Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.OKWeitere InformationenCookies Auflistung
Der Clara Schumann Kammerchor wird in Haldern und in Düsseldorf Heiner Frosts Chorzyklus „Welke Blätter“ aufführen. Foto: privat
30. Mai 2025 Von NN-Online · Rees

Es fing mit einem Podcast an

Termine in Rees und Düsseldorf: Clara Schumann Kammerchor führt Chorstück von Heiner Frost auf

REES/DÜSSELDORF. Vielleicht passt der Titel nicht zum aufbrechenden Sommer: „Welke Blätter“ heißt ein Zyklus von acht Chorstücken, die Komponist Heiner Frost im vergangenen Jahr geschrieben hat und die am 14. und 15. Juni vom Clara Schumann Kammerchor aufgeführt werden.

Die Entstehungsgeschichte der Komposition: Frost hört einen Podcast. Es geht um Herbert Grönemeyer. Ganz nebenbei wird ein Name erwähnt: Grönemeyer hat Texte einer Frau namens Selma Merbaum vertont. Die jüdische Autorin wurde gerade einmal 18 Jahre alt. Frost: „Ich habe dann ihren Namen gegoogelt und Gedichte gefunden, die mich gleich fasziniert haben.“ Frost denkt nach: „Fasziniert ist eigentlich das falsche Wort. Die Texte trafen gleich in mein Zentrum.“ Der erste Akt. Dann griff der Tod ein. „Innerhalb weniger Wochen starben zwei Menschen, die mir viel bedeutet haben und ich suchte nach einer Möglichkeit, diesen Verlusten einen Raum zu geben“, sagt Frost. Er besorgte sich Merbaums Texte, suchte eines der Gedichte aus – Welke Blätter – und begann zu komponieren. „Ich habe dann schnell festgestellt, dass mit einem Stück nicht alles gesagt war“, erinnert sich Frost, der in den 1980er Jahren an der Robert Schumann Musikhochschule in Düsseldorf Komposition studiert hat. Acht Vertonungen waren es am Ende. Dann kam der Anruf. Ein Freund aus Düsseldorf rief an. Frost: „Er singt dort im Clara Schumann Kammerchor. Der Chor hatte eine Konzertreise nach Zwickau geplant. Zwickau ist ja die Heimat von Robert Schumann.“ Irgendwas in Zwickau war aber schief gegangen. „Jetzt suchte der Chor eine Möglichkeit, woanders aufzutreten.“ Frost, der künstlerischer Leiter der Konzertreihe „reeserviert“ ist und einen Chor für die Uraufführung seiner Chorstücke suchte, schlug einen Deal vor: „Ich organisiere ein Konzert und ihr singt ?elke Blätter.“ Michael Kerst, Frosts Freund, zeigte seinem Chorleiter die Noten und bekam ein Okay.

Ein Termin für das Konzert wurde festgelegt: 14. Juni, 17 Uhr, Evangelische Kirche Haldern. Frost: „Es wird ein Konzert im Rahmen der Tage der Musik in Rees.“ Dann: der letzte Akt. „Michael Kerst sprach mit einem Mitglied der jüdischen Gemeinde Düsseldorf über das Projekt und die waren an einer Aufführung interessiert“, sagt Frost. Selma Merbaum wurde in Cernowitz geboren. Cernowitz ist heute eine Stadt in der Ukraine, „und seit dem Beginn des Krieges ist Cernowitz Partnerstadt von Düsseldorf“, erzählt Frost.

So kam es, dass Düsseldorfs Bürgermeister die Schirmherrschaft für das Konzert übernahm, das am Sonntag, 15. Juni, um 18 Uhr in der Synagoge in Düsseldorf stattfinden wird. Frost: „Vorher – um 16.30 Uhr – wird es eine Gesprächsrunde geben, die von Michael Kerst moderiert wird. Teilnehmer sind Herbert Rubinstein (er gehört zur jüdischen Gemeinde und stammt – wie Selma Merbaum – aus Cernowitz). Er wird über die Stadt und die Lebensumstände zu Merbaums Lebzeiten erzählen. Dr. Sabine Brenner-Wilczek ist Leiterin des Heinrich-Heine-Instituts. Sie wird vom literarischen Werk Merbaums berichten. Was ihn an den Texten fasziniert habe, sei „die unglaubliche Lebenserfahrung, die in diesen Worten steckt, obwohl doch die Autorin gerade einmal 18 Jahre alt geworden ist“, sagt Heiner Frost. Merbaums Gedichte: irgendwie unglaublich. Frost: „Als ich mich für die Edition der Noten näher mit der Autorin befasst habe, stellte sich heraus: Da gibt es noch viel zu tun. Das fängt damit an, dass ihr Name nicht einheitlich geschrieben wird. Mal heißt sie Meerbaum-Eisinger oder Meerbaum. Und auch die Übersetzung der Gedichte ist unterschiedlich.“

Für die Noten, die Frost im Eigenverlag herausgeben wird, konnte er einen weiteren Freund, Christoph Buckstegen, seines Zeichens Fotograf und Fotodesigner, für die Gestaltung des Buches gewinnen und B. S. Owens für die Bilder. Frost: „Ich wollte mehr als nur mit Noten bedrucktes Papier und bin mit der Umsetzung – den Fotos und der Gestaltung – total glücklich.“

Das Konzert in Rees-Haldern findet am Samstag, 14. Juni, um 17 Uhr in der Evangelischen Kirche statt. Der Eintritt ist frei. Wer zum Konzert nach Düsseldorf kommen möchte, muss sich vorher auf der Internetseite anmelden: https://jgdus.de/Anmeldung/. Frost: „Das ist aber auch noch am Konzerttag möglich.“

Ist der Komponist mit der Umsetzung seiner Partitur zufrieden? Frost: „Bisher habe ich den Chor noch nicht gehört. E skann sein, dass ich die Stücke bei der Generalprobe in Haldern zum ersten Mal hören werde.“ Warum hat Frost die Uraufführung seines eigenen Werkes an einen fremden Chor abgegeben? „Das liegt daran, dass ich als Komponist zu nah dran bin. Mir ist es lieber, dass ich meine Komposition nicht auch selber einstudieren muss. Wissen Sie, wenn ich ein Stück von Bach einstudiere, kann ich immer sagen: Strengt euch an, das ist geniale Musik. Ist das Stück von mir, bin ich an diesem Punkt sprachlos. Was soll ich dann sagen?“ Gewidmet hat Frost seine Komposition seinem Schwiegervater „und einem Mitglied des Kammerchors Haldern. Uwe ist – wie mein Schwiegervater auch – im vergangenen Jahr gestorben und sein Tod hat uns alle sprachlos gemacht.“

Der Clara Schumann Kammerchor wird in Haldern und in Düsseldorf Heiner Frosts Chorzyklus „Welke Blätter“ aufführen. Foto: privat

Prospekte