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Virginia und Suvi sind ein tolles Team. NN-Foto: vs
11. April 2026 · Verena Schade · Kleve

Ein Ort, der einfach gut tut

Zwischen ADHS, Ängsten und Tierliebe: Warum der geplante Vidahof für Menschen und Tiere wichtig ist

KLEVE. „Wenn ich ein Hund wäre, dann wäre ich sie – nur ohne den Diva-Teil“, sagt Virginia und streichelt die quirlige Suvi, die ihr nicht von der Seite weicht. Suvi ist ein spanischer Ratonero Bodeguero Andaluz, „ein Rattenhund“, erklärt Virginia. Ratten fängt Suvi allerdings schon aus Prinzip nicht. „Sie ist selbst eine kleine Ratte“, sagt Virginia liebevoll und steckt ihre Nase in Suvis Fell. „Die beiden haben eine ganz innige Beziehung“, weiß Sandra van de Loo-Diel, die mit ihrem Mann Christoph den Verein Tierfreiheit ins Leben gerufen und Menschen wie Virginia in ihr Herz geschlossen hat. „Hier fühlt sie sich wohl und sie tut den Tieren und uns gut“, sagt Sandra.

Virginia ist 22 Jahre jung und hat bis zum vergangenen Jahr noch in einer Wohngruppe in Kleve gelebt. Mittlerweile wohnt sie in Wesel, besucht die Tiere aber immer noch regelmäßig. So oft es geht. „Das ist für sie nicht so einfach“, weiß Sandra. Sie freut sich, dass Virginia es immer wieder schafft, ihre Ängste zu überwinden, um mit Suvi kuscheln zu können. Virginia leidet an ADHS, einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Sie hat Probleme damit, sich zu konzentrieren, fühlt sich schnell überfordert und mag keinen Trubel. „Hier ist es okay, wenn man bescheuert ist“, sagt Virginia. Und Sandra lacht: „Wir sind alle ein bisschen bescheuert.“ Virginia erzählt auch, wie viel es ihr bedeutet, sich willkommen zu fühlen. Vorurteilsfrei und bedingungslos. Sie habe Freundschaften geschlossen. Nicht nur mit den Tieren. „Es gibt viel Liebe hier“, ist sie dankbar für diese kleine Insel, auf der sie zur Ruhe kommen kann.

Einen guten Draht zu Tieren hatte Virginia schon immer. Für sie steht fest: „Ohne Menschen komme ich klar, ohne Tiere nicht!“ Als sie noch in Kleve gewohnt hat, hat sie sich mit Mäusen angefreundet. Heute füttert sie Vögel – direkt von ihrem Zimmerfenster aus. „Sie zwitschern jeden Morgen für mich“, sagt Virginia und fragt sich, warum man Tiere in Klassen unterteilt. „Kein Tier ist Ungeziefer“, findet sie. Es seien die Menschen, die nicht gut zu anderen Spezies sind: „Sie wissen es einfach nicht zu schätzen.“ Sandra ist besonders ein Tag in Erinnerung geblieben: „Das war mitten im Winter und wir sind mit dem Auto zum Stall gefahren. Mit ihren Adleraugen hat Virginia auf einer Wiese in wirklich weiter Entfernung eine verletzte Gans gesehen. Wir haben angehalten, sie ist losgerannt und ohne zu zögern ins eiskalte Wasser gesprungen, als sich das Tier erschrocken hat. Am liebsten hätte sie die Gans gleich zum Tierarzt gebracht und ich musste sie überreden, sich erst einmal trockene Sachen anzuziehen.“ Zwar ging die Geschichte nicht gut aus – die Verletzungen waren so schwer, dass das Tier eingeschläfert musste – aber da wusste Sandra: Virginia hat diesen besonderen Blick. Und das Herz, das man braucht, wenn man sich um andere Lebewesen kümmert. „Da habe ich viel geweint“, kann sich auch Virginia ganz genau an diesen Tag erinnern. Sie hat aber ihren Frieden damit geschlossen: „Ich konnte mich für sie freuen, weil ihr der Tod die Freiheit gegeben hat. Hätte ich sie nicht gesehen, wäre sie einsam und mit Schmerzen gestorben.“

„Wir reden viel miteinander“, sagt Sandra und nimmt Fluse auf den Arm. Fluse ist ein kleines Lämmchen, das von ihrer Mutter nicht versorgt wurde. Wegsehen ist hier keine Option und deshalb wird sie mit der Flasche aufgezogen. „Ich helfe gerne mit“, sagt Virginia, die manchmal auch im Bauwagen im Garten übernachtet. „Wir suchen immer noch einen passenden Hof für die Tiere und uns“, sagt Sandra, die ihren Gästen gern ein wenig mehr Komfort bieten würde. Sie habe schon einen passenden Hof im Blick, es fehle aber noch Geld. Der Hof würde dann Vidahof heißen, benannt nach einem kleinen Schwein, das Sandra aufgepäppelt hat. „Wir arbeiten gerade auch an der Umbenennung des Vereins“, erzählt Sandra. Aus Tierfreiheit wird Vidahof. Ein Hof, auf dem Mensch und Tier harmonisch miteinander leben können. „Im Moment sind unsere Tiere auf drei Stellen verteilt. Das ist sehr aufwändig, gerade im Winter“, würde sich Sandra wünschen, unabhängig von Verpächtern und Nachbarn zu sein. „Von so einem Hof würden nicht nur die Tiere, sondern auch viele Menschen profitieren“, findet auch Virginia, dass ein Lebenshof für Menschen und Tiere ein Segen wäre. „Bei uns sind alle willkommen“, sagt Sandra, während Virginia mit Suvi spielt. „Wir haben beide ADHS“, sagt die junge Frau: „Wir drehen zusammen auf, aber wir chillen anschließend auch wieder zusammen.“ Im nächsten Moment springt Suvi auf Virginias Schoß und schließt die Augen. Sie wirkt vollkommen entspannt, fühlt sich sicher und geborgen.

„Auf dem Vidahof möchten wir noch viel mehr Menschen diese Nähe zu Tieren ermöglichen“, sagt Sandra. Eine offene Gemeinschaft soll entstehen – für alle, unabhängig davon, welches „Päckchen“ sie mitbringen. Ob zwei oder vier Beine spielt dabei keine Rolle. Doch dafür braucht es mehr Platz. Die Kapazitätsgrenzen sind längst erreicht – im Haus ebenso wie in den gepachteten Ställen und Wiesen. Aktuell kümmert sich der Verein um 137 Tiere, von der Legehenne bis zum Mastschwein, darunter auch Schafe, Ziegen und Hasen, die andernorts nicht mehr gewollt waren. Was einst mit „Nutztieren“ begann, ist inzwischen ein Zuhause für viele geworden – auch für Hunde und Katzen.

„Ohne unsere Helfer wären wir aufgeschmissen“, ist man dankbar für jeden Tierfreund, der mit anpackt. Und für jede Spende, die dazu beiträgt, Tierarzt- und Futterkosten zu stemmen. Mehr Infos findet man im Netz unter www.verein-tierfreiheit.de (die Seite wird gerade überarbeitet und ist deswegen eventuell vorübergehend nicht erreichbar) und in den Sozialen Medien. Vormerken kann man sich auch schon den 20. Juni. Dann lädt der Vidahof zum Sommerfest ein.

... und schon ist Suvi wieder tiefenentspannt. NN-Foto: vs

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Kuscheln geht immer. NN-Foto: vs

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