aufarbeitet. Beide sind aktive Mitarbeiter des Arbeitskreises „An Niers und Kendel“. Die Ergebnisse sind zum Teil beeindruckend und wirken auf den ersten Blick realistisch, doch wird beispielsweise die Farbbestimmung in der Regel durch Algorithmen gesteuert, so dass mehrere Versuche unterschiedliche Ergebnisse hervorbringen. In jedem Fall ist es wichtig, mit Argusaugen auf Fehler zu achten: Beispielsweise wurde beim Gocher Spitzensportler Hubert Houben von der kostenlosen Variante ein Fuß mit Schuh, der andere nackt dargestellt. Bei Korrekturbemühungen tauchte dann auf einmal eine Sandale auf und/oder es fehlte ein Startblock. Aber selbst die kostenpflichtige KI platzierte den Sportler mit Sprinterschuhen an beiden Füßen korrekt am Startblock, jedoch fehlte dem Sportler der Oberschenkel oder er hatte drei. Die KI entschlüsselt Details oft mit Fantasie, bildet Dinge ab oder erfindet Wappen oder Schriftzüge, die im Original aber gar nicht (so) vorhanden sind. Die Verwendung von KI stellt sich so als interessantes „Spiel“ mit Gefahr von Lug und Trug dar und steht zwischen Schein und Wirklichkeit, die den versierten Blick eines Kenners bedarf. Die Ausstellung des Heimatvereins Goch zeigt Beispiele, was die KI aus schlechten Bildvorlagen herausarbeiten kann. Zusätzlich wurden kleinere geschichtliche Ereignissen mit Hilfe der KI ausführlicher (mit Fantasie) beschrieben und mit einem Bild angereichert. Besonders interessant wird sie für die Betrachter dadurch, dass sie animiert werden, selbst die Fehler der KI in den Bildern herauszufinden. Ein Handout führt die Besucher durch die Bilderflut und lenkt den Blick darauf, wo der Fokus bei der Bildbearbeitung mit KI gewählt wurde und zeigt auch gravierende Fehler auf.

Diese Ausstellung richtet sich an Besucher jeden Alters, denn die gegenseitige Inspiration steht im Fokus. Die Ausstellung ist von Laien gemacht, deshalb sind Tipps von Menschen, deren Alltag von KI zunehmend bestimmt wird und die deshalb fit in dieser Materie sind, eine große Bereicherung. Ganz besonders jüngere Menschen können bezüglich KI sicherlich viel Input liefern. Die Heimatwerkstatt im Haus Zu den Fünf Ringen, die zu dieser Ausstellung jeden Freitag von 15 bis 17 Uhr einlädt, ist innovativ mit modernster (Computer)Technik, sogar mit 3-D-Drucker, ausgestattet. Allein das ist schon eine große Chance, für Jüngere sich einzubringen.

Das mit KI generierte Foto zeigt einen Straßenzug in Goch vor rund 400 Jahren. Foto: Heimatverein

Prospekte