"Ernst Vehreschild, scheidender Löschzugführer, vor Brunnenfest-Organisation, Januar Amtsübergabe."
22. August 2026 · Verena Schade · Kleve

Ein Fest, das verbindet

Ernst Vehreschild organisiert das Brunnenfest zum letzten Mal – und übergibt danach an die nächste Generation

MATERBORN. Wenn die Kameraden des Materborner Feuerwehr-Löschzugs am 28. August zum traditionellen Brunnenfest einladen, dann ist das für Ernst Vehreschild ein ganz besonderer Abend. Er war schon bei der ersten Auflage im Jahr 2002 dabei, als das 80. Jubiläum des Löschzugs gefeiert wurde, und gibt nun den Staffelstab weiter. „Mit einem lachendem und einem weinendem Auge“, sagt der 65-Jährige, der im kommenden Januar sein Amt als Löschzugführer – und damit auch die Organisation des Festes – abgibt.

Ein Abschied wird es aber (noch) nicht, denn mit der Erhöhung des Rentenalters geht es auch für die Feuerwehrkameraden erst mit 67 „in Rente“ oder genauer: man wechselt in die „Ehren- und Altersabteilung“. Vehreschild bleibt der Materborner Wehr also noch erhalten und wird natürlich auch bei den kommenden Brunnenfesten mit anpacken. Gespannt ist er auf das, was kommt. „Es ist gut, wenn sich jetzt jüngere Leute darum kümmern und neuen Schwung und Ideen mitbringen“, findet er.

"Materborner Brunnen im Zentrum des Wappens, Fest zur Ehrung, vorgeschlagen von Vehreschild"

Den Namen fürs Fest hat einst Vehreschild vorgeschlagen. Es erinnert daran, dass der Brunnen im Zentrum des Materborner Wappens steht. Foto: Feuerwehr Materborn

Woran vorerst nicht gerüttelt wird, ist der Termin. Traditionell findet das Brunnenfest der Materborner Feuerwehr am letzten Freitag in den Sommerferien statt. Den Namen fürs Fest hat einst Vehreschild vorgeschlagen. Es erinnert daran, dass der Brunnen im Zentrum des Materborner Wappens steht. Also wurde es kein Biwak und auch keine Blaulichtparty – sondern ein Brunnenfest. „Es sollte unsere Zugehörigkeit zum Dorf und den Menschen hier unterstreichen“, sagt Vehreschild. Das hat auch funktioniert, denn das Brunnenfest ist in Kleves größtem Ortsteil längst zum Markenzeichen geworden. „Die Leute fragen schon Wochen vorher danach“, weiß Vehreschild, dass sich neben vielen Materborner Bürgern auch zahlreiche Feuerwehrkameraden aus Nah und Fern auf gesellige Stunden am Gerätehaus freuen.

In diesem Jahr gehört auch ein bisschen Premierenstimmung dazu. Denn mit dem Neubau der Feuerwache hat sich an der „Location“ einiges verändert. „Wir werden weniger Zelte aufbauen und statt einer Theke gibt es einen zweiten Bier-Pavillon“, erklärt Vehreschild. Man wolle einfach „ein bisschen was ausprobieren“. Neu ist unter anderem ein Cocktail-Automat. Und auch bei der Stromversorgung hat sich einiges getan: Einen Trafo braucht die Feuerwehr dank des Neubaus nicht mehr. Kartenzahlung hätte man ebenfalls gern angeboten – „aber das klappt dann vielleicht nächstes Jahr“, hofft Vehreschild. Beim Essen und Trinken bleibt es dagegen bewährt: Grillgut und Getränke werden vor Ort eingekauft, dazu kommen rund 80 Kilo Reibekuchenteig, der nach Materborner Rezeptur verfeinert wird. Zum Auftakt spielt wie gewohnt der Spielmannszug der Schützen, anschließend übernimmt Feuerwehrmann Jens das DJ-Pult.

"Löschzug beim Brunnenfest sorgt für Sicherheit; Feuerwehrfahrzeuge im Einsatz bei Stadtfest"

Beim Brunnenfest ist der komplette Löschzug am Start und sorgt dafür, dass alles rund läuft. Foto: Feuerwehr Materborn

Natürlich ist der komplette Löschzug mit dabei. Aktuell gehören ihm 29 Kameraden und drei Kameradinnen an, dazu kommen Unterstützer- und Ehrenabteilung. Und auch die Familien packen mit an, wenn es um das Brunnefest geht. Die Kameradschaft ist für Vehreschild ohnehin eines der stärksten Argumente für den Feuerwehrdienst. „Es müssen natürlich immer wieder junge Leute dazukommen“, weiß er. Sorgen um den Nachwuchs macht er sich trotzdem nicht. Die Klever Jugendfeuerwehr sei sehr gut aufgestellt, möglicherweise werde es sogar bald eine zweite Gruppe geben. Vehreschild selbst trat als junger Mann in die Feuerwehr ein – damals noch im Schwarzwald. „Ich war Sanitäter bei der Bundeswehr und meine Kollegen meinten, man könne mich gut gebrauchen“, erinnert er sich. Später, zurück in seiner Heimat, schloss er sich der Materborner Wehr an. Seit zwölf Jahren steht er an ihrer Spitze. „Mein Vater hat immer gesagt, so ein Amt macht man zehn Jahre und danach sollte Schluss sein“, erzählt Vehreschild. Jetzt ist für ihn der richtige Zeitpunkt gekommen, die Verantwortung in jüngere Hände zu geben.
„Abgenutzter Spendenhut mit Münzen, Sammlung für Verein Paulinchen, Unterstützung für Brandverletzte Kinder“

Ein in die Jahre gekommener „Spendenhut“: Auch in diesem Jahr wird für den Verein Paulinchen gesammelt. Foto: vs

Eine Tradition darf beim Brunnenfest auf keinen Fall fehlen: die Spendenaktion für den Verein Paulinchen, der sich für Familien mit brandverletzten Kindern einsetzt. Gesammelt wird nicht etwa mit einer klassischen Büchse, sondern mit einem roten Feuerwehrhelm mit Spardosenschlitz. „Mit dem ist meine Tochter früher immer durch die Reihen gezogen, um Geld zu sammeln“, erzählt Vehreschild. Rund 400 bis 500 Euro kommen so jedes Jahr zusammen. „Man kann gern etwas spenden oder am Ende übrig gebliebene Wertmarken hineinstecken, die wir dann wieder in Bargeld umtauschen“, erklärt Vehreschild. Ansonsten gilt: Der Eintritt ist frei, die Preise für Speis und Trank bleiben zivil. Und falls das Wetter wider Erwarten doch nicht mitspielt, sorgt ein großer Fallschirm dafür, dass die Besucher auch unter freiem Himmel trocken bleiben.

Los geht es am 28. August wie immer um 19 Uhr. Ernst Vehreschild freut sich auf den Abend – und auf das, was danach kommt!

Ernst Vehreschild gibt im kommenden Januar sein Amt als Löschzugführer ab – und damit auch die Organisation des Brunnenfestes. Foto: privat

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