Ein wertvoller Lebensraum für viele Vögel und Insekten
„Hecken in der Landschaft“: Teil 1 der Serie von NN und Naturschutzzentrum im Kreis Kleve
KREIS KLEVE. Wenn man den Blick über die Kulturlandschaft der Fahrradregion Niederrhein schweifen lässt, bleibt dieser mitunter an Heckenreihen entlang von Wegen und Feldern hängen. Sie sind ein vertrautes Landschaftselement, strukturieren die Landschaft und geben im Frühling oder Herbst ein herrlich buntes Bild ab.
Hecken punkten aber auch mit „inneren Werten“. Genauer betrachtet sind sie ein ganz eigenes Ökosystem mit vielen Funktionen und können einer Vielzahl von Pflanzenarten sowie rund 1.800 verschiedenen Tierarten ein Zuhause bieten.
Der Gemeine Rosenkäfer frisst gern den Pollen des Weißdorns und hilft ganz nebenbei bei der Bestäubung. Foto: NZ Kleve
Einen Großteil dieser Arten machen Insekten aus, die ihre Entwicklung von der Larve bis zum ausgewachsenen Individuum teilweise oder ganz in der Hecke durchlaufen. Einige, wie der Zitronenfalter, sind sogar eng an Heckenvorkommen gebunden, weil ihre Raupen ausschließlich an den Blättern von Faulbaum und Kreuzdorn fressen. Manche Gallwespenarten, wie die Rosengallwespe, legen ihre Eier in die Rinde der Gehölze. Die Larven entwickeln sich dann im Inneren von teils skurril geformten, aber sonst harmlosen Wucherungen und schlüpfen im Folgejahr. Andere Tierarten profitieren von diesen Strukturen oder ernähren sich ihrerseits von den Gallwespen.

Unterschiedliche Früchte der Hecken, wie Schlehe und Hagebutte, bringen ziehende und hier überwinternde Vogelarten durch die kalte Jahreszeit. Foto: NZ Kleve
Frühblühende Gehölze wie Weide, Kornelkirsche oder Hasel bieten mit ihrem proteinreichen Pollen erste Nahrungsquellen zum Beispiel für Hummeln oder Käfer. Die bei uns weit verbreitete Schlehe, aber auch spätblühende Straucharten wie Hundsrose, Brombeere und Hartriegel bieten mit ihren hübschen, duftenden Blüten und zuckrigem Nektar eine reichhaltige Futterquelle für Schwebfliegen, Schmetterlinge oder Wildbienen. Heckengehölze stellen somit eine wichtige Ergänzung des Nahrungsangebots in unserer stark genutzten Landschaft dar, wenn die Raps-, Obst- oder Löwenzahnblüte auf den Agrar- und Grünlandflächen vorbei ist.
Insekten dienen wiederum einer Reihe von Säugetieren und Vögeln wie dem Neuntöter als Nahrungsgrundlage. Nicht nur das – der Neuntöter beispielsweise nutzt dornige Sträucher auch, um Nahrungsvorräte anzulegen. Dies brachte ihm seinen Namen ein – dem Volksmund nach spießt er erst neun Tiere auf, bevor er sie verspeist. Andere Vögel ernähren sich von den Früchten der Heckensträucher. Insbesondere im Herbst liefern die Beeren vielen Zugvögeln den lebenswichtigen Treibstoff für die lange Reise in ihre Wintergebiete. Übers Jahr bieten Hecken für bis zu 60 heimische Vogelarten Nahrung.

Die Heckenbraunelle sitzt gerne in dichten Hecken, denen sie ihren Namen zu verdanken hat. Foto: NZ Kleve
Zudem werden Hecken mit dornigen Gehölzen gerne von Vogelarten wie Gartengrasmücke, Heckenbraunelle und Rotkehlchen als Brutplatz genutzt, da sie effektiven Schutz vor Fressfeinden bieten. Sie bauen ihre Nester zwischen die dichten Zweige. Der erhöhte Sitzplatz auf der Strauchspitze wird von Vogelmännchen gerne als Singwarte genutzt, um Weibchen anzulocken oder ihr Revier zu verteidigen. Viele kennen bestimmt das „Wi-wi-wie hab ich dich lieeeeeb“ der Goldammer.
Als Überwinterungsort werden dichte Hecken zum Beispiel von Haselmäusen oder Igeln genutzt. Besonders bodennahe Gebüsche wie Brombeergestrüpp bieten optimale Bedingungen für den Nestbau und schützen zugleich vor Fressfeinden.