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Zeit für ein Gespräch: Die älteren Menschen freuen sich nicht nur über den Besuch, sondern auch über die Gelegenheit, sich mit den Mitgliedern des Besuchsdienstes zu unterhalten. Foto: Halfpoint/AdobeStock
24. Januar 2024 · Michael Bühs · Rees

Freude schenken durch einen Besuch am Geburtstag

Besuchsdienst von St. Georg Haldern sucht dringend neue Mitglieder

HALDERN. Ehrentag. Wiegenfest. Manchmal auch Purzeltag. Alles Synonyme für ein besonderes Ereignis: den Geburtstag. Man verbringt ihn im Kreise der Familie, mit Freunden, mit Bekannten. Doch gerade ältere Menschen sind mitunter alleinstehend, ohne Angehörige, die sie an ihrem Geburtstag besuchen, mit ihnen feiern. Um ihnen eine kleine Freude zu bereiten, gibt es in Haldern den Besuchsdienst der Gemeinde St. Georg. „Vor allem Alleinstehende freuen sich sehr, wenn wir vorbeikommen“, weiß Franz-Josef Booms, der seit etwa sechs Jahren der Gruppe angehört. Doch mit 78 Jahren macht sich Booms nun selbst Gedanken, wie lange er sein Engagement noch ausüben kann. Daher sagt er: „Wir brauchen dringend Unterstützung.“

Alle Gemeindemitglieder werden an ihrem 80. Geburtstag und wieder ab dem 85. Geburtstag jährlich von der Gemeinde besucht. Aktuell gehören neben Booms noch Franz Nienhaus, Werner Blümer und Marianne Diehl dem Besuchsdienst an. Letztere leitet und organisiert bereits seit Jahrzehnten den Kreis. Zweimal im Jahr treffen sich die vier Mitglieder, um die Besuche einzuteilen. Zwischen 15 und 20 Termine stehen im Halbjahr an. „Wir gehen immer am jeweiligen Geburtstag zu den Leuten“, sagt Booms. „Bei den Zeiten sind wir aber flexibel, wie es am besten passt. Und treffen wir beispielsweise vormittags niemanden an, versuchen wir es am Nachmittag noch einmal.“

In den meisten Fällen werden die Mitglieder des Besuchsdienstes von den Geburtstagskindern auch hereingebeten. In der Corona-Zeit sei dies nicht möglich gewesen, „da haben wir nur an der Tür geklingelt, die Flasche Apfelsaft als kleine Geschenk und den Brief von Pfarrer Eiden abgegeben“, erinnert sich Booms. Inzwischen sei dies nicht mehr erforderlich, Besuche mit einem persönlichen Gespräch sind wieder möglich. Zum Glück, sagt Booms, denn: „Die Leute freuen sich, wenn man sich mit ihnen unterhält.“ Egal, ob sie noch mit ihren Ehepartnern zusammenleben oder alleinstehend sind. Bei letzteren sei aber die Freude noch etwas größer. „Oft hören wir auch, dass die Kinder weiter weg wohnen und nur selten zu Besuch kommen.“

Bei den Geburtstagsbesuchen geht es anfangs oft um Krankheiten. „Ich glaube aber, das ist ab einem gewissen Alter normal“, sagt Booms schmunzelnd. Und schnell kommen auch andere Themen auf den Tisch, wie Familie, Kinder und Enkel, aber auch Politik und aktuelle Geschehnisse. „Im Moment ist es oft die AfD.“

Als seinerzeit die Frage an Franz-Josef Booms herangetragen wurde, dem Besuchsdienst beizutreten, „habe ich sehr schnell zugesagt. Ich fand die Idee gut, sich für ältere Menschen einzusetzen.“ Gleiches gilt für seinen Freund Werner Blümer, „wir haben damals zusammen angefangen“, erzählt Booms und führt weiter aus: „Es gibt so viele Freiwillige, die eine Tätigkeit ausüben, zum Beispiel bei Essen auf Rädern oder im Altenheim. Da dachte ich mir, dass ich doch auch etwas leisten könnte.“

Bereut hat er seine Entscheidung zu keinem Zeitpunkt. Ganz im Gegenteil: „Es ist schön, den alten Leuten eine kleine Freude machen zu können und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.“ Nicht nur freuen sich die Menschen, die er besucht; auch er selbst empfinde sein Engagement als „beglückend. Wenn ich wieder zuhause bin, denke ich oft, dass es auch für mich eine Freude ist, etwas Gutes getan zu haben.“ Durch den Austausch mit den anderen Mitgliedern des Besuchsdienstes weiß er, dass er mit diesen Eindrücken nicht allein dasteht.

Bei der Gemeinde ist man dankbar für das Engagement der vier Ehrenamtler. „Wer durch sie besucht wird, macht die Erfahrung, dass er von der Gemeinde wahrgenommen wird“, sagt Pfarrer Michael Eiden. Zugleich habe ein solcher Besuch „einen tröstlichen Charakter, wenn man dabei auf Menschen trifft, die an ihrem Geburtstag keinen großen Familien- oder Freundeskreis bei sich haben“. Für diejenigen, die den Besuchsdienst übernehmen, bleiben wiederum die positiven Eindrücke durch „die Freude, die Menschen erleben, wenn sie wahrgenommen werden – gerade bei denjenigen, die nicht mehr oder nur eingeschränkt am öffentlichen Leben teilnehmen können.“

Da Franz-Josef Booms, der 2025 seinen 80. Geburtstag feiert, bald selbst zur Zielgruppe des Besuchsdienstes gehört, hat er sich auch schon Gedanken gemacht, wie lange er sich noch engagiert. „Wir brauchen auf jeden Fall Unterstützung“, sagt er. „Wir haben ja alle ein entsprechendes Alter, daher wäre es schön, wenn sich jüngere Menschen melden würden. Sie empfinden es vielleicht auch als beglückend, so wie wir.“Michael Bühs

Zeit für ein Gespräch: Die älteren Menschen freuen sich nicht nur über den Besuch, sondern auch über die Gelegenheit, sich mit den Mitgliedern des Besuchsdienstes zu unterhalten. Foto: Halfpoint/AdobeStock

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