Gudrun Kleffe vor ihrer Installation aus Jeansstoffen, mit der sie die Betrachter dazu anregt, eigene Gedanken zum Thema Jeans festzuhalten. NN-Foto: SP
16. Juli 2026 · Sabrina Peters · Xanten

„Blau Zeit“ in Xanten: Gudrun Kleffe macht Jeans zum Kunstwerk

In der Galerie im DreiGiebelHaus in Xanten präsentiert die Moerser Künstlerin Textilkunst aus Denim

XANTEN. Bei Gudrun Kleffe wird die Jeans zur Botschaft: Aufgetrennt ist sie über einen Rahmen gespannt, während oben rechts die amerikanische Flagge angedeutet wird. Das Peace-Zeichen ist zerschnitten und wird nur durch ein anderes Stück Jeansstoff wieder mit etwas Abstand miteinander verbunden. Das Werk ist 2022 – am Ende der ersten Amtszeit des US-Präsidenten Donald Trump – entstanden. „Es soll die große Diskrepanz darstellen. Ich habe das Gefühl, dass die amerikanische Bevölkerung zerteilt ist“, sagt Kleffe. Dieser Umstand habe sie damals so beschäftigt, dass sie diese Empfindung in einem Werk verarbeitet hat. „Ansonsten ist meine Kunst nicht politisch“, sagt Kleffe, die ihre Textilkunst im Rahmen ihrer Ausstellung „Blau Zeit“ ab dem kommenden Sonntag, 19. Juli, in der Galerie im DreiGiebelHaus in Xanten, Kapitel 18, präsentiert.

Die in Moers lebende Künstlerin ist nicht nur in Bezug auf ihre Arbeiten fasziniert von textilen Stoffen. „Ich mag einfach unterschiedliche Stoffe. Jeder hat eine andere Oberfläche und somit auch eine andere Haptik – sei es Baumwolle, Leinen oder eben Jeans. Ich mag es daher auch, mit Naturstoffen zu arbeiten“, sagt Kleffe und ergänzt: „Bei meinen Arbeiten mit Denim interessiert mich das kulturell aufgeladene Material, das zwischen Körper, Alltag und Identitätsbildung vermittelt. Ausgangspunkt meiner Arbeit ist der Jeansstoff dabei nicht nur als textiles Material, sondern als Träger vielschichtiger Bedeutungen, die sich durch Gebrauch, persönliche Aneignung und gesellschaftliche Zuschreibungen überlagern.“

Für ihre Arbeiten hat Kleffe unterschiedliche Jeanshosen gesammelt („Ich habe unter anderem Bekannte gefragt“) und diese dann in unterschiedliche Größen zurechtgeschnitten. „Den Hosenbund habe ich in nur wenigen Werken verarbeitet, die Nähte meist gar nicht“, berichtet Kleffe, die dafür umso mehr die glatten Jeansflächen mit ihren unterschiedlichen Farbgebungen in Szene gesetzt hat – unter anderem, indem sie fast immer gleich große Rechtecke übereinanderlappend vernäht hat. An einer anderen Wand präsentiert Kleffe lediglich verschiedene Gesäßtaschen verschiedener Jeanshosen. Damit zeigt sie gleichzeitig die Vielfältigkeit des beliebten und mittlerweile alltäglichen Kleidungsstücks.

„Jeans gehören zu den weltweit verbreitetsten Kleidungsstücken und haben sich gleichzeitig zu einem vieldeutigen Symbol entwickelt. Mich interessiert dabei besonders die Spannung zwischen Individualität und Vereinheitlichung, zwischen persönlicher Geschichte und kollektiver Bildsprache. In dieser Ambivalenz begreife ich Denim als ein Material, das Erfahrungen, Spuren und Zeit speichert und sichtbar macht“, erklärt Kleffe selbst. Auch die Farbe Blau spiele eine bedeutende Rolle. „Die Farbe Blau bildet als wesentliches Merkmal des Denim eine zentrale ästhetische und konzeptuelle Konstante meiner Arbeit. Für mich ist Blau nicht nur eine Farbe, sondern ein atmosphärischer Zustand, der zwischen Ruhe, Tiefe, Alltag und Abstraktion oszilliert und Wahrnehmung strukturiert. Mit den Arbeiten zu ,Blau Zeit‘ untersuche ich die Beziehung zwischen Material, Körper und Wahrnehmung. Dabei interessiert mich weniger die Vermittlung einer eindeutigen Bedeutung als vielmehr die Öffnung eines Feldes, in dem Bedeutungen in Bewegung geraten, sich verdichten und neuformieren.“

Gudrun Kleffe möchte den Betrachter ihrer Werke aber auch selbst mit in die Ausstellung einbeziehen. So regt sie dazu an, in prägnanten Wörtern die eigenen Gedanken zum Thema Jeans aufzuschreiben. Dabei ist ihr auch bewusst, dass die verschiedenen Generationen ganz unterschiedlich auf das oftmals blaue Kleidungsstück blicken. Denn während heutzutage die Jeans ein sehr beliebtes und nicht mehr wegzudenkendes Alltagskleidungsstück darstellt, war das etwa vor über 70 Jahren noch nicht der Fall. Auch wenn die erste Jeans bereits 1948 in Europa produziert wurde, wandelte sich die einstige Arbeitshose erst in den 1950er Jahren zum Kultsymbol der rebellischen Jugend. Erfunden hat die „Blue Jeans“ übrigens der in Franken geborene Auswanderer Levi Strauss 1873 in den USA. Die robusten Arbeitshosen kamen in nennenswerter Zahl allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg durch die amerikanische Besatzungsmacht nach Deutschland. Von der bemerkenswerten Geschichte der Jeans ist Gudrun Kleffe ebenso fasziniert. Auch das sollen ihre Arbeiten mit Denim, wie der für Jeanshosen verwendete robuste Baumwollstoff genannt wird, ausdrücken.

Die Textilkunst-Ausstellung „Blau Zeit“ von Gudrun Kleffe wird am kommenden Sonntag, 19. Juli, 12 bis 14 Uhr, in der Galerie im DreiGiebelHaus Xanten, Kapitel 18, eröffnet. Zur Begrüßung sprechen Xantens Bürgermeister Rafael Zur und Kunsthistorikerin Sevgi Ciftci. Die Ausstellung kann anschließend bis zum 19. September mittwochs von 9 bis 13 Uhr, mittwochs bis freitags von 14 bis 17 Uhr sowie freitags und samstags von 9 bis 13 Uhr besucht werden.

Ein zerteiltes Peace-Zeichen: Gudrun Kleffe sieht darin ein Sinnbild für die Situation in den USA. NN-Foto: SP

Ein zerteiltes Peace-Zeichen: Gudrun Kleffe sieht darin ein Sinnbild für die Situation in den USA. NN-Foto: SP

Eine Wand voller Gesäßtaschen von alten Jeanshosen. NN-Foto: SP

Eine Wand voller Gesäßtaschen von alten Jeanshosen. NN-Foto: SP

Gudrun Kleffe vor ihrer Installation aus Jeansstoffen, mit der sie die Betrachter dazu anregt, eigene Gedanken zum Thema Jeans festzuhalten. NN-Foto: SP

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