Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.OKWeitere InformationenCookies Auflistung
„The Cast Whale Project“ war vom 22. Februar bis zum 22. März im Xantener Dom zu sehen. NN-Foto: Theo Leie
26. März 2026 · Verena Schade · Xanten

Ein Wal bewegt Xanten

Kunstinstallation im Dom sorgt für Besucherrekorde und intensive Gespräche

XANTEN. Vier Wochen lang hat die 14 Meter lange und neun Meter breite Skulptur „The Cast Whale Projekt“ des israelischen Künstlers Gil Shachar dem Xantener Dom Besucherrekorde beschert. Der lebensgroße Abguss eines in Südafrika gestrandeten Buckelwals wurde zum stillen Impulsgeber für Gespräche, Gedanken und Emotionen. Viele Menschen ließen sich darauf ein. Am Dienstag wurde das eindrucksvolle Kunstwerk wieder abgeholt – Zeit für eine erste Bilanz.

Möglich gemacht wurde die Installation durch das Engagement der Bildungsreinrichtungen in Trägerschaft der Propsteigemeinde St. Viktor – darunter der Kita-Verbund, die Marienschule und das Berufskolleg Placidahaus –, gemeinsam mit der Jugendpastoral des Bistums Münster und weiteren Partnern. Vor allem aber hat der Wal eines bewirkt: Er hat Menschen zusammengebracht. Sowohl diejenigen, die das Projekt vor zweieinhalb Jahren initiierten und nun verwirklichten, als auch jene, die dem Ruf der Skulptur folgten und der Kirche – zumindest räumlich – näherkamen. „An den Wochenenden war besonders viel los, aber auch unter der Woche waren weit mehr Besucher im Dom als üblich“, sagt Pastoralreferent Matthias Heinrich, der hier regelmäßig mit den Gästen ins Gespräch gekommen ist. Im Durchschnitt könne man im Februar und März mit zehn Besuchern am Tag rechnen, in diesem Jahr war die Besucherzahl dreistellig. Und das an jedem Tag.

Im Vorfeld habe man durchaus über die Wirkung nachgedacht, sagt Thorsten Funke, Leiter des Placidahauses: „Natürlich haben wir uns gefragt, ob wir durch den Ort nicht schon eine bestimmte Deutung nahelegen.“ Schließlich lebe Kunst von Offenheit und davon, keine fertigen Antworten zu liefern. Genau das sei aber auch das Ziel gewesen: Denkanstöße geben – ohne etwas vorzugeben. „Ergebnisoffen“, ergänzt sein Stellvertreter Michael Lammers, der sich dazu auch mit dem Künstler selbst austauschte. Shachar habe im Vorfeld durchaus Bedenken gehabt, sein Werk könne instrumentalisiert werden. Doch diese Sorge habe sich nicht bestätigt. „Er war mehrfach hier und ist sehr zufrieden“, berichtet Lammers. Besonders berührt haben den Künstler die persönlichen Botschaften an den Wal: unzählige Zettel, Gedanken und Wünsche, die Besucher hinterließen. „So viele, dass wir sie täglich abnehmen mussten, um Platz für neue zu schaffen“, erzählt Ute Heinrich, stellvertretende Leiterin der Marienschule. Für sie ist klar: Dieses Projekt wirkt nach. Auch im Unterricht zeigt sich das. So erzählt Heinrich, dass ihre Schülerinnen derzeit mit großer Anteilnahme das Schicksal des in der Lübecker Bucht gestrandeten Buckelwals verfolgen.

„Das Projekt hat viele Menschen bewegt und auf ganz unterschiedliche Weise zum Nachdenken angeregt“, zieht auch Michael Lemkes, Leiter der Marienschule, ein positives Fazit. Besonders gefreut habe ihn, dass die Installation Menschen aller Altersgruppen angesprochen habe. „Eine ältere Dame sagte mir, wie schön es sei, dass endlich einmal richtig Leben im Dom ist“, erinnert er sich.

Neben Kita-Gruppen waren auch Schüler der Xantener Schulen und aus dem gesamten Bistum vor Ort. Podiumsdiskussionen, Vorträge sowie Abende mit Literatur und Musik rundeten das Programm ab. „Da war wirklich viel los“, freut sich Lemkes. Für ihn ist das Projekt zugleich ein starkes Zeichen dafür, dass der „Campus-Gedanke“ rund um den Dom weiter wächst und lebendig wird.

Natürlich habe es auch kritische Stimmen gegeben. „Die gibt es immer“, darin sind sich alle einig. „Manche hätten sich gewünscht, dass das Thema Kirche stärker in den Mittelpunkt rückt“, erklärt Pastoralreferent Heinrich. Deutlich schärfer als im direkten Gespräch fiel die Kritik im Netz aus. „Der Tenor lautete etwa: Hat die Kirche nichts mehr zu sagen? Tauscht sie Jesus gegen einen Wal aus?“, berichtet Heinrich über Kommentare aus rechts-konservativen Foren. Für die Verantwortlichen bleibt das ein kleiner Wermutstropfen. Insgesamt aber sind sie überzeugt: „Wir haben alles richtig gemacht.“ Und wie sieht es mit einem weiteren Kunstprojekt im Dom aus? „Eigentlich spricht nichts dagegen“, sagt Lemkes. Man darf also gespannt sein.

„The Cast Whale Project“ war vom 22. Februar bis zum 22. März im Xantener Dom zu sehen. NN-Foto: Theo Leie

Prospekte
weitere Artikel