"Kuratorin Susanne Figner und Enya Burger testen Wissenshaftkraft"
15. Oktober 2026 · Kleve

Die Welt hinter der Welt

Enya Burgers „A Matter of Record“ im Museum Kurhaus

KLEVE. Enya Burger ist diesjährige Gewinnerin des Werner Deutsch Preises (die NN berichteten). Ihre Ausstellung mit dem Titel „A Matter of Record“ wird am Samstag, 18. Oktober, um 18 Uhr eröffnet.

Was Burger in Kleve zeigt, ist irgendwie unspektakulär spektakulär. Zu jedem Werk scheint es einen Vorder- und einen Hintergrund zu geben. Da ist das, was der erste Blick zeigt und da ist das, was im Hintergrund Herleitungen liefert. Die Bücher zum Beispiel. Bücher sind Wissens- und Geschichtenbehälter. Sie liefern wörtliche Einblicke in die Welt. In „A Matter of Record“ sieht man Bücher, die ineinander verkeilt wurden. Da wurden Inhalte ineinandergeschoben: immer eine Seite von einem Buch und eine von einem anderen. Was am Ende entsteht, ist eine untrennbare Verschachtelung – so stark, dass sich die Bücher nicht mehr trennen lassen. Das ist einerseits Physik und andererseits ein unglaublich starkes Bild – eines, das von der Unauflösbarkeit der durch Wissen geschaffenen Verbindungen erzählt. Kunst und Wissen durchdringen sich gegenseitig. „Burgers Werke befassen sich mit verschiedenen Themenfeldern, von Biologie über Mythologie und Geschichte bis hin zur Soziologie. Ein wichtiger Bezugspunkt der Künstlerin sind wissenschaftliche Methoden und die Art und Weise wie diese Tatsachen schaffen, obwohl ihre Objektivität häufig von besonderen Interessen geleitet ist. Dem herkömmlichen Klassifizieren und Ordnen begegnet sie mit Prozessen und Materialien, welche die bekannten Kriterien unterwandern“, schreibt Kuratorin Susanne Figner.

Burgers Blick auf die sie umgebende Welt wird zur Untersuchung – zur Vivisektion. Dazu benutzt die Künstlerin unterschiedliche Materialien und Medien. Man taumelt zwischen Ästhetik einerseits und den Widersprüchen andererseits. „A Matter of Record“ wird schnell zur Herausforderung auf allen Ebenen und erzeugt ein monumentalleises Echo. Man wird zum stillen Teilhaber der Weltenbeschau. Wissen und Ahnung verkeilen sich und erzeugen ungewohnte Sichtweisen. Was den Titel der Ausstellung angeht, so dürfte mit „Record“ eher nicht eine Tonaufnahme gemeint sein. „A Matter of Record“ könnte mit „das ist aktenkundig“ übersetzt werden. Auch das Wort „Tatsache“ könnte ins Feld geführt werden. Kunst – so könnte das Fazit lauten – schafft Tatsachen jenseits des Greifbaren und Burgers Werke demonstrieren eindrücklich, dass es eine Welt nebenhinterundvor alledem gibt, das wir als Wirklichkeit verbuchen.

Kuratorin Susanne Figner (l.) und Enya Burger demonstrieren die Haftkraft des Wissens. NN-Foto: HF

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