Bürgerbeteiligung in Emmerich zeigt Licht und Schatten
Ergebnisse der Umfrage will WfG als Grundlage für zukünftige Stadtentwicklung nutzen
EMMERICH. Nachdem die Wirtschaftsförderung Emmerich (WfG) zur Teilnahme an der zweiten Runde der Bürgerumfrage aufgerufen hatte, haben rund 850 Emmericher Fragen zu unterschiedlichen Themenbereichen beantwortet.
Damit wurden Erkenntnisse geliefert, die als Basis für die weitere Entwicklung der Stadt Emmerich genutzt werden können. Die Kommunikation der Ergebnisse wird begleitet von einer aufmerksamkeitsstarken Kampagne, die auf überspitzt humoristische Weise die Meinung der Befragten transportiert, um dann sachlich mit den notwendigen Hintergrundinformationen über Entscheidungen und Entwicklungen am Standort aufzuklären.
Sechs Wochen lang konnten Emmericher durch die Bürgerumfrage, die zum zweiten Mal in Zusammenarbeit zwischen der WfG und der Stadtverwaltung erarbeitet worden ist, ihre Sicht auf Themenbereiche wie Sicherheit, Mobilität und Wohnen bis hin zu Innenstadt und Veranstaltungen deutlich machen. „Für uns eine wichtige Grundlage, wenn es darum geht, die Ansichten der Bürgerinnen und Bürger auf ihre Stadt bei Entscheidungsprozessen mit einzubeziehen,“ sagt WfG-Geschäftsführerin Sara Kreipe.
Für große Unzufriedenheit sorgen nach wie vor verschiedene Aspekte im Innenstadt-Bereich, aber die Identifikation mit Emmerich und ein damit einhergehendes Heimat- und Zusammengehörigkeitsgefühl sind ähnlich stark wie bei der Umfrage vor fünf Jahren.
Brennpunkt Innenstadt
„Wir wissen, dass in Bezug auf unterschiedliche Bereiche in der Innenstadt Unzufriedenheit herrscht“, sagt Kreipe. Auf die Multiple-Choice-Frage nach den einzelnen Aspekten schneiden vor allem Einzelhandel, Begrünung, Sauberkeit und Sicherheit schlecht ab.
Auch mit Blick auf die Antworten der Freitext-Frage fallen sowohl die vielen Leerstände als auch die durch mangelnde Sauberkeit eingeschränkte Aufenthaltsqualität immer wieder ins Gewicht. Das Sicherheitsgefühl in der Innenstadt, insbesondere in Dämmerung und Dunkelheit, ist nicht ausreichend. Einige häufige Begründung dafür ist die unzureichende Beleuchtung in bestimmten Bereichen. Neben der Innenstadt werden beim Thema Sicherheit auch die Unterführung am Großen Löwen, der Gisbert-Lensing-Park sowie der Rheinpark als gefühlt zu unsicher benannt.
Starkes Heimatgefühl
Ein Blick auf das Stimmungsbild zeigt aber auch: die Emmericher identifizieren sich mit ihrer Stadt (rund jeder zweite Teilnehmer lebt seit seiner Geburt in Emmerich). Dabei lassen die Antworten der Freitext-Frage darauf schließen, dass vor allem das Gemeinschaftsgefühl in einer Kleinstadt wie Emmerich ein großer Pluspunkt ist. „Das ausgeprägte Vereinsleben, oft genannt in Kombination mit herausragendem ehrenamtlichem Engagement, führen dazu, dass den Teilnehmern ihre Heimatstadt am Herzen liegt und auch untereinander eine große Hilfsbereitschaft herrscht“, erläutert Verena van Niersen, verantwortlich für den Bereich Stadtmarketing und City Management bei der WfG, die Antworten.
Die hier angebotenen Freizeitmöglichkeiten runden die positiven Aspekte des Stimmungsbilds ab: die Mehrheit der Teilnehmer ist (sehr) zufrieden mit den gebotenen Möglichkeiten. Dazu zählen beispielsweise die Möglichkeiten in der Natur – von Rad- und Wanderwegen bis hin zu den Kneipp-Angeboten auf dem Elten Berg – das gastronomische Angebot (vor allem auf der Rheinpromenade) oder die Möglichkeiten, sich in den unterschiedlichsten Vereinen zu engagieren (Schützen, Karneval und Sportvereine).
Kampagne: „Deine Meinung, unsere Antwort“
Kommuniziert werden die Ergebnisse der Bürgerumfrage mit einer Kampagne. Überspitzte Motive zu den am negativsten wahrgenommenen Themenbereichen wie mangelnde Aufenthaltsqualität durch unzureichende Sauberkeit oder Begrünung in der Innenstadt, zu viel Leerstand, Sicherheitsbedenken an einigen Orten sowie neuralgische Verkehrspunkte wie die Schranke am Löwentor oder die Fahrradstraße auf der Wallstraße.
Mit KI-modifizierten Motiven wie ein Split-Screen von grauem Neumarkt und grüner Hetter, einem Camping-Tisch vor der geschlossenen Schranke oder einer Underground-Bar in der Unterführung am Löwentor soll vor allem ein Hingucker geschaffen werden. Die Konzeption sowie die Gestaltung der Motive stammt von der Emmericher Agentur Niederrhein Medien.
„Wir verstehen die Bürger, wenn sie sich über den großen Leerstand oder auch die Sauberkeit in der Innenstadt beklagen“, sagt Kreipe. „Was die Kampagne bewirken soll, ist, dass wir die Aufmerksamkeit der Bürger gewinnen, zeigen, dass wir sie verstanden haben, aber gleichzeitig auch die Chance bekommen, Dinge zu sachlich zu erklären. Wir möchten aktuelle oder zukünftige Entwicklungen hier am Standort mit den notwendigen Informationen, die vielleicht nicht immer allen ausreichend bekannt sind, einordnen.“
So verbirgt sich beispielsweise hinter dem Motiv „Hetter nie gedacht, warum es hier so grün ist“ eine Erklärung, warum es auf dem Neumarkt nicht mehr Begrünung gibt. Auf der Kampagnen-eigenen Landingpage „Deine Meinung“ auf emmerich-erleben.de/deine-meinung können diese und andere Fakten im Detail nachgelesen werden. Zu sehen ist die Kampagne nicht nur auf den Social-Media-Kanälen der WfG, sondern auch an ausgewählten Stellen im Stadtgebiet.
Wer sich die zentralen Ergebnisse der Bürgerumfrage anschauen möchte, kann diese ebenfalls auf der Landingpage einsehen. „Wir haben die zentralen Ergebnisse in einer kompakten Präsentation aufbereitet, die man jederzeit auf unserer Website herunterladen kann“, ergänzt van Niersen.
In Zukunft soll die Bürgerumfrage, in anderer Form, häufiger durchgeführt werden. „Wir können uns vorstellen, einzelne Themenbereiche gezielt rauszugreifen und mit nur wenigen Fragen das Stimmungsbild kurzfristiger festzuhalten und somit gegebenenfalls dynamischer auf Herausforderungen reagieren zu können“, sagt Kreipe.