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Ein eindringlicher Abend mit Nils Oskamp in Emmerich. Foto: Inken Brenner/Stadtbücherei Emmerich
8. März 2026 Von NN-Online · Emmerich

Bewegende Lesung von Nils Oskamp in Emmerich

Grafikdesigner und Comiczeichner Nils stellt Graphic Novel „Drei Steine“ vor

EMMERICH. Der kleine Veranstaltungsraum der Stadtbücherei Emmerich füllte sich schnell bis auf den letzten Platz. Immer wieder wurden zusätzliche Stühle herangetragen und Regale verschoben, um allen Interessierten einen Platz zu ermöglichen. Die Besucher erlebten an diesem Abend eine eindringliche und bewegende Lesung, die niemanden kalt ließ.

Der Grafikdesigner und Comiczeichner Nils Oskamp stellte seine vielfach ausgezeichnete Graphic Novel „Drei Steine“ vor. In dem autobiografischen Werk erzählt er von seinen eigenen Erfahrungen mit Rechtsextremismus als Jugendlicher in den 1980er-Jahren in Dortmund-Dorstfeld. Die Geschichte beginnt unscheinbar: Einige Mitschüler leugnen den Holocaust. Oskamp widerspricht – und gerät damit ins Visier der rechtsextremen Szene an seiner Schule.

In seiner Graphic Novel schildert der Autor, wie sich rechtsradikale Strukturen damals unter Jugendlichen ausbreiteten und mit welchen perfiden Methoden Neonazis versuchten, Gleichaltrige für ihre Ideologie zu gewinnen. Besonders eindrucksvoll ist dabei, dass Oskamp nicht nur seine eigenen Erlebnisse beschreibt, sondern auch zeigt, wie das Schweigen von Mitschülern und Erwachsenen dazu beitrug, dass Gewalt und Einschüchterung immer weiter eskalieren konnten.

Die Lesung gestaltete Oskamp äußerst lebendig. Er wechselte zwischen verschiedenen Stimmen, ließ Geräusche und Dialoge entstehen und verwandelte einzelne Szenen fast in ein Hörspiel. Zugleich streute er immer wieder Hintergrundwissen über die rechtsextreme Szene ein. Wie groß sein Wissen ist, zeigte sich besonders in der Fragerunde nach dem ersten Teil der Lesung, in der er offen und ausführlich auf Fragen aus dem Publikum einging.

Die Zuhörer erfuhren auch, wie brutal die Gewalt wurde, der Oskamp schließlich selbst ausgesetzt war. Auf ihn wurde geschossen, später wurde er so schwer zusammengeschlagen, dass er elf Tage im Koma lag. Dass er diese Angriffe überlebte, grenzt an ein Wunder. Die Ereignisse aus erster Hand zu hören, ließ viele im Raum sichtlich erschüttert zurück.

Besonders berührend war der Schluss der Lesung. Oskamp zeigte Bilder von sich und seinem neunjährigen Sohn Tom – benannt nach dem einzigen Menschen, der ihm damals zur Hilfe kam. In der Graphic Novel fragt der Junge seinen Vater nach den damaligen Ereignissen. Weil alles mit der Leugnung des Holocaust begann, schließt Oskamp das Buch mit Bildern und Fakten über die nationalsozialistischen Verbrechen. Damit schlägt er bewusst eine Brücke von der persönlichen Geschichte zur historischen Verantwortung.

Die Erlebnisse seiner Jugend haben Nils Oskamps Leben nachhaltig geprägt. Das Thema Nationalsozialismus ließ ihn nie los. Er recherchierte in zahlreichen Büchern, sprach mit Überlebenden und besuchte viele Gedenkstätten. All dieses Wissen fließt in „Drei Steine“ ein, das heute auch häufig in Schulen eingesetzt wird, um über Rechtsextremismus, Zivilcourage und Demokratie zu sprechen.

Während der Lesung in Emmerich fiel es dem Autor an manchen Stellen sichtbar schwer, über die Ereignisse zu sprechen. Im Publikum wurden einige Tränen weggewischt. Der Abend endete schließlich mit einem eindringlichen Appell an Menschlichkeit und Zivilcourage – für viele Anwesende ein Moment der Erleichterung nach einer emotionalen Reise.

Organisiert wurde die Veranstaltung mit Nils Oskamp von der Stadtbücherei Emmerich im Rahmen ihres Projekts „Land.schafft.Demokratie“.

Ein eindringlicher Abend mit Nils Oskamp in Emmerich. Foