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Viele Unterstützer gibt es schon, jetzt sind die Bürger gefragt. Foto: Atelier Peters
20. Dezember 2024 · Verena Schade · Bedburg-Hau

Eine Skulptur für Bedburg-Hau

Ab Januar geht es um die Frage: Was zeichnet die Gemeinde aus und verbindet die Menschen?

BEDBURG-HAU. Da soll etwas Großes entstehen. Und das auch noch partizipativ, integrativ, inklusiv und demokratisch-künstlerisch. Bei dem anstehenden Großskulptur-Projekt fängt das konstruktive Miteinander nämlich schon ganz früh an. „Erstmal geht es um die Frage: Was zeichnet die Gemeinde aus? Womit können sich die Bürger identifizieren? Was verbindet sie?“, erklärt die Gocher Künstlerin Nicole Peters, deren soziale Plastiken man auch in vielen anderen Kommunen am Niederrhein, und darüber hinaus, findet. Ein Paradebeispiel ist sicher „Gordo“, der zwölf Meter lange Drache, der im Xantener Kurpark zum Klettern und Spielen einlädt. „Bespielbar“ wird am Ende auch das sein, was im Sommer 2025 am Honigsberg Form annimmt.

Meist entstehen Werke im Atelier eines Künstlers und werden anschließend präsentiert. Der eigentliche künstlerische Prozess bleibt verborgen. Nicole Peters geht es gern anders an. „Es ist mir wichtig, die Menschen von Anfang an einzubinden und den künstlerischen Prozess für sie sicht- und erlebbar zu machen“, sagt sie. „Das gemeinsame Tun bildet und formt mehr, als nachher zu sehen ist“, ist sie überzeugt. Man lerne dabei auch viel über sich selbst. „Kunst ist nichts Elitäres“, findet Peters und empfiehlt allen Skeptikern, sich einfach mal darauf einzulassen.

Die Ausgangslage: Eine Gemeinde, 13.300 Einwohner und sieben Ortsteile mit ganz unterschiedlichen „Geschichten“. Dazu seit über 100 Jahren eine große Landesklinik, reichlich Kunst und Kultur, diverse Sport- und Brauchtumsvereine von Karneval bis Schützen. „Ich bin sehr gespannt, was es am Ende wird“, sagt Nicole Peters, die es mit Blick auf eine identitätsstiftende Skulptur sicher schon leichter hatte. „In Xanten war für alle sofort klar, dass es ein Drache werden soll“, erinnert sie sich an das Projekt in 2017/2018. In Bedburg-Hau rechnet sie mit einem längeren Prozess. Vorgesehen sind im ersten Schritt 26 Workshops mit wechselnder Besetzung. Die finden von Januar bis März statt. Anschließend werden die Ideen vorgestellt und alle Teilnehmer stimmen ab, wie das Modell aussehen soll, das in die nächste Phase geht. „Wir brauchen eine Statik und eine poligonale Bodenplatte für den Untergrund“, nennt Peters einige Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, bevor es an den eigentlichen Bau der Skulptur geht. Der beginnt im Juni 2025 mit der Einrichtung der Baustelle. Den Styroporkern bringt Peters mit, mit Spezialmörtel und Glasfasern wird dann die Form modelliert. Mit Beginn der Sommerferien wird dann ebenfalls basisdemokratisch entschieden, welches „Layout“ die Skulptur bekommt. „Die farbigen Fliesenmosaike sind dann schon an den Kanten abgerundet und können auf die Form gepuzzelt und später verfugt werden“, erklärt Peters. Das kann dauern: Für Gordo wurden immerhin über 100.000 Fliesenstückchen benötigt und die Bedburg-Hauer Skulptur wird am Ende ähnliche Maße haben. „Wer in den Sommerferien Bock auf Baustelle hat, muss sich in jedem Fall nichts anderes mehr vornehmen“, steht für Nicole Peters fest. Ebenfalls wichtig: Sie besteht bei allen Helfern auf ein Fliesenlegerdiplom. Erst zuhören, dann machen. „Wenn man das Prinzip verstanden hat, kann man gern helfen – jeden Tag oder nur ab und zu, wie es passt“, geht sie davon aus, dass sich, wie bei den vorherigen Aktionen auch, ein „harter Kern“ findet, der das Projekt von Anfang bis Ende begleitet. „Das ist auch das Schöne, wenn das Kunstwerk im Laufe der Zeit zum „eigenen“ Kunstwerk wird“, findet Peters und freut sich auf den 8. Januar, wenn mit dem ersten Workshop der Startschuss fällt.

Schon vor der Pandemie gab es in Bedburg-Hau Interessenten für ein derartiges Projekt. Als die Idee dann vor knapp zwei Jahren Form annahm, regte Peters an, auf Einzelprojekte zu verzichten und lieber gemeinsam „etwas Großes“ daraus zu machen. Der Gemeinderat stimmte schließlich zu und dank der Kulturförderung des Landschaftsverband Rheinland, der das Projekt mit 100.000 Euro unterstützt, gibt es auch eine finanzielle Basis. Weitere Gelder kommen vom Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes NRW, der Landesvereinigung Kulturelle Jugendarbeit, der Zevens-Stiftung, der Sparkasse Rhein-Maas, der Bürgerstiftung Niederrhein, der Gemeinde Bedburg-Hau, AiK, Stadtwerke Kleve, Caritas Kleve, Heimatverein WiSch, der SPD Bedburg-Hau und Fluxana. Als Initiatoren mit im Boot sind neben der Gemeinde der Ausländer Initiativ Kreis (AiK), der Offene Ganztag der St. Markus-Grundschule, die Dietrich-Bonhoeffer-Schule, der Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte, der Heimatverein Wir in Schneppenbaum, die Landesvereinigung Kulturelle Jugendarbeit NRW und die Landesarbeitsgemeinschaft Kunst und Medien NRW.

Die ersten Workshops sind am 8. Januar, 14 Uhr, und am 9. Januar, 10 und 14 Uhr, sowie am 21. Januar (16 Uhr) und 22. Januar (10 Uhr). Anmelden kann man sich dafür per Mail an
atelier@nicole-peters.de, alternativ auch per sms oder Anruf unter Telefon 0174/ 4621098. Weitere Workshoptermine werden auf www.atelier-peters.de oder auf Instagram @ateliernicolepeters bekannt gegeben. Die ersten drei Workshops finden im Mehrzweckraum der OGS der St. Markus Grundschule in Schneppenbaum statt, die folgenden beiden in der „Lupe“. Wer eine Location in einem anderen Ortsteil anbieten kann, möge sich ebenfalls bei Peters melden. Mitmachen sollen alle „von 6 bis 96“, wünscht sich Peters, dass es die Bedburg-Hauer zu „ihrem“ Projekt machen und enger zusammenrücken.

Viele Unterstützer gibt es schon, jetzt sind die Bürger gefragt. Foto: Atelier Peters

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