"Dr. Jürgen Bock, Bürgermeister Markus Dahmen und Honorarkonsul Freddy Heinzel beim 6. Klever Dialog"
20. Oktober 2026 Von NN-Online · Kleve

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Kleve als Standortvorteil

Der 6. Klever Dialog erörtert Chancen und Hindernisse der intensiven Kooperation mit den Niederlanden in Wirtschaft und Gesellschaft.

KLEVE. Die Zusammenarbeit mit den Niederlanden über Grenzen hinweg prägt den Alltag in Kleve wie kaum ein anderes Thema – sei es in Wirtschaft, Wissenschaft, Arbeitsmarkt oder Tourismus. Welche Chancen bietet diese enge Verflechtung für den Standort Kleve? Wo liegen nach wie vor Hindernisse und wie können diese überwunden werden? Mit diesen Fragen hat sich der 6. Klever Dialog, zu dem die SPD Kleve in die Stadthalle eingeladen hatte, intensiv auseinandergesetzt.

„Kaum ein Ort eignet sich für dieses Thema besser als Kleve. Denn wenn wir hier in Kleve über unsere Nachbarn in den Niederlanden sprechen, dann reden wir nicht über irgendein anderes Land irgendwo in Europa. Wir reden über Menschen, Unternehmen, Vereine, Kommunen und Regionen, die unmittelbar miteinander verbunden sind. Die Grenze ist auf der Landkarte deutlich sichtbar – im Alltag ist sie es oft deutlich weniger. Das ist eine große Chance“ Mit diesen Worten begrüßte der Vorsitzende der SPD, Dr. Jürgen Bock die anwesenden Gäste.

Ein hochkarätig besetztes Podium mit Verbandsvertretern und Unternehmer(inne)n diskutierten nach der Begrüßung und den Grußworten des Bürgermeisters von Kleve, Markus Dahmen, intensiv und durchaus kontrovers knapp zwei Stunden lang. Moderiert durch Christian Kepser von Antenne Niederrhein ging es mit der Keynote vom Honorarkonsul der Niederlande, Freddy Heinzel, sofort ans Eingemachte: Er machte deutlich, dass sich aus der besonderen Lage Kleves als „Halbinsel“ immer zwei Lösungen und damit erhebliche Chancen ergeben, die man als großen Standortvorteil direkt nutzen sollte.

Im ersten Panel debattierten Verena Rohde von der WTM Kleve und die Chefs der Kreishandwerkerschaft und der Euregio RheinWaal, Ralf Matenaer und Andreas Kochs gemeinsam mit dem Leiter Aussenwirtschaft der IHK Niederrhein, Eric von Berg-Wallner über die Rahmenbedingungen und Ansatzpunkte zur Weiterentwicklung der Zusammenarbeit. Im Mittelpunkt der Diskussionen standen hier unzulängliche Homeofficeregelungen, steuerliche Benachteiligungen – gerade wenn es um das Thema Rentenaufbau geht und rechtliche Hemmnisse durch unterschiedliche gesetzliche Vorgaben. Grenzübergreifende Zusammenarbeit muss also auch für die Beschäftigten funktionieren. Unterschiedliche Steuer-, Sozialversicherungs- und Rentenregelungen dürfen Menschen nicht benachteiligen, die auf beiden Seiten der Grenze arbeiten und leben. Hier besteht also noch erheblicher Handlungsbedarf.

Sehr konkret wurde es dann im zweiten Panel mit der Chefin von Yarndesig, Gaby Kreusch, und den Chefs von Colt, Lukas Verlage, Overdie, Emeil von Loon, Stefan Welberts, Kehrprofis und Andre Kraatz, Voss Küchenstudio.

Für Gaby Kreusch spielen die niederländischen Sprachkenntnisse eine erhebliche Rolle: „Hilfreich ist, dass wir bei Yarndesign holländisch sprechen – so begegnen wir unseren Kunden aus dem Nachbarland auf sprachlicher Augenhöhe und nehmen Barrieren.“ Zudem macht Kreusch aber auch deutlich: „Für ein grenzüberschreitendes gutes funktionierendes Marketing benötigt das zuständige Amt mehr Budget.“ Und Stefan Welberts fügt hinzu. „Das A und O in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ist Kommunikation. Regelungen und Zusammenhänge müssen immer wieder erklärt werden. Was für uns selbstverständlich ist, ist für unsere niederländischen Freunde neu.“

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Handel und Handwerk liegt für Andre Kraatz beim Thema Verlässlichkeit und Vertrauen: „Rund 60 bis 65 Prozent unserer Kunden kommen aus den Niederlanden – von der direkten Grenzregion bis hin zu den großen Städten wie Amsterdam, Rotterdam und Den Haag. Sie schätzen vor allem unsere gründliche Arbeitsweise sowie die offene, ehrliche und persönliche Beratung. Das Vertrauen unserer Kunden ist für uns eine wichtige Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.“

Es gibt aber auch starke Zufriedenheit mit dem „Status Quo“. So zieht Lukas Verlage für sich eine durchaus zufriedene Bilanz: Die Beziehungen zwischen den Niederlanden und Deutschland sind sehr gut und ich habe immer gerne in beiden Ländern gearbeitet. Wenn man mich fragt, ob man dieses Band noch stärken soll, kann ich nur sagen, warum etwas verbessern, was gut funktioniert.“ Das sieht Emiel van Loon ähnlich: „Es ist schön zu sehen, dass unsere Region nicht nur aus Deutschland oder den Niederlanden besteht, sondern eine Einheit bildet.“

Abschließende betonte Niklas Lichtenberger, Fraktionsvorsitzender von SPD/Volt : „Der Klever Dialog lebt davon, dass Menschen mit unterschiedlichen Blickwinkeln miteinander ins Gespräch kommen. Gerade in Zeiten großer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen brauchen wir diesen offenen Dialog mehr denn je.“

Beim 6. Klever Dialog: (v. l.) Dr. Jürgen Bock, Bürgermeister Markus Dahmen und Honorarkonsul Freddy Heinzel. Foto: privat

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