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Greta und Andreas Koep – zwei, die lieben, was sie tun und tun, was sie lieben.NN-Foto: HF
2. August 2025 · Heiner Frost · Rees

Broccoli und Tatort-Schalter

Vor 30 Jahren gingen die „Drei Raben“ in Rees an den Start. Im Dezember ist Finale.

REES. Die Zukunft: Ein T4 mit Zeltdach, der Klang einer Mundharmonika und: Zeit haben – sich einfach mal aus dem Staub des Alltags machen. Das könnte Teil der Vision sein, die ab Januar für Greta und Andreas Koep gelebte Wirklichkeit wird. Bis dahin freitags, samstags und sonntags das „Landhaus Drei Raben“ – für die beiden ein gelebter Traum. Aber Ende Dezember ist Schluss.

„Wir geben nicht auf“, sagen die Greta Andreas: „Wir hören auf.“ Wie es im kommenden Jahr mit den Drei Raben weitergeht ist noch nicht klar. Jetzt geht es darum, eine Geschichte zu erzählen.

Sie handelt von Gästen, vom Kochen und der Liebe zu beidem. Als die beiden Niederrheiner in den 80-ern die Welt zum Lernen enterten, war die kulinarische Welt eine andere. „Damals konntest du hier nicht mal Broccoli kaufen“, erinnert sich Koch Andreas. Keine Kritik – nur eine Beschreibung. Merke: Wenn einer Koch ist, beschreibt er die Welt aus einer anderen Sicht.. Die Koeps lernten in der Schweiz, in Süddeutschland und kamen irgendwann mit der Idee von der eigenen Gastronomie zurück an den Niederrhein. Sie erfuhren von diesem Hof in Reeserwaard und streckten ihre Fühler aus. Die Sache klappte und am 2. August 1995 war Premiere. „Ich erinnere mich noch an unsere ersten Gäste. Da fragte einer: Seit wann gibt es dieses Restaurant?, und ich habe gesagt: Seit heute.“

Andreas erzählt. Greta nickt. Zwei Menschen – ihre Vergangenheit speist sich aus einem identischen Erinnerungspool. Die Drei Raben: ein gelebter und geliebter Traum. So sehen es die Koeps. Warum eigentlich „Drei Raben“? Das hat etwas was mit den Franzosen zu tun, die im 18. Jahrhundert hier waren. „Da gibt es eine Karte, auf der der Hof mit dem Namen ‚Trois Jacques‘ eingetragen ist. Raben werden ja hier auch schon mal Jakob genannt“, erklärt Koep. So wurde aus „Trois Jaques“ das „Drei Raben“.

Das Ziel von Anfang an: Keine Schnitzelbude. Nicht, dass Koep etwas gegen ein gutes Schnitzel hätte, aber Greta und ihm ging es immer um gehobene Küche gleich unterhalb des Sterneniveaus. „Sterneküche ist Stress. Den wollten wir nie. Wir wollten Kontakt zu unseren Gästen und Zeit für sie haben“, sagt Andreas und Margarete fügt hinzu: „Mindestens 90 Prozent unserer Kunden sind Stammkunden.“Die Bälle fliegen hin und her. Andreas: : „Da gibt es welche, die anrufen und einen Tisch bestellen und du weißt dann eigentlich schon, was sie essen möchten.“

Margarete und Andreas sind – man merkt das schnell ein eingespieltes und verschworenes Team – spielen sich die Bälle zu. Wer mit den beiden redet, bekommt reichlich Geschichte(n) geliefert und das, was das Leben an Lehren mitbringt. Eine davon: „Du musst neugierig sein. Es gibt immer was zu lernen.“ Und in Bezug auf den Job, der eben keiner ist: „Natürlich musst du Geld verdienen, aber am Ende ist das Schönste, wenn die Gäste dankbar sind, zufrieden, glücklich.“

