Emmerich: Texte von Gregor Schwake gingen unter die Haut
Knapp 100 Zuhörer bei der Lesung von Bürgeraktion Pro Kultur im PAN
EMMERICH. Die Bürgeraktion Pro Kultur hatte zur Erinnerung an 80 Jahre Kriegsende zur Lesung „Ich war Häftling Nr. 60 931“ ins Museum PAN in Emmerich eingeladen. Das Leben und Werk des 1892 in Emmerich geboren und aufgewachsenen Benediktiners, Komponisten und Autors Gregor Schwake stieß auf großes Interesse der knapp 100 Teilnehmer. Bürgermeister Peter Hinze würdigte in seinem Grußwort die große Persönlichkeit von Gregor Schwake.
Pater Gregor Schwake trat nach seiner Schulzeit in den Benediktinerorden der Abtei Gerleve in Westfalen ein, die zu seiner zweiten Heimat wurde und er 1967 starb und sein Grab ist. Die Vorsitzende Irene Möllenbeck freute sich über die überraschende Teilnahme von Pater Marcel und Bruder Maximilian aus der Benediktinerabtei Gerleve an der Lesung. Gregor Schwake hatte 1911 sein Abitur am Willibrord Gymnasium gemacht wo sich bereits seine große musikalische Begabung zeigte. Eine Schülergruppe des Willibrord Gymnasiums hatte sich mit ihren Lehrern Thomas Brokamp und Astrid Haumer ebenfalls auf den Weg zur Lesung ins PAN gemacht. „Gregor Schwake war ein entschiedener Gegner des Nazi-Regimes und ist daher ein gutes Vorbild für unsere Jugend, die heute wieder gefordert ist, gegen eine rechtsextreme Partei sowie Antisemitismus und Rassismus in unserer Gesellschaft Haltung zu zeigen“, sagte Möllenbeck.
Der Literaturwissenschaftler Prof. Walter Gödden und der freiberufliche Schauspieler und Rezitator Carsten Bender trugen in beeindruckender Weise im Lese-Dialog Texte über das Leben und das musikalische wie auch lyrische Werk des Benediktiners vor, der in seinem Leben immer wieder gefordert war neue Wege zu gehen.
Nach Schilderungen über seine glückliche Kinder- und Jugendzeit in Emmerich und seine Studienjahre an verschiedenen Orten gingen insbesondere die Texte aus dem Tagebuch, das Gregor Schwake in seiner Zeit im KZ Dachau von 1944 bis April 1945 schrieb, den Zuhörern unter die Haut. Schwake hatte sich mutig und in seiner ganz eigenen Weise gegen das menschenverachtende Regime gestellt, wurde verhaftet und ins KZ Dachau deportiert, wo er seine berühmt gewordene Dachau-Messe komponierte. Die Referenten Gödden und Bender hielten in ihrer 90-minütigen Lesung die Zuhörer gebannt in Atem. Selbst anwesende Familienmitglieder des Benediktiners erfuhren Neues aus dem Leben ihres Verwandten.
Angestoßen durch die Lesung im PAN wird die Dachau-Messe von Gregor Schwake am Sonntag, 2. November, um 11.30 Uhr in der St.-Aldegundis-Kirche in Emmerich aufgeführt.