Gold als sichere Bank
Die Volksbank Emmerich-Rees zieht für ihr Geschäftsjahr 2025 eine positive Bilanz
„Wir hatten 2025 in der Zins- und Wirtschaftspolitik einige Herausforderungen, politische Schnellschüsse, oft keine Planungssicherheit, eine schwächelnde Industrie, eine zähe Erholung des Exportmarktes oder auch eine starke Zurückhaltung bei Investitionen“, erläutert Peter Schau. Nicht zu vergessen die geopolitischen Spannungen: „Das waren keine guten Voraussetzungen für Unternehmen und das hat uns auch regional nicht kalt gelassen.“ Erschütternde Ausreißer habe es allerdings auch in der genossenschaftlichen Welt gegeben, darunter Spekulation oder das Streben nach schnellem Geld. „Davon wollen wir uns aber distanzieren. Das ist nicht unser Geschäftsmodell.“
Trotz allem sei man gut durch das Jahr gekommen: So ist das Kundenwertvolumen – also alles, was an Einlagen bei der Volksbank und ihren Verbundpartnern liegt – um 104,3 Millionen Euro (4,8 Prozent) auf 2,28 Milliarden Euro gestiegen. Die Bilanzsumme hingegen lag zum 31. Dezember bei 1,25 Milliarden Euro – ein Plus von 45 Millionen Euro (3,7 Prozent).
Entgegen des allgemeinen Trends konnte die Volksbank außerdem 241 Millionen Euro an Neukreditzusagen vergeben. „2024 waren wir bei circa 150 Millionen Euro. Das zeigt, dass wir aus dem Corona-Tief herausgekommen sind und vor Ort die Wirtschaft soweit funktioniert. Das können wir an unserem Abschreibungsbedarf sehen“, sagt Schau. Ebenfalls ein Grund zur Freude: die Volksbank konnte ihre Förderkredite um 40 Prozent steigern – trotz des herausfordernden Fördermittelgeschäfts angesichts aktueller politischer Entwicklungen.
Wunsch nach Sicherheit
Das Einlagengeschäft der Volksbank Emmerich-Rees hingegen ist um 5,2 Prozent (34 Millionen Euro) auf 679 Millionen Euro gestiegen. „Man merkt: Die Kunden hatten auch 2025 Bedarf, ihr Geld sicher anzulegen.“ Neben dem populären Wertpapiergeschäft seien Edelmetalle, allen voran Gold, wesentlich beliebter geworden. „Hier haben wir eine Steigerung von 280 Prozent. Das ist wirklich erheblich“, sagt Peter Schau. Auch das spreche für den Wunsch nach Sicherheit.
„Besonders stolz“, fügt Michael Pohlmann an, „sind wir auf unsere Mitgliederzahlen.“ Um 964 Menschen angewachsen liegt ihre Zahl aktuell bei 22.967. Die Dividende wird ähnlich ausfallen wie in 2024: Bei 4,5 Prozent werden 200.000 Euro ausgeschüttet. Mit der genossenschaftlichen Ausschüttung von 452.000 Euro kommt die Volksbank Emmerich-Rees auf eine auf das Geschäftsguthaben bezogene Rendite von 14,5 Prozent oder 652.000 Euro.
Auch bei den Bauträger-Projekten hat sich einiges getan: Während die Vermarktung in Rees am Markt 27 noch folgen soll, konnten auf der Netterdenschen Straße in Emmerich und auf der Sulenstraße in Praest die beiden Acht-Familien-Häuser fertiggestellt werden. Als Projektentwickler helfe man zudem beim Kindergarten in Praest weiter. Hinzu kommen diverse Bau- und Entwicklungsflächen: „Nahezu in fast jedem Ortsteil unseres Geschäftsgebiets haben wir Potenzialflächen“, sagt Peter Schau. Die Zusammenarbeit mit den Kommunen Emmerich, Rees und Isselburg sei gut.
Um die Nebenkosten auf einem erträglichen Maß zu halten, stünden auf dem Immobilienmarkt aktuell vor allem die gebrauchte Immobilie und die Sanierung im Bestand im Fokus. Wegen der gestiegenen Neubaupreise halte auch die Renaissance der Doppelhaushälften und Eigentumswohnungen an.
Alternative zu Paypal und Co.
Wenig überraschend kommt auch eine Volksbank nicht um Digitalisierung und KI herum. Hierbei haben vor allem die Banking-App sowie die Bezahlplattform Wero Zuwachs erfahren: Der Vorstand berichtet von 1.700 neuen App-Nutzern und 476 neuen Wero-Nutzern. „Wero ist das Echtzeit-Bezahlsystem der European Payment Initiative. Dabei geht es darum, die jahrzehntelange Dominanz von Anbietern wie Paypal, Mastercard und Visa mit einer europäischen Produktlösung anzugreifen.“ Das vor allem mit Blick auf die Unabhängigkeit von amerikanischen, private Interessen vertretenden Unternehmen angesichts problematischer politischer Entwicklungen. In Ländern wie Belgien, Frankreich und den Niederlanden hätten sich solche Alternativen bereits etabliert – vor allem gegenüber Paypal. „In kürzester Zeit sind 80 Millionen Nutzer bei Wero dazugekommen“, sagt Pohlmann. „Das zeigt, dass die Nachfrage groß ist und man nicht einem privaten Unternehmen vertrauen, sondern auf eine einheitliche europäische Lösung setzen sollte.“
Darüber hinaus hat die Volksbank ihre Räumlichkeiten modernisiert. In Emmerich sind bereits die Fenster, die Schalterhalle und die Beratungsbüros modernisiert worden. Die oberen Stockwerke sollen folgen. Auch in Haldern und Rees soll es baulich weiter vorangehen. „Wenn man in Sachen Nachhaltigkeit beraten möchte, sollte man mit gutem Beispiel vorangehen“, findet Peter Schau. Neben digitalen Fortschritten möchte man den Kunden zudem weiterhin persönlich vor Ort adäquat begegnen.
Nach dem offiziellen Jahresabschluss rechnen Schau und Pohlmann damit, 2,7 Millionen Euro an Steuern an die drei Kommunen zu zahlen. „Zusätzlich hatten wir ein Spendenaufkommen in Höhe von circa 145.000 Euro“, sagt Schau. Diese kamen Vereinen und gemeinnützigen Institutionen zugute. Über die Crowdfunding-Plattform wurden 2025 zudem fünf Projekte mit Spendengeldern in Höhe von 53.000 Euro erfolgreich umgesetzt. Gewinnsparer konnten sich über Preise in Höhe von mehr als 345.000 Euro freuen – und über zwei Autos.
Peter Schau (l.) und Michael Pohlmann vom Vorstand der Volksbank Emmerich-Rees ziehen eine positive Bilanz. NN-Foto: TL