"Vertreter der Bürgerinitiative Boeckelter Weg fordern mehr Sicherheit auf dem Boeckelter Weg, Archivfoto"
15. Juni 2026 Von NN-Online · Geldern

Boeckelter Weg: Bürgerinitiative fordert Kurswechsel und mehr Transparenz

Kritik an aktualisierten Umbauplänen und am Fokus auf motorisierten Verkehr

GELDERN. Die Interessengemeinschaft Boeckelter Weg kritisiert die aktualisierten Umbaupläne für die Straße und fordert von Politik und Verwaltung eine transparente Begründung ihrer Entscheidungen. Trotz der politischen Ziele zur Förderung von Nahmobilität, Verkehrssicherheit und Aufenthaltsqualität liege der Schwerpunkt der Planung weiterhin auf einem möglichst flüssigen motorisierten Verkehr.

Nach Auffassung der Initiative zeigt sich dies unter anderem an schmalen Gehwegen von teils nur zwei Metern Breite sowie daran, dass der Radverkehr überwiegend im fließenden Verkehr geführt werden soll. Gerade angesichts der hohen Zahl von Schülern, die den Boeckelter Weg täglich zu Fuß oder mit dem Fahrrad nutzen, sowie des großen Anteils älterer Menschen und Familien im Umfeld entstünden dadurch vermeidbare Konflikte und Sicherheitsrisiken.

Die Interessengemeinschaft verweist darauf, dass während des mehrjährigen Beteiligungsverfahrens – zuletzt in zwei Planungswerkstätten – zahlreiche Hinweise, Stellungnahmen und Verbesserungsvorschläge von ortskündigenden Anwohnern eingebracht worden seien, die aber in den aktualisierten Plänen keinen Eingang gefunden hätten. Gleichzeitig seien wesentliche Fragen zu Verkehrsdaten, Planungsgrundlagen und Abwägungskriterien bis heute nicht nachvollziehbar beantwortet worden.

„Der Boeckelter Weg entsteht nicht aus technischen Sachzwängen, sondern aus politischen Entscheidungen“, erklärt die Initiative. Die Politik müsse deshalb offenlegen, warum trotz der erklärten Ziele für Sicherheit, Klimaschutz und Nahmobilität weiterhin dem motorisierten Verkehr die höchste Priorität eingeräumt werde.

Für die Initiative geht um eine grundsätzliche Frage: Soll die Neugestaltung einer Straße mit einem Budget von ca. 4,5 Millionen Euro für die nächsten Jahrzehnte beschlossen werden, obwohl zentrale Widersprüche und offene Fragen im Verfahren bislang ungeklärt sind? „Niemand wird später sagen können, diese Straße sei alternativlos entstanden.“

Rückwärtsgewandte Entwürfe

Besonders kritisch sieht die Interessengemeinschaft, dass mit dem Umbau eine einmalige Chance vertan werden könnte. Der Boeckelter Weg kann nach Ansicht der Initiative zu einem Vorzeigeprojekt für eine moderne und sichere Verkehrsplanung werden – mit Strahlkraft für die gesamte Stadt. „Statt neue Maßstäbe für die gleichberechtigte Berücksichtigung von Fuß-, Rad- und Autoverkehr zu setzen, orientiert sich die Planung jedoch weitgehend an überkommenen Prioritäten.“ Die vorgelegten Entwürfe seien daher weniger zukunftsweisend als vielmehr rückwärtsgewandt.

Bereits in der kommenden Woche, am Mittwoch, 24. Juni, soll über die Umbaupläne in der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses entschieden werden. Widersprüchlicher gehe es nicht, kritisiert die Initiative: In derselben Sitzung soll das fertig gestellte Nachhaltige Stadtentwicklungskonzept 2040 verabschiedet werden. Das Konzept benennt wegweisende Vorgaben für unter anderem Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen, für die zeitgemäße Entwicklung der Nahmobilität und für die soziale Teilhabe der Bürgerschaft. „Für den Boeckelter Weg will die Politik das Konzept offensichtlich nicht anwenden“, heißt es von Seiten der Interessengemeinschaft.

Das Beispiel Boeckelter Weg zeige, dass zwischen ersten Sanierungsplänen und Abschluss der Ausführung schnell zwischen acht bis zehn Jahre vergehen können. „Wann möchten unsere politischen Verantwortlichen im Rat der Stadt Geldern mit der Gestaltung eines zukunftsfähigen Lebensumfelds für ihre Bürger beginnen?“

Sprechen sich für mehr Sicherheit auf dem Boeckelter Weg aus: Vertreter der Bürgerinitiative Boeckelter Weg. NN-Foto (Archiv): MB

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