Den Abschied erleichtern
„Letzte Hilfe“-Kurse vermitteln Wissen für die Begleitung Sterbenskranker und zeigen Ansprechpartner über den Kurs hinaus auf
Da jeder einmal in diese Lage kommen kann, richtet sich das Angebot an die gesamte Bevölkerung. So schwer es zu vermitteln sei: „Sterben ist ein normalter Teil des Lebens“, sagt Eickmans. In den „Letzte Hilfe“-Kursen herrscht zwar grundsätzlich Vortragscharakter, „viele Teilnehmer setzen aber auch eigene Impulse durch ihre eigenen Erfahrungen.“
Der Inhalt des vierstündigen Kurses teilt sich innerhalb einer einzigen Sitzung auf vier verschiedene Module auf. Das erste Modul „Sterben als Teil des Lebens“ nimmt sich dem an, was mit den Menschen beim Sterben passiert, behandelt aber auch Themen wie den Körper, die Psyche, das soziale Umfeld und Spiritualität. Vier Aspekte, die laut Eickmans alle miteinander verknüpft seien. „Wenn jemand Schmerzen hat, muss das nicht körperlich sein. Sie können auch seelisch sein oder weil man jemanden vermisst.“ Oft kreisten die Gedanken aber auch um Fragen wie den Sinn des eigenen Lebens. Finde man eine Antwort, erleichtere das das Loslassen.
Beim Themenblock „Vorsorgen und entscheiden“ rücken die Möglichkeiten der Versorgung am Ende eines Lebens in den Mittelpunkt, wie etwa die ambulante-allgemeine und die ambulante-spezialisierte Palliativversorgung zu Hause, den ambulanten Hospizdienst oder das stationäre Hospiz. Die Vorsorgeplanung ist ebenfalls Gesprächsstoff: zum einen in Form von Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung, zum anderen in Gestalt der fünf W‘s: „Was ist mir wichtig, wer soll für mich entscheiden, wo und wie würde ich gerne sterben und wann hat das Leben für mich noch einen Sinn“, erläutert Eickmans.
Im Modul „Leiden lindern“ erhalten die Teilnehmer Praxistipps. Dann geht es zum Beispiel darum, welche Symptome überhaupt auftreten und wie man diesen adäquat begegnet. Dazu gehört zum Beispiel die korrekte Mundpflege. „Essen und Trinken ist ein anderes wichtiges Thema“, ergänz Franziska Eickmans.
„Abschied nehmen“ ist der letzte Themenblock des Kurses. Hier sprechen die Anwesenden darüber, wie man sich gegenüber einem Sterbenden verhalten kann und welche Rituale und Traditionen es bei Bestattungen gibt. Die Teilnehmer bekommen bei Eickmans Kursen allerdings auch Gelegenheit, sich selbst etwas intensiver in das Thema hineinzudenken, indem sie gedanklich einen Koffer für ihre eigene letzte Reise packen. „Das wirkt noch ein wenig nach“, weiß sie.
Sie betont: „Trauer ist völlig normal und ganz individuell und darf natürlich gelebt werden.“ Das gelte auch im Kurs. „Wir sagen, dass die Emotionen rausgelassen werden dürfen. Die Gruppe trägt das mit, das ist immer schön zu erleben.“
Ein Kurs für alle
Auch wenn es beim Thema naheliegend zu sein scheint, bringen die Teilnehmer längst nicht immer denselben Hintergrund mit. Wie Franziska Eickmans erklärt, würden sich die einen wegen ihrer betagten, pflegebedürftigen Eltern informieren wollen, während wieder andere herausfinden wollten, ob sie ihre schwerkranken Angehörigen richtig pflegen. Selbst noch junge, nicht direkt betroffene Menschen seien immer wieder einmal dabei. „Sie interessieren sich dann einfach für das Thema.“ Trotzdem brächten viele dieselben Fragen mit in die Runde: „Die meisten wollen wissen, was sie mit ihren Angehörigen umgehen sollen und was sie für sie tun können.“ Was das angeht, hat Franziska Eickmans einen klaren Ratschlag: die Wünsche des Angehörigen ernstnehmen. Ein Ausflug beispielsweise sei je nach Zustand vielleicht mit Risiken verbunden, denen man allerdings nicht zu viel Bedeutung beimessen solle. „Es kommt nicht mehr auf die Lebenszeit an, es geht um die Lebensqualität“, erklärt Eickmanns. Das biete außerdem Gelegenheit, den Abschied zu gestalten und noch letzte Erinnerungen zu schaffen. Daher rät sie Angehörigen, auch das Gespräch zu suchen, um etwaige Wünsche zu formulieren.
Der Kurs erfülle laut Eickmans für gewöhnlich seinen Zweck: „Viele sagen, dass sie Sicherheit gewonnen und Neues gelernt haben.“ Die meisten Fragen, die die Teilnehmer am Anfang des Kurses bei ihr auf Kärtchen notieren, seien am Ende des Tages für gewöhnlich beantwortet. Falls nicht, bleibt am Ende immer noch ein wenig Zeit für ein persönliches Gespräch.
„Das Wichtigste, das sie mitnehmen müssen, ist aber eine Telefonnummer, wo sie anrufen können“, sagt Eickmans. Dafür stünden nicht nur sie und ihre Kollegin zur Verfügung, man gebe auch Informationen über das gut geknüpfte Partnernetzwerk mit auf den Weg, um die unterschiedlichen Bedarfe mit den richtigen Kontakten abzudecken. Eickmans und Schoeters stehen ihrerseits mit dem Team des ambulanten Hospizdienstes der Caritas Geldern bei allen Fragen rund um die Begleitung von Schwerstkranken und Sterbenden mit Familien zu Hause und in Einrichtungen, zur palliativen Beratung sowie zur Trauerbegleitung zur Verfügung.
Ihr „Letzte-Hilfe“-Kurs findet viermal jährlich statt, hinzu kommen weitere Termine auf Anfragen für Vereine oder Firmen. Der nächste Termin ist für Dienstag, 19. November, geplant. Da es sich bei der „Letzten Hilfe“ um ein international bekanntes Konzept des Mediziners Georg Bollig handelt, finden sich Kurse auch bei anderen Anbietern.
Mehr zum Konzept und den Kursangeboten gibt es im Internet unter letztehilfe.info. Thomas LangerUm auch nach dem Kurs immer den richtigen Ansprechpartner zu haben, gibt es viel Infomaterial und weitere Utensilien. Foto: privat