Sportstätte bleibt erhalten
Vulkeskuhle: Gocher Stadtrat lehnt Antrag zur Umwandlung des Concordia-Sportplatzes in Bauland ab
GOCH. Die Erleichterung war riesig: Mit großer Mehrheit hat der Rat der Stadt Goch am Dienstagabend einen Antrag der AFD-Fraktion abgelehnt. Dieser hatte das Gelände des Sportplatzes an der Vulkeskuhle – seit vielen Jahren die sportliche Heimat des FC Concordia 1919 Goch – in den Blick genommen und strebte die Umwidmung in Bauland an. Einzig die AFD-Fraktion stimmte für ihren Prüfantrag. „Das war nach dem ersten Schreck ein positives Signal“, sagt Michael Schöndeling, 2. Vorsitzender des FC Concordia Goch.
Hintergrund
Denn die Verwaltung sollte laut Antrag prüfen, ob der Sportbetrieb des FC Concordia ans Hubert-Houben-Stadion, zu Viktoria Goch, hätte verlagert werden können, und ob es möglich gewesen wäre, das 31.000 Quadratmeter große Gelände planungsrechtlich in Wohnbauland umzuwidmen. Außerdem sollte die Verwaltung prüfen, welche „wirtschaftlichen Potenziale“, sich daraus ergeben. Hier hatte die AFD-Fraktion die Vermarktung von Baugrundstücken für Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäuser im Blick; sie rechnete bei einem angenommenen Quadratmeterpreis von 250 Euro mit Einnahmen von 7.750.000 Euro für die Stadt (Quelle: Ratsinformationssystem der Stadt Goch).
„Wir mussten schnell aktiv werden, als wir erstmals von dem Antrag aus der Tagesordnung erfuhren“, erzählt Michael Schöndeling. Man habe seitens der AFD im Vorfeld des Antrages noch nicht einmal den Kontakt und das Gespräch mit dem Verein gesucht. In kürzester Zeit wurde eine Unterschriftenaktion gegen den Antrag initiiert: „Innerhalb weniger Tage hatten wir 900 Unterschriften zusammen“, so Schöndeling, der betont, wie dankbar Concordia für die breite Unterstützung aus der Bevölkerung, von anderen Gocher Vereinen und nicht zuletzt aus der Politik ist. Vor der Ratssitzung fand auf dem Gocher Marktplatz eine Kundgebung mit rund 300 Teilnehmern statt. Kinder hatten Plakate gemalt und zogen damit vor Beginn der Sitzung in den großen Ratssaal ein. Entsprechend gut gefüllt war auch die Zuschauertribüne: Bürgermeister Stephan Luyven hatte den Antrag wegen des zu erwartenden Zuschauerandrangs von Punkt 12 auf Punkt 2 der Tagesordnung vorgezogen. Die anderen im Rat vertretenen Parteien hätten den AFD-Antrag scharf kritisiert, berichtet Schöndeling. So verglich der CDU-Fraktionsvorsitzende Marc Groesdonk das Vorgehen der AFD mit „einer Brechstange auf den Kopf der Vereine.“ Die demokratischen Fraktionen im Rat hätten an diesem Abend ein starkes Zeichen gesetzt: „für Vereine, für Ehrenamt, für Verlässlichkeit und gegen populistische Schnellschüsse auf dem Rücken der Gocher Sportlandschaft“, so die Christdemokraten in ihrer Erklärung.
„Hätte man vorher mit uns gesprochen, wäre der Antrag in dieser Form wahrscheinlich nicht gestellt worden“, hieß es auch in einem Beitrag des FC Concordia, der vor der Ratssitzung in den sozialen Medien veröffentlicht wurde. Und: Der Verein stelle nicht infrage, dass Wohnraum wichtig sei, aber ein Sportverein sei eben mehr als nur „Verfügungsmasse“ – dies mit Verweis auf das vielfältige Engagement und die soziale Bedeutung des Vereins.
„Unseren Standort haben wir gesichert“, stellt Schöndeling fest, warnt jedoch: „Jetzt waren wir im Fokus, es kann aber auch andere Vereine treffen.“ Der FC Concordia blickt nun aber erst einmal in die Zukunft, auf den im Februar dieses Jahres vom Gocher Rat bewilligten Neubau eines Kunstrasenplatzes an der Vulkeskuhle. Im Rahmen des Bundes-Programms „Sanierung kommunaler Sportstätten“ wurde das Projekt allerdings nicht bedacht. NRW hat für 2026 das Programm „Moderne Sportstätten“ aufgelegt, bei dem unter anderem 200 Millionen Euro für Sportvereine zur Verfügung stehen. Diese müssen sich selbst bewerben. „Hier sind wir in guten Gesprächen mit der Stadt“, berichtet Schöndeling. In Zusammenarbeit mit der Verwaltung werde man nun Fördermittel des Landes NRW für den Neubau beantragen.
Aufmerksam verfolgten die Zuschauer die Debatte, bevor es dann zur Abstimmung kam. Foto: Daniel Greenwood