Bürgerbad Elten erhalten
Breites Bündnis fordert Neubau einer zukunftsfähigen Kleinschwimmhalle
ELTEN. Die Kleinschwimmhalle Elten steht zur Diskussion. Für viele ist es jedoch weit mehr als eine Schwimmhalle: Seit Generationen lernen hier Menschen schwimmen, überwinden Ängste, bleiben gesund und erleben Gemeinschaft. Ein breites Bündnis aus Ehrenamt und Sport warnt nun eindringlich vor einem Wegfall und fordert stattdessen eine klare Entscheidung für den Neubau der Kleinschwimmhalle. Wenn jetzt nicht die Weichen dafür gestellt werden, wird das Bad mittelfristig schließen müssen.
„Ein Bürgerbad ist kein Luxus, es ist Daseinsvorsorge“, heißt es aus dem Kreis der Unterstützer. Das Bad werde wöchentlich von über 1.000 Nutzern besucht; fast die Hälfte komme aus anderen Ortsteilen Emmerichs oder darüber hinaus. Damit sei das Bürgerbad kein reines Stadtteilangebot, sondern eine zentrale Einrichtung für die ganze Stadt. Als ortsnahes Lehr-, Ausbildungs- und Gesundheitsbad erfülle die Kleinschwimmhalle Aufgaben, die nicht einfach durch „irgendeine Wasserfläche“ zu ersetzen seien. Hier findet unter anderem das Schulschwimmen von drei Emmericher Schulen statt, hier trainieren Vereine, hier werden Seepferdchen- und Schwimmkurse angeboten, ebenso Reha- und Präventions-Angebote. Ohne diese Kleinschwimmhalle wären die jahrelangen Bemühungen auf dem Weg zum Kneipp-Kurort Elten vergebens gewesen.
Schon heute reiche die verfügbare Wasserfläche im Embricana nicht aus, um den Bedarf vollständig zu decken – Wartelisten und hohe Nachfrage zeigten das deutlich. Ein Wegfall des Bürgerbades hätte konkrete Folgen: Für Kinder aus Elten würden bei den 30 Pflichtstunden Schwimmen aufgrund organisatorischer Zwänge realistisch nur noch wenige Unterrichtsblöcke bleiben, weil Fahrzeiten und sinnvolle Doppelstunden den Stundenplan zusätzlich belasten. Somit wäre Schwimmen als Unterricht nur noch in einem Halbjahr möglich, was die Schwimmkompetenz der Schüler erheblich beeinträchtigen wird.
Ein entscheidender Unterschied zur reinen Freizeitnutzung ist die Ausstattung, die im Bürgerbad Elten seit Jahren gelebte Praxis ist: Hubboden, Beckenkran, geschützter sicherer Raum und Hubbodentreppe ermöglichen Babyschwimmen, Schul- und Vereinssport ebenso wie Reha- und Präventionskurse – auch für Senioren sowie Menschen mit Einschränkungen. Gerade für Reha-Angebote wird zudem ein auf rund 32 Grad temperiertes Becken benötigt. Diese Kombination mache aus der Kleinschwimmhalle ein echtes Bildungs- und Gesundheitsbad.
Ein Kernpunkt der Argumentation: Das Bürgerbad wird seit vielen Jahren durch den Verein „‘t Eltense Bürgerbad 1993“ mit außergewöhnlichem ehrenamtlichem Einsatz betrieben. Der Verein trägt nach eigenen Angaben bereits heute Chemie- und Reinigungskosten sowie wesentliche Verwaltungsarbeit. Die Kursorganisation erfolgt in enger, gewachsener Zusammenarbeit mit dem Kneipp-Verein Elten. Dieses Modell sei am Standort Embricana in dieser Form nicht leistbar: Dort gebe es bereits heute personelle Engpässe und unbesetzte Stellen. Zudem würden Kursangebote bei einer Übernahme durch das Embricana teurer, weil Personal dann nicht im selben Rahmen über bestehende Strukturen abgebildet werden könne mit dem Risiko, dass Kursleitungen abspringen. Besonders die in Elten etablierten intensiven Ferien-Schwimmkurse könnten im Embricana in dieser Dichte und Verlässlichkeit kaum stattfinden. Entgegen den Behauptungen, gibt es an vier Tagen in der Woche öffentliches Schwimmen gegen Eintrittsgeld.
Das Bündnis widerspricht der Darstellung, das Embricana könne den vollständigen Betrieb „problemlos“ übernehmen. Bei den bisherigen Schließungszeiten der Kleinschwimmhalle Elten konnte das Embricana nicht annähernd die Palette der Kursangebote räumlich und zeitlich abbilden. Schul- und Vereinsschwimmen benötigten ruhige, verlässliche Wasserzeiten, Reha- und Präventionskurse konstante Bedingungen, flexible Beckentiefe und barrierefreie Systeme. Auch die Umkleidesituation im Embricana entspricht nach Einschätzung der Akteure nicht den Anforderungen des Klientels der Reha- und Gesundheitsnutzungen (Sitz- und Bewegungsflächen).
Hinter dem Erhalt des Bürgerbades versammeln sich nach Angaben der Beteiligten der Ortsvorsteher Guido Heuvelmann, der Verein ‚t Eltense Bürgerbad 1993, der Schwimmsportverein Hellas Emmerich und der Kneipp-Verein Elten. Laut Zahlen des Stadtsportbund Emmerich werden allein in Elten mit knapp 2.000 Mitgliedern fast 1.800 Übungsleiterstunden von 25 Übungsleitern gestellt. Heißt, über 50 Prozent der Übungsleiter im Schwimmbereich verrichten ihre Tätigkeit in Elten. Sie betonen: Gewachsene Strukturen, Ehrenamt und jahrzehntelange Erfahrung seien nicht einfach verlagerbar.
Unbestritten sei, dass das Bad modernisiert werden müsse. Das Bündnis sieht darin aber eine Chance: Mit verfügbaren Förderprogrammen von Bund und Land, zum Beispiel der Fördermilliarde vom Bund, der nun zum 15. Januar durch die Stadt Emmerich gestellt wird, könne eine moderne, energetische und barrierefreie Kleinschwimmhalle entstehen, langfristig sogar mit Entlastung des Haushalts. Genannt werden Synergieeffekte durch einen Neubau im Umfeld von Schule und Sporthalle: moderne Wärmerückgewinnung, mögliche Mitversorgung benachbarter Schulgebäude, geringere Folgekosten, keine zusätzlichen Buskosten, sowie die bessere Nutzung freiwerdender Räume, etwa für schulische Bedarfe, die Ogata-Betreuung ab 2026, Ausweichflächen bei Sanierungen oder zusätzliche Vereinsnutzungen. Auch wirtschaftlich verweisen die Unterstützer auf die genannten Betriebskosten von momentan circa 100.000 Euro pro Jahr, die bereits heute anfielen und durch Neubau und Synergien perspektivisch sinken könnten, zumal der ehrenamtliche Betrieb erhalten bleibe.
„Der Name Bürgerbad ist kein Zufall – er ist Auftrag“, betont das Bündnis. Es gehe nicht um ein Gegeneinander von Elten und Emmerich, sondern um eine sinnvolle Ergänzung der Bäderlandschaft und gleichwertige Lebensverhältnisse in allen Stadtteilen. Die Forderung: Der Rat und die Verwaltung sollen sich klar zum Erhalt bekennen und die Weichen für einen Neubau der Kleinschwimmhalle am Standort Elten stellen, als Investition in Sicherheit, Bildung, Gesundheit, Ehrenamt und Stadtentwicklung.