Alumni-Treffen der Excellent Young Gardeners auf Haus Caen, Straelen, mit Stipendiaten und Experten; Foto von Marion Nickig.
22. Oktober 2026 Von NN-Online · Niederrhein

Gartenkultur im Fokus

Alumni-Treffen der Excellent Young Gardeners auf Haus Caen in Straelen

STRAELEN/NIEDERRHEIN. Mehr als 40 Alumni, Stipendiaten, Experten und Partner des Vereins Excellent Young Gardeners – EYG kamen zu ihrem 12. Alumni-Treffen auf Haus Caen zusammen. Gastgeber war die Baumschule Baum & Bonheur.

Zum Auftakt erhielten die Teilnehmer am Produktionsstandort Nettetal Einblicke in die Kultur- und Produktionsabläufe des gut 130 Jahre alten Unternehmens. Sabine Theobald (Marketing Baum & Bonheur) zeigte, wie moderne Technik, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz Einzug in die Baumschule mit rund 700 Hektar Freilandfläche und 150 Mitarbeitenden hält. Neben dem Maschinenpark spielte aber auch die Demonstration traditionellen gärtnerischen Handwerks eine Rolle – etwa bei der bis heute händischen Vermehrung der hauseigenen Kaiserlinde „Typ Lappen“.

Geschichte von Haus Caen

"Landschaftsarchitekt Burkhard Damm präsentiert Geschichte des Herrenhauses mit Park, denkmalgeschützt, historische Architektur"

Landschaftsarchitekt Burkhard Damm stellte die Geschichte des denkmalgeschützten ehemaligen Herrenhauses und des dazugehörigen Parks vor. Foto: Marion Nickig

Anschließend stellte der federführende Landschaftsarchitekt Burkhard Damm auf Haus Caen die Geschichte des denkmalgeschützten ehemaligen Herrenhauses und des dazugehörigen Parks vor. Die barocke Phase der Gartenanlagen auf Haus Caen begann bereits vor 1681. Die Gestaltung folgte den Prinzipien der barocken Gartenkunst: Sichtachsen und bewusst inszenierte Perspektiven waren zentrale Gestaltungselemente. Die Natur sollte geordnet, gestaltet und für den Menschen beherrschbar gemacht werden. Die historischen Strukturen dieser Zeit wurden auf Haus Caen auf Basis der historischen Erkenntnisse weitgehend wieder hergestellt.

Einfluss von Maximilian Friedrich Weyhe

Deutlich später, etwa zwischen 1815 und 1840, wirkte der bedeutende Landschaftsarchitekt Maximilian Friedrich Weyhe auf Haus Caen. Die Barockinsel ließ er – abgesehen von den oberen Kompartimenten – weitgehend unberührt. Die Südinsel überformte er dagegen zu einem kleinen Park, wobei die zentrale Achse erhalten blieb. Seine Gestaltung orientierte sich dabei an den Prinzipien der englischen Parkgestaltung, die die Landschaftsgärtnerei des 19. Jahrhunderts zunehmend prägten. Für weitere Bereiche von Haus Caen entwickelte Weyhe rund 20 Pläne. Einer davon, die sogenannte „Narcissenwiese“, soll in den kommenden Jahren restauriert werden; entsprechende Förderanträge sind bereits gestellt.

Zukunftsperspektiven für Haus Caen

Besonders spannend ist die Frage, wie dieser historisch gewachsene Ort heute neu interpretiert und weiterentwickelt werden kann. Die prägenden historischen Perspektiven und Strukturen sollen erhalten bleiben, gleichzeitig soll der Park aktuellen Strömungen der Landschaftsarchitektur Raum geben.

Haus Caen befindet sich seit 2021 im Besitz der Familie Overlack. Im selben Jahr übernahm die Familie auch die Baumschule und führte sie nach einer fast sechsjährigen Insolvenz in eine neue Zukunft. Auf Caen, in dem die Baumschule Ankermieter ist, soll nun eine Verbindung aus wirtschaftlicher Nutzung, landschaftsarchitektonischer Entwicklung und botanischer Vielfalt entstehen. Geplant sind unter anderem unterschiedlich gestaltete Kompartimente sowie eine „Schatzkammer“ mit seltenen botanischen Gehölzen. Eine zentrale Frage ist dabei auch die Zukunftsfähigkeit von Baumarten angesichts des Klimawandels.

Verbindung von Gartenkultur und Nachwuchsförderung

Das Alumni-Treffen machte damit deutlich, was die Excellent Young Gardeners verbindet: die Begeisterung für Gartenkultur und der Anspruch, diese nachhaltig weiterzuentwickeln. Die Initiative fördert jährlich bis zu vier junge Gärtner mit Stipendien und ermöglicht ihnen Praxiserfahrungen bei bedeutenden gartenbaulichen Institutionen, darunter unter anderem das Arboretum Park Härle in Bonn und der Hortvs von Peter Jahnke.

Den Abschluss bildeten ein gemeinsames Essen und intensives Netzwerken – ganz im Sinne der Initiative, junge Talente langfristig miteinander und mit der Gartenkultur zu verbinden.

Mehr als 40 Alumni, Stipendiaten, Experten und Partner des Vereins Excellent Young Gardeners trafen sich auf Haus Caen in Straelen. Fotos: Marion Nickig

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