Ein orangefarbener Stuhl reist gegen Gewalt an Frauen
Zonta Club Niederrhein startet Mitmachaktion in Deutschland und den Niederlanden – Präsentation am 21. November in Kleve und Emmerich
NIEDERRHEIN. Ein leuchtend orangefarbener Stuhl an einem Bahnhof oder einer Bushaltestelle dürfte so manchen Blick auf sich ziehen. Auf seiner Sitzfläche steht in großen Buchstaben: „Hier ist kein Platz für Gewalt“. Daneben fordert eine weitere Aufschrift dazu auf, den Stuhl mitzunehmen. Doch wohin soll er reisen? Und was steckt hinter der ungewöhnlichen Aktion?
Mit der Initiative „Stuhl auf Reisen“ möchte der Zonta Club Niederrhein auf Gewalt gegen Frauen und Gewalt im häuslichen Umfeld aufmerksam machen. Die Idee: Orangefarbene Stühle werden an Bahnhöfen und anderen Orten des öffentlichen Verkehrs aufgestellt und sollen von Reisenden mitgenommen werden. Über öffentliche Verkehrsmittel gelangen sie so Schritt für Schritt ihrem Ziel entgegen – dem Fischmarkt in Kleve oder dem Rathausplatz in Emmerich.
Die Aktion ist Teil der weltweiten Kampagne „Zonta Says No to Violence Against Women“, mit der Zonta-Clubs rund um den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November ein Zeichen gegen Gewalt setzen. Der Zonta Club Niederrhein hat dafür zahlreiche Clubs in Deutschland und den Niederlanden zum Mitmachen eingeladen. Die Stühle sollen spätestens am 19. November am Niederrhein eintreffen. Ob sie auf direktem Weg ans Ziel gelangen oder unterwegs mehrere Zwischenstopps einlegen, bleibt offen.
Eine Botschaft, die Menschen ins Gespräch bringen soll
Der orangefarbene Stuhl soll mehr sein als ein ungewöhnlicher Blickfang. Während Plakate und Flyer häufig nur flüchtig wahrgenommen werden, weckt ein Stuhl an einem Bahnhof oder einer Bushaltestelle Neugier. Er soll Menschen dazu anregen, Fragen zu stellen, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich mit einem Thema auseinanderzusetzen, das häufig im Verborgenen bleibt.
Denn Gewalt gegen Frauen und im häuslichen Umfeld darf weder in den eigenen vier Wänden noch auf der Straße oder im digitalen Raum einen Platz haben. Gerade weil Betroffene und ihre Erfahrungen oft unsichtbar bleiben, will die Initiative die Aufmerksamkeit auf das Ausmaß und die Folgen dieser Gewalt lenken.
Die Aktion lebt dabei ausdrücklich vom Mitmachen. Wer einen der Stühle entdeckt, kann ein Selfie aufnehmen und in den sozialen Medien teilen. Auch der Zonta Club Niederrhein sollte dabei möglichst markiert werden. Über einen QR-Code lassen sich Informationen zum Standort und zur Reise des Stuhls übermitteln. So soll nachvollziehbar werden, welche Wege die Stühle zurücklegen und wie viele Menschen unterwegs mit der Botschaft in Berührung kommen.
Wer selbst auf Reisen ist, kann den Stuhl mitnehmen und an einem anderen belebten Ort wieder aufstellen, damit er seine Reise in Richtung Kleve und Emmerich fortsetzen kann. Ob alle Stühle ihr Ziel erreichen und welcher zuerst ankommt, wird sich zeigen.
Aktionstag am 21. November
Der Höhepunkt der Initiative ist für Samstag, 21. November, geplant. Von 11 bis 16 Uhr richtet der Zonta Club Niederrhein zeitgleich am Klever Fischmarkt und auf dem Emmericher Rathausplatz Informations- und Aktionsstände ein. Gemeinsam mit den Gleichstellungsbeauftragten sollen dort Zeichen in Orange gesetzt und die weitgereisten Stühle präsentiert werden, die rechtzeitig an ihren Zielorten angekommen sind.
In Kleve werden voraussichtlich auch weitere Akteure, darunter die Polizei sowie Vertreterinnen des Frauenhauses und der Frauenberatungsstelle Impuls, eingebunden sein. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr insbesondere digitale Gewalt.
Dazu zählen etwa Cybermobbing in sozialen Netzwerken und Chats, Cyberstalking und digitale Überwachung in Partnerschaften. Auch bildbasierte sexualisierte Gewalt, beispielsweise das unerlaubte Verbreiten intimer Aufnahmen oder manipulierte Nacktbilder, sowie Hassrede und die Veröffentlichung privater Daten gehören zu den Themen. Der Aktionstag soll über diese Formen der Gewalt informieren und dafür sensibilisieren, dass sie Menschen unmittelbar betreffen können.
Mit der Reise der orangefarbenen Stühle möchte der Zonta Club Niederrhein möglichst viele Menschen in Deutschland und den Niederlanden erreichen. Jeder Zwischenstopp, jedes Foto und jedes Gespräch kann dazu beitragen, die Botschaft weiterzutragen: Hier ist kein Platz für Gewalt.
Weitere Informationen zur Initiative gibt es unter www.zonta-niederrhein.de.