"Ehrenamtliche und Vertreter diskutieren im Bürgerforum Geldern über Kinderschutz, organisiert von DPSG und Caritas."
18. Juni 2026 Von NN-Online · Geldern

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Stadt Geldern stärkt Kinderschutz gemeinsam mit Pfadfindern und Caritas

GELDERN. Die Stadt Geldern baut ihr Netzwerk Kinderschutz weiter aus und setzt dabei auf den engen Austausch mit Vereinen, Ehrenamtlichen und Fachstellen. Unter dem Leitgedanken „Gemeinsam Verantwortung übernehmen“ hatte der Bereich Jugend und Familie der Stadt Geldern Vertreter der vier Gelderner Stämme der Deutschen Pfadfinder*innenschaft Sankt Georg (DPSG) zu einer Informations- und Austauschveranstaltung ins Bürgerforum eingeladen.

Fachlich begleitet wurde der Abend durch die Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen des Caritasverbandes Geldern-Kevelaer.

Rund 30 Gruppenleiter der Pfadfinderstämme Hartefeld, Kapellen, Veert und Geldern folgten der Einladung. Organisiert wurde die Veranstaltung von den Netzwerkkoordinatorinnen Simone Thiele, Marina Valentin-Maghs und Felicitas Korinth vom Bereich Jugend und Familie der Stadt Geldern. Ziel war es, Ehrenamtliche in der Kinder- und Jugendarbeit zu stärken, Fachwissen zum Kinderschutz zu vermitteln und die Weiterentwicklung von Schutzkonzepten zu unterstützen.

Die Veranstaltung ist Teil der Bemühungen der Stadt Geldern, das bestehende Netzwerk Kinderschutz weiter auszubauen und Fachwissen zum Thema sexualisierte Gewalt stärker in Einrichtungen, Institutionen und Vereinen zu verankern. Kinder und Jugendliche sollen sich in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens sicher fühlen können – ob in Schulen, Kindertageseinrichtungen, Jugendangeboten oder im Vereinsleben. Deshalb setzt die Stadt Geldern gemeinsam mit ihren Netzwerkpartnern auf Prävention, Sensibilisierung und konkrete Handlungssicherheit für Fachkräfte, Ehrenamtliche und Verantwortliche.

Ausgangspunkt der Zusammenarbeit waren Fragen der Pfadfinderstämme zur Aufarbeitungsstudie über sexualisierte und spirituelle Gewalt in der Deutschen Pfadfinder*innenschaft Sankt Georg. Bereits im April hatte der Bereich Jugend und Familie der Stadt Geldern hierzu einen ersten fachlichen Austausch mit den vier Gelderner Stämmen angeboten. Die Ehrenamtlichen regten anschließend einen weiteren Termin an, um vertiefend Fragen rund um die Entwicklung und Weiterentwicklung von Schutzkonzepten zu klären.

Kinderschutz braucht starkes Netzwerk

„Kinderschutz braucht ein starkes Netzwerk und Menschen, die Verantwortung übernehmen und miteinander im Gespräch bleiben“, betonte Felicitas Korinth. „Gerade die ehrenamtliche Kinder- und Jugendarbeit leistet hier einen wichtigen Beitrag. Deshalb möchten wir Gruppenleitungen unterstützen und Räume für Austausch schaffen.“ Die vier Gelderner DPSG-Stämme zählen zu den bedeutenden Akteuren der ehrenamtlichen Kinder- und Jugendarbeit im Stadtgebiet. Rund 1.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene engagieren sich dort. Präventionsarbeit gehört seit vielen Jahren zum Selbstverständnis der Pfadfinder und wird kontinuierlich weiterentwickelt.

Kinder und Jugendliche stärken

Im Mittelpunkt des Abends stand die Frage, wie Kinder und Jugendliche im Alltag der Jugendarbeit – etwa in Gruppenstunden, auf Fahrten oder in Sommerlagern – altersgerecht gestärkt und sensibilisiert werden können. Thematisiert wurden Fragen wie: Wie spricht man mit Kindern über persönliche Grenzen? Wie vermittelt man ihnen, dass sie Nein sagen dürfen, ihrem Bauchgefühl vertrauen und sich Hilfe holen können?

Wichtige fachliche Impulse hierzu brachte Alexandra Ludzinski von der Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen des Caritasverbandes Geldern-Kevelaer ein. Sie stellte die Arbeit der Beratungsstelle sowie verschiedene Präventionsangebote vor und machte deutlich, dass sich Betroffene, Angehörige, Fachkräfte und Ehrenamtliche jederzeit – auch anonym – beraten lassen können. „Viele Menschen befürchten, etwas falsch einzuschätzen. Dabei gilt: Es gibt kein zu kleines Bauchgefühl, um sich Rat zu holen. Frühzeitig Unterstützung einzubeziehen, hilft dabei, Situationen besser einzuordnen und Kinder wirksam zu schützen“, erklärte Alexandra Ludzinski. Sie betonte zudem, dass keine Frage zu banal sei und das eigene Bauchgefühl gerade im Kinderschutz eine wichtige Rolle spiele.

Präventionsprojekt vorgestellt

Vorgestellt wurde unter anderem das Präventionsprojekt „GrenzenKlar“, in dem Grundschulkinder lernen, eigene Grenzen wahrzunehmen, Gefühle ernst zu nehmen und sich Unterstützung zu holen. Thematisiert wurde außerdem grenzverletzendes Verhalten unter Kindern und Jugendlichen selbst. Solche Situationen seien häufiger als vielfach angenommen und verdeutlichten die Bedeutung einer frühzeitigen Sensibilisierung für Grenzen, Respekt und einen achtsamen Umgang miteinander.

Dr. Matthias Oerding, Vorsitzender der Kapellener Pfadfinder, sprach sich für eine noch engere Zusammenarbeit mit Fachstellen aus: „Wir wünschen uns, Präventionsprojekte und Fachwissen noch stärker in unsere Gruppenarbeit einzubinden. Je enger Ehrenamt, Jugendhilfe und Beratungsstellen zusammenarbeiten, desto besser können wir Kinder und Jugendliche stärken und schützen.“ Auch Marina Valentin-Maghs vom Bereich Jugend und Familie der Stadt Geldern unterstrich die Bedeutung eines praxisnahen Vorgehens: „Schutzkonzepte entstehen nicht am Schreibtisch. Sie müssen zu den Menschen und Situationen vor Ort passen. Dafür braucht es Austausch, Beteiligung und die Bereitschaft, bestehende Strukturen immer wieder zu überprüfen.“

In Arbeitsphasen beschäftigten sich die Teilnehmer mit konkreten Situationen und Rahmenbedingungen ihrer Arbeit, die besondere Aufmerksamkeit erfordern – beispielsweise auf Fahrten, bei Übernachtungen oder während Gruppenstunden. Gleichzeitig wurden bereits etablierte Regeln und Schutzmechanismen gesammelt, die Kindern Sicherheit geben. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, bestehende Schutzkonzepte weiterzuentwickeln und mögliche Risiken frühzeitig in den Blick zu nehmen. Dabei wurde deutlich, dass Präventions- und Schutzkonzepte keine starren Dokumente sind. Sie leben davon, regelmäßig überprüft, weiterentwickelt und an neue Herausforderungen angepasst zu werden.

Die Stadt Geldern begrüßt ausdrücklich das Engagement der Pfadfinder, ihre Präventionsarbeit kontinuierlich auszubauen. Das Netzwerk Kinderschutz plant bereits weitere Informations- und Fortbildungsveranstaltungen für Vereine sowie städtische Einrichtungen. Darüber hinaus besteht für alle Akteure jederzeit die Möglichkeit, Fragen zu stellen oder individuell angepasste Veranstaltungen anzufragen. „Kinderschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Mit dem Ausbau des Netzwerks möchten wir Verantwortliche stärken, Wissen vermitteln und dabei helfen, sichere Räume für Kinder und Jugendliche zu schaffen“, betont die Stadt Geldern. Denn wirksamer Kinderschutz gelingt dort besonders gut, wo Verantwortung gemeinsam getragen wird.

Gemeinsam für einen starken Kinderschutz: Ehrenamtliche der Gelderner DPSG-Stämme sowie Vertreter der Stadt Geldern und des Caritasverbands beim Austausch im Bürgerforum. Foto: Martin Deckers / Caritasverband Geldern-Kevelaer

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