Es geht nicht darum, ob man „dieses Jahr schon in Dubai gewesen ist. Wenn mich das einer fragt, sage ich: Nein, dafür haben wir keine Zeit.“

Das wird sich ändern. Und - nein: Es muss nicht Dubai sein. Es reicht das Gefühl, einfach mal spontan etwas unternehmen zu können. „Wahrscheinlich müssen wir das erst wieder lernen“, sagt Greta. „Interessen und Hobbys haben wir reichlich.“ Bei Andreas ist es – unter anderem – die Musik: Er hat mit 60 angefangen, Mundharmonika zu lernen. „Das war immer ein Traum von mir. Also habe ich angefangen. Es klappt schon ganz gut“, sagt er und zückt sein Smartphone: „Das übe ich gerade“, sagt er, drückt auf den Playknopf einer App und ein kleinblauweißunscheinbarers VW-Bulli-Modell, das im Gastraum parkt, entpuppt sich als Bluetoothlautsprecher. Zu hören: Ein Blues mit Gitarre und Mundharmonika. Andreas‘ Augen leuchten wie die Scheinwerfer eines T4. Genau – wäre auch dieses Gefährt in Originalgröße mit zusätzlichem Zeltdach. Mit dem werden die beiden unterwegs sein. Schlafen unter den Sternen, Radfahren, Wandern, Leute treffen und Zeit haben. Und die Drei Raben? Nichts Genaues weiß man nicht, aber „wir sind im Gespräch mit Menschen, die sich dafür interessieren“, sagt Margarete.

Wird es denn in diesem Jahr noch ein Weihnachts- oder Silvestermenü geben? Klare Antwort. Nein. Das liegt nicht an der mangelnden Lust. „Es ist einfach unglaublich schwierig, gutes Personal zu finden“, sagen die beiden und fügen hinzu: „Das ist nicht nur für uns ein Problem.“ Das Rezept bis dahin: Exakte Planung. „Bei uns in der Küche nennt sich das: Mise en place“, erklärt Andreas. Exakte Vorbereitung ist alles. „Je besser du planst, umso stressfreier kannst du arbeiten.“ Apropos Planung: „Wir haben hier damals quasi nackte Räume gepachtet und dann alles selbst geplant“, sagt Margarete und es klingt ein ehrlicher Stolz in ihrer Stimme. Für die Koeps geht es immer auch um die Kleinigkeiten: „Auf unseren Schirmen draußen findest du keine Markennamen. Das war und ist uns wichtig.“

Ergänzung: Im Haus werden Brot und Eis in Eigenproduktion hergestellt und die Gäste des haben, wenn sie möchten, einen freien Blick in die Küche. Auf der Karte steht: „Wir können die Zeit nicht anhalten, aber Sie sollten sich auf uns einlassen.Wir können und wollen die Zeit im „Landhaus Drei Raben“ nicht anhalten, aber lassen Sie sich einfach auf etwas ein, was wir auf unsere eigene Art und Weise belohnen werden.“ Der Idealfall: „Du brauchst keine Tiefkühlkost und keinen Dosenöffner.“ Klammer auf: Kannst du kochen oder machst du nur warm?

Was ist eigentlich der Tatort-Schalter, den Andreas in einem Nebensatz erwähnt. „Ganz einfach: Sonntags um 20.15 triffst du keine Kunden mehr. Rosamunde Pilcher oder Tatort.“ Die Gewohnheiten der Gäste haben sich mit den Jahren geändert.

Was die beiden sich wünschen: Die Rückkehr ins Wesentliche. „Aufhören ist schwer, wenn du den Job liebst“ – einer dieser Sätze. Aber es gibt ja ausreichend Pläne und Projekte. Greta und Andreas werden nicht ins schwarze Loch der Freizeit abrutschen. Sie werden – wie ihre Gäste es immer konnten, genießen. In möglichst vollen Zügen.

Greta und Andreas Koep – zwei, die lieben, was sie tun und tun, was sie lieben.NN-Foto: HF

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