Bunte Tamilen-Wallfahrt: Lebensfreude, Glaube und Glück
Tausende Tamilien verehren in Kevelaer die Muttergottes
KEVELAER. Tausende festlich gekleidete Tamilen haben am 8. August wieder Straßen und Plätze rund um die Basilika zur traditionellen Tamilen-Wallfahrt in Kevelaer gefüllt. Tausende Kerzen leuchteten an der Kerzenkapelle. Vor der Marienkapelle reihten sich die Menschen in langen Schlangen ein, viele von ihnen in stillem Gebet. Oder in ihren traditionellen, teils bunten Gewändern und Saris geduldig und sympathisch in Handy-Kameras lächelnd.
Die größte bundesweite Einzelwallfahrt zur Heiligen Maria wird durch zumindest am Haupttag, dem Samstag, von „bis zu 12.000 tamilischen Gläubigen aus ganz Deutschland und Europa geprägt“, schätzte Trevin Nicaj vom Organisationsteam. Die Gläubigen verehrten die Muttergottes, beteten um Frieden und feierten die gemeinsame Kultur.
Neben vielen Marktständen mit Glaubensartikeln und glänzendem Schmuck sowie bunten Kleidern waren es vor allem die Kerzenanbieter, die der Nachfrage nach den „Lichtern der Hoffnung“ kaum nachkamen.
Katholische Bräuche und tamilische Musik
Der zentrale Gottesdienst um 11 Uhr fand im Forum Pax Christi mit rund 2.000 Gläubigen statt. Die Liturgie verband einmal mehr katholische Bräuche mit traditioneller tamilischer Musik – mit Gesängen, Tänzen und mit jeder Menge hinduistischer Einflüsse. Ein Erlebnis für alle, ganz gleich welcher Glaubensausrichtung sie angehörten. Auch für die christlichen Ordensschwestern um Schwester Chinnu aus Indien, die voller Freude die Prozession im Vorfeld des Gottesdienstes mitgestalteten.
Anita Benedict Emmanuel, eine der Sprecherinnen der deutschlandweiten Tamilischen Gemeinschaft, erklärte: „Es ist gerade für unsere älteren Mitglieder der Gemeinschaft sehr wichtig, dass hier noch original tamilische Glaubensbräuche gelebt werden können.“ Dass dem so ist, daran hätten aber auch junge Tamilen großen Anteil. Sie unterstützten beispielsweise den Sicherheitsdienst, halfen beim Getränke- und Kerzenverkauf, beim Auf- und Abbau, bei der Organisation, der Gestaltung und vielem mehr.
Wie Bensia Albert-DonBosco. Die junge Frau leitet eine Tanzgruppe, die Augen und – entsprechend musikalisch unterlegt – Ohren der Gläubigen vor dem Gottesdienst erfreuten. Diese klassische Tanzdarbietung nennt sich Bharatanatyam und beeindruckte in Kevelaer viele. Nicht nur für die teilnehmenden Tamilen, die zumeist aus Sri Lanka stammen und heute in Diaspora-Gemeinden in Europa leben. In ihrer Heimat haben die meisten hinduistische Wurzeln. In Kevelaer verehren sie und die katholische Minderheit gemeinsam die Mutter Maria. Die Marienstadt ist für sie seit vielen Jahren ein Ort der Zuflucht und Heimatverbundenheit geworden. Und wird es auch künftig wohl bleiben – sichtbar wird dies bei der jährlichen Tamilien-Wallfahrt.
Tausende Kerzen entzündeten die tamilischen Gläubigen an der Kerzen-Kapelle. Fotos: Bischöfliche Pressestelle/Anke Gellert-Helpenstein