"Frauke Wunderlich plant Freizeitgruppe für junge Menschen mit Behinderung, initiiert durch 'Gemeinsam Niederrhein'"
25. Juli 2026 · Thomas Langer · Niederrhein

Gemeinsam für inklusive Freizeit

Frauke Wunderlich aus Weeze möchte eine Aktionsgruppe für junge Menschen mit Behinderung ins Leben rufen

KREIS KLEVE. Junge Erwachsene mit Behinderungen haben nicht allzu viel Auswahl, wenn es darum geht, passende Freizeit- und Bewegungsangebote zu finden. Mit ihrer Initiative „Gemeinsam Niederrhein“ möchte Frauke Wunderlich aus Weeze genau das für den Kreis Kleve ändern. In der ersten Phase soll es nun darum gehen, das Interesse in der Bevölkerung abzufragen und mögliche Unterstützer für die weitere Ausarbeitung zu finden.

Frauke Wunderlich weiß aus Erfahrung, was es bedeuten kann, anders zu sein als ein Großteil der Gesellschaft. Ihre Tochter Emma, 21 Jahre alt, ist Autistin und wegen ihres Pflegegrades auf bestimmte Hilfen angewiesen. Auch ihre soziale Andersartigkeit erschwert den Kontakt zu anderen Menschen.

Lange Zeit hat Emma Wunderlich also vor allem im Rahmen ihrer Familie an verschiedensten Aktivitäten teilgenommen. „Urlaube, Schwimmen, Bootfahren“, nennt ihre Mutter Beispiele. „Sie ist sehr lebensfroh und kann fast alles mitmachen.“

Ein Umdenken mit Folgen

Nachdem bei ihrer Mutter jedoch erste gesundheitliche Probleme aufgetreten waren, begann Frauke Wunderlich, eine geeignete Einrichtung für ihre Tochter zu suchen – mit Erfolg. „Ich war all die Jahre allein mit ihr und habe Sorge getragen, dass sie eine passende Wohnform findet, falls mir etwas passiert“, erzählt die 61-Jährige. Auch wenn sie die Arbeit der Einrichtungen sehr schätzt, perfekt ist die Lösung leider nicht: Weil die Kapazitäten dort vor allem auf die Versorgung ausgerichtet seien, könne längst nicht immer für den Rest gesorgt werden, „den ein junger Mensch braucht.“

Heute, gut anderthalb Jahre später, erhält Emma zwar einmal in der Woche Besuch von einer Alltagsbegleitung, die etwas mit ihr unternimmt, und auch ihre Mutter holt ihre Tochter noch alle zwei Wochen zu sich nach Hause oder fährt mit ihr in den Urlaub. „Aber die Zeit dazwischen verstreicht schnell, und sie kann nicht viel unternehmen, weil die Versorgung an erster Stelle steht“, sagt sie. Das möchte sie niemandem zum Vorwurf machen, dennoch würde dadurch nicht nur Lebensqualität eingebüßt, auch die Potenziale der jungen Erwachsenen würden auf der Strecke bleiben, anstatt gefördert zu werden.

Angebote schaffen

Das möchte Frauke Wunderlich ändern: Mit „Gemeinsam Niederrhein“ möchte sie eine Anlaufstelle für andere Betroffene und entsprechende Einrichtungen schaffen. Die Initiative zielt dabei auf den ganzen Kreis Kleve ab. Doch hofft die Initiatorin nicht nur auf Interesse aus der Bevölkerung, um das Projekt ins Rollen zu bringen, sondern auch auf Hilfe von potenziellen Partnern, wie Vereine und Einrichtungen, die zum Beispiel passende Räumlichkeiten bereitstellen könnten. „Es wäre schön, wenn man ein vorhandenes Netzwerk ausbauen könnte. Leute, die mit Behinderten zusammenarbeiten und die Probleme kennen, aber noch nicht lösen konnten.“

Die gemeinsamen Aktionen innerhalb des Netzwerks können vielfältig sein: Spaziergänge, Bowling und Kegeln, Tierpark- oder Bauernhofbesuche, Grillnachmittage, Picknicks, Musik und Tanz, gemeinsame Treffen oder kleine Ausflüge zum Beispiel. Bei entsprechender Hilfe durch Unterstützer wäre sogar eine Ferienfreizeit denkbar. „Das alles muss natürlich noch ausgearbeitet werden“, wirft Wunderlich ein.

Bei Interesse: melden

Was die Zielgruppe angeht, denkt sie vor allem an Betroffene, die in der Lage sind, an solchen Aktionen teilzunehmen: Menschen mit leichteren körperlichen und geistigen Behinderungen sowie Autismus-Spektrum-Störung oder psychischen Erkrankungen.

Neben der Freizeitaktivität an sich sollen die potenziellen Teilnehmer durch die Gruppe die Möglichkeit bekommen, neue Kontakte zu knüpfen. „Viele junge Menschen leben in Wohngruppen oder im Elternhaus, arbeiten in Werkstätten und haben außerhalb davon oft nur wenige Möglichkeiten, Freundschaften zu knüpfen, gemeinsam aktiv zu sein oder einfach am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen“, erklärt Wunderlich. Sie betont: „Es geht nicht darum, bestehende Angebote zu ersetzen.“ Vielmehr möchte sie diese sinnvoll ergänzen und Menschen, Vereine und Einrichtungen miteinander vernetzen.

Wer Interesse an solchen Angeboten hat oder das Projekt als Partner unterstützen möchte, kann sich ab sofort per Mail an forsthauskalbeck@gmail.com wenden.

Frauke Wunderlich möchte – bei ausreichend Interesse – mit „Gemeinsam Niederrhein“ eine neue Freizeitgruppe für junge Menschen mit Behinderung ins Leben rufen. NN-Foto: Thomas Langer

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