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Die alten Familienbilder weckten viele Erinnerungen. Marie-Theres Bömer entdeckte auch eine Fotografie mit ihren Eltern. NN-Fotos: CDS
25. August 2022 · Goch

Größter Schatz: Erinnerungen

Marie-Theres Bömer, die letzte noch lebende Enkelin von Ferdinand Langenberg, besuchte Goch

GOCH. Ein Geburtstag bietet sich für Überraschungen an, erst recht, wenn die Jubilarin bald 90 Jahre alt wird und die letzte noch lebende Enkelin des Gocher Bildschnitzers Ferdinand Langenberg (1849 bis 1931) ist.

„Ich wusste nicht, wo es hingeht, ich durfte nur meine Koffer packen“, erzählt Marie-Theres Bömer, geborene Langenberg, beim Besuch im Museum Goch, das neben dem Nachlass aus dem Schaffen Langenbergs auch ein umfangreiches Archiv mit Fotos und Tagebüchern beherbergt. Organisiert hat die Geburtstagstour ihre Tochter Birgit von Löbbecke. „Es sollte eine Überraschungsfahrt zu ihren Wurzeln werden, um noch einmal zu sehen, wie und wo ihr Großvater gewirkt hat“, freut sie sich über die gelungene Aktion. Aufgewachsen ist ihre Mutter in Goch, auf der Kuhstraße. Das Langenberg-Haus auf der Roggenstraße war das Elternhaus ihres Vaters. Marie-Theres Bömer lebt in Nettetal-Lobberich. Dort hatte ihr 2016 verstorbener Mann Dr. Walter Bömer eine internistische Praxis. Er widmete Ferdinand Langenberg 1991 ein Buch: „Der Bildschnitzer vom Niederrhein“. Kennengelernt hat Marie-Theres Bömer ihren berühmten Großvater allerdings nicht mehr, er starb 1931, ein Jahr vor ihrer Geburt. Dennoch war und ist „Opa“ in der Familie immer noch präsent und sie kann viele Anekdoten erzählen: „Es hieß immer, dass eine Figur in der Apsis der Maria-Magdalena-Kirche wie Opa aussehen soll.“

Freundschaft

Groß war die Freundschaft zwischen Ferdinand Langenberg und Arnold Janssen, von den Gochern heute noch liebevoll „Nölleken“ genannt. „Sie hatten das gleiche Grundverständnis des Katholizismus“, erklärt Museumsdirektor Dr. Stephan Mann die tiefe Verbindung der beiden. Als Arnold Janssen, der Gründer der Steyler Mission 1909 starb, erhielt Ferdinand Langenberg von dessen Bruder einen Brief mit einem Stück Stoff aus der Kutte von Arnold Janssen. Dass dies einmal eine Reliquie werden würde, konnte damals noch niemand ahnen.

Reliquie

Im Oktober 1975 wurde Arnold Janssen von Papst Paul VI. seliggesprochen und am 5. Oktober 2003 von Papst Johannes Paul II. dann heiliggesprochen. Damit wurde auch Goch zur Wallfahrtsstadt. Das Stück Stoff gelangte in den Besitz von Marie-Theres Bömer und vor einiger Zeit beschloss sie, es dem Kloster der Steyler Missionsschwestern zu schenken. Vor Ort wurde von den hoch erfreuten Schwestern ein Fest für Reliquie und Stifterin organisiert. Beim Spaziergang auf der Anlage in Steyl traf Bömer dann einen Pater, der ihr ganz empört erklärt habe, dass das kostbare Stück nicht ins Frauen- sondern ins benachbarte Männerkloster gehöre. „Da habe ich gesagt ,wenn ihr euch jetzt zankt, nehme ich die Reliquie eben wieder mit!‘“, erinnert sich Marie-Theres Bömer mit einem Augenzwinkern.

Ferdinand Langenberg, der in seiner Werkstatt mehr als 200 Altäre geschaffen hat – von denen heute noch 150 bekannt sind, schnitzte als Gesellenstück die Figur der Maria, die mit Jesus auf einer Weltkugel steht. Diese Figur erbte Marie-Theres Bömer. Weil ihre Kinder im katholischen Kindergarten Lobberich eine christliche Erziehung bekamen und gut versorgt wurden, schenkte sie der Einrichtung diese Figur.

Nicht nur aufgrund solcher Schenkungen finden sich die Spuren Langenbergs, der als Bildhauer in der Formensprache der Neugotik arbeitete, weit über den Niederrhein hinaus.

Bilder

Das Stöbern im Museums-Archiv machte Marie-Theres Bömer, ihrer Tochter Birgit und ihrer Cousine Ruth Hemmelder große Freude. Museumsmitarbeiterin Jasmin Schöne zeigte den Besucherinnen gerne zahlreiche alte Familienbilder, die vor allem bei Marie-Theres Bömer viele Erinnerungen an früher weckten. Beim Betrachten und Erzählen verging die Zeit wie im Flug; ein Besuch im Langenberg-Haus schloss sich im Rahmen des Goch-Besuchs an.

Das Haus wird auch eine der Stationen sein, die Ruth Hemmelder als Gästeführerin der Stadt Goch künftig bei der Tour „Auf den Spuren von Ferdinand Langenberg“ ansteuern wird. Und beim Stadtquiz für Neun- bis 13-Jährige führt Ferdinand Langenberg die Kinder schon jetzt an verschiedene Orte (Infos: www.goch.de). Die Erinnerung an den berühmten Sohn der Weberstadt wird also wachgehalten.Corinna Denzer-Schmidt
Im Museum Goch gibt es ein umfangreiches Archiv zu FerdinandLangenberg, das Fotos und schriftliche Aufzeichnungen umfasst.

Im Museum Goch gibt es ein umfangreiches Archiv zu Ferdinand
Langenberg, das Fotos und schriftliche Aufzeichnungen umfasst.
Foto: Corinna Denzer-Schmidt

Ein Kinderbild von Marie-Theres Bömer.

Ein Kinderbild von Marie-Theres Bömer. Foto: Corinna Denzer-Schmidt

Die alten Familienbilder weckten viele Erinnerungen. Marie-Theres Bömer entdeckte auch eine Fotografie mit ihren Eltern. NN-Fotos: CDS

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