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"Willkommen am alten Reitplatz: Wegweiser und Schilder in ländlicher Umgebung"
21. Mai 2026 · Rees

Der Countdown läuft

Am 5. August startet das Haldern Pop 2026

REES. Die Countdowns sind angelaufen: Die einen zählen die Tage zu WM, die anderen die Tage bis zum Haldern Pop (5. bis 8. August) und natürlich gibt es Schnittmengen.

Das Dorf umgraben

Bei Stefan Reichmann, dem künstlerischen Leiter des Haldern Pop, klingt das so: „Einmal im Jahr nehmen wir uns die Zeit, graben das Dorf um, öffnen Türen und Fenster, hoffen auf das Andere, das Unbekannte.“

Das Haldern Pop ist kein großes Festival, aber es ist wichtig. Die Festivallandschaft von heute ist zu einer Superlativ-Landschaft geworden. Was, bitte schön, sind denn vierstellige Besucherzahlen, wenn es auch sechsstellig geht. Besucherzahlen sind ein Wirtschaftsfaktor. Die vermeintlich Kleinen erzielen – so die Erzählung vom Erfolg – keine Reichweiten. Das trifft beim Haldern Pop nicht zu.

Nie artig – immer großartig

Die Gäste sind – nicht nur, was die Bands angeht – international. Das Haldern Pop ist also noch immer groß, weil es nie artig war: aber großartig war es schon immer.

Längst stehen Line-Up und Zeitplan für das 2026-er Festival. „Die Vorfreude beginnt bereits beim Packen“, sagt Stefan Reichmann und das Packen aus Veranstalter-Sicht beginnt eigentlich alljährlich bereits am Schlusstag. „Wir haben eine Vision, ein wiederkehrendes Ereignis in unserem Dorf geschaffen, das wir mit unserer gemeinsamen Vorstellungskraft an den Horizont geheftet haben“ – auch das ist Reichmann-O-Ton.

Das Haldern Pop ist – das gilt natürlich auch für andere Festivals – mehr als ein Musik-Transport-Maschine. Das Gedachte im Hintergrund ist das Zentrum. Es geht darum, wie mit Musik und Menschen umzugehen ist. Was macht Musik mit Menschen und was machen Menschen mit Musik?

"Susan O'Neill live auf der Main Stage, Musikerin mit Gitarre, Konzertperformance"

Susan O‘Neill auf der Main Stage. Foto: HF

Eine Landmarke

Dass eine Band (Black Country, New Road) ein Stück mit dem Namen „Haldern“ herausbringt, ist ja mal eine Ansage. Haldern – das ist nicht nur ein Gefühl auf Seiten des Publikums; bei den Bands ist es nicht anders. Haldern hat eine Bedeutung erzeugt. Nicht weniger. Das Dorf am Niederrhein ist zu einer Landmarke auf dem Globus des Pop geworden. Da steckt ein Fähnchen auf einer großen Karte. Haldern ist jedes Jahr wieder ein Experiment. Eine Versuchsanordnung.

Die Vertrauenskust

Es gibt ja nicht so viele Festivals, die sich (zu)trauen auch abseits der Töne ein Programm zu haben. Haldern startet auch in diesem Jahr schon am Mittwoch. Vorglühen im Denken und anschließend legt ein DJ auf. Erst die Worte, dann die Töne.

Im Zentrum (des ersten Tages) dieser Gedanke: „Die Kunst zu vertrauen.“ Gespräche werden stattfinden – Podiumsgespräche mit Gästen wie dem Soziologen, Hochschullehrer und Autor Aladin El-Mafaalani oder dem Programmchef des „Tonvereins Bad Bonn“, Daniel Fontana.

Vertrauen – auch das ist Haldern Pop – muss es auf beiden Seiten geben. Die Veranstalter bringen den Künstlern Vertrauen entgegen und die Gäste tun das gleiche mit den Veranstaltern. Ist doch klar, dass bei der Zahl der Acts, die auch in diesem Jahr in Haldern zu hören sein werden, nicht alles für jeden taugt, aber darum geht es eben nicht. Haldern ist eine jährlich neu zu entdeckende Terra Incognita. Angst vor der Kleinigkeit? Von wegen. In Haldern trauen sie sich was. Mutlosigkeit macht Angst und Angst – so Rainer Werner Fassbinder – „Angst essen Seele auf“. Stefan Reichmann begegnet der Ängstlichkeit mit Vertrauen. Vertrauen – so die Variation des fassbinderschen Filmtitels – „Vertrauen essen Angst auf“.

Wundertüte

Ein bisschen Nostalgie steckt auch in der „Wundertüte Haldern“: Es ist der Gedanke, dass jeder einzelne Gast unverzichtbarer Teil des Kleinenganzen, des Vor- und Nachgedachten ist. Da entsteht – jedes Jahr aufs Neue – ein Gemeinschaft aus Musikern, Dorfbewohnern, Gästen. Es ist die Halderner Melange. „Einer sich selbst kopierenden Welt gehen die Originale aus“, sagt Stefan Reichmann und – Potzblitz – das ist was dran.

Früher war das Haldern Pop nicht selten am ersten Vorverkaufstag ausverkauft. Die Zeiten haben sich geändert. Es gibt noch Karten, „und es wäre nicht schlecht, wenn wir die verkaufen“, sagt Stefan Reichmann. Das Haldern Pop 2026 startet am Mittwoch, 5- August und geht bis Samstag, 8. August. Das 4-Tage-Ticket kostet 195 Euro (inklusive Camping). Die Tagestickets kosten 99 Euro. Infos unter www.haldernpop.com/Festival-2026.

Wer zum alten Reitplatz unterwegs ist, wird mit Schildern begrüßt.

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