"Elisabeth Hegmann-Boßmann und Anita Orgassa vor der Gerebernus-Kapelle"
10. Oktober 2026 · Verena Schade · Sonsbeck

Ein Stück Geschichte, das Zukunft hat

Förderverein macht die Gerebernus-Kapelle zu einem Ort für Begegnung, Musik und Gemeinschaft

SONSBECK. Eine Kirche ist mehr als ein Gebäude. Sie ist ein Stück Geschichte und zugleich ein Ort, der sich immer wieder neu mit Leben füllen kann – mit Begegnungen, Musik, Freude und Hoffnung. Genau das möchte der Förderverein der Gerebernus-Kapelle in Sonsbeck erreichen. Seit seiner Gründung im Februar 2024 setzt er sich dafür ein, dass das historische Kleinod am Dassendaler Weg ein lebendiger Teil der Gemeinschaft bleibt. Inzwischen gehören dem Verein 72 Mitglieder an – Tendenz steigend.

„Kirchen sind Zeitzeugen, aber eben auch spirituelle Orte“, sagt die Vereinsvorsitzende Elisabeth Hegmann-Boßmann. Die Gerebernus-Kapelle biete dafür einen ganz eigenen Rahmen. Die Veranstaltungen sind kleiner und intimer, Musik und Worte wirken in dem historischen Raum noch einmal anders. Dass der Erhalt eines solchen Gebäudes eine dauerhafte Aufgabe ist, weiß auch Anita Orgassa, die im Förderverein für die Finanzen verantwortlich ist. Gerade hat der Verein die Beleuchtung des Turms erneuert. „Das sind Dinge, die die Bürger unmittelbar sehen und auch honorieren“, sagt Orgassa. Die Beleuchtung sei jedoch bei weitem nicht die einzige Baustelle. Die Geschichte des Gotteshauses reicht schließlich weit zurück. Die Ursprünge der Gerebernus-Kapelle werden auf die Zeit um 900 datiert, 1203 wurde sie zur ersten Pfarrkirche von Sonsbeck, im 15. Jahrhundert erhielt sie ihre heutige Gestalt. Eine Rarität ist der Kriechaltar im nördlichen Seitenschiff, von dem es in Deutschland nur noch zwei Exemplare gibt. Das Programm des Fördervereins reichte bislang von Fotoausstellung und Taizé-Abend bis zur Ladies-Night. Ein Höhepunkt war das Konzert mit Anne Mosters im vergangenen Jahr, für das selbst die große Pfarrkirche zu klein wurde. Auch beim Sonsbecker Ferienspaß war der Verein in diesem Jahr wieder dabei und für Anfang kommenden Jahres ist ein Video-Mapping geplant, das vor allem junge Menschen ansprechen soll.

Jetzt stehen aber erstmal der Herbst und der Advent im Mittelpunkt. Am 17. Oktober wird die Ausstellung „Hanns Dieter Hüsch: Christlich heiter“ eröffnet, die bis zum 31. Oktober in der Gerebernus-Kapelle zu sehen ist. Sie zeigt den Kabarettisten als tief im christlichen Glauben verwurzelten Menschen. Hüsch verband sein Vertrauen auf Gott mit gesellschaftlichem Engagement, hielt an seiner evangelischen Kirche fest und trat unter anderem auf Kirchentagen auf. 2017 wurde sein Satz „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“ aus den „Psalmen für Alletage“ zum Motto des Reformationsjubiläums der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Ausstellung mit zwölf Bildtafeln wurde vom Rheinberger Werner Strompen und Pastoralreferentin Saskia Herbst entwickelt. Für die Auswahl haben sie sich mit rund 400 Texten Hüschs beschäftigt. Zur Eröffnung am 17. Oktober gibt es ab 17 Uhr unter dem Motto „Heiter bis besinnlich durch den Herbst – Gereimtes und Ungereimtes“ Geschichten, Gedanken und Gedichte mit Willi Hageney vom Verein Denkmal an Sonsbeck und Eva Zacharias. Steffi Michaelis begleitet den Abend mit Jazz-Improvisationen auf der Querflöte. Anschließend ist die Ausstellung täglich von 8 bis 17 Uhr geöffnet.

Auch die Reihe „Advent in der Gerebernus-Kapelle“ wird 2026 fortgesetzt. Bereits am 8. November, 18 Uhr, wird der Kalkarer Gospelchor Lord N Joy zu Gast in der Kapelle sein. Am 1. Advent, Sonntag, 29. November, gibt es um 15 Uhr ein Mitsing-Konzert mit der Sopranistin Yvonne Schlattmann. Der frühe Beginn soll auch den Bewohnern des Gerebernushauses die Teilnahme ermöglichen. Am Freitag, 4. Dezember, folgt um 19 Uhr ein Konzert des Chors Cantabile unter der Leitung von Georg Gerißen. Weil der Chor für die Kapelle zu groß ist, findet das Konzert ausnahmsweise in der Pfarrkirche St. Maria Magdalena statt. Am 12. Dezember steht um 16 Uhr ein Adventssingen für Kinder, Eltern und Großeltern auf dem Programm, am 19. Dezember um 16 Uhr ein Auftritt des Kinderchors der Pfarrgemeinde unter der Leitung von Christiane Fischer-Wiggering. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei, Spenden für den Erhalt der Kapelle sind willkommen.

„Wir möchten alle Altersgruppen ansprechen, aber natürlich gelingt das nicht immer“, sagt Hegmann-Boßmann. Entscheidend sei, immer wieder Neues auszuprobieren und zugleich Bewährtes fortzuführen. Denn die Kapelle soll mehr sein als ein historisches Gebäude: ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, singen, zuhören, erzählen und zur Ruhe kommen können. So bleibt die Gerebernus-Kapelle ein Stück Sonsbecker Geschichte und zugleich ein Ort für die Gegenwart. Wer sich für eine Mitgliedschaft im Förderverein interessiert, spenden oder Ideen einbringen möchte, kann sich per E-Mail an st.gerebernuskapellesonsbeck@web.de wenden. Oder einfach bei der Ausstellungseröffnung oder beim „Advent in der Gerebernus-Kapelle“ vorbeischauen.

Elisabeth Hegmann-Boßmann und Anita Orgassa am Eingang der Gerebernus-Kapelle. NN-Foto: vs.

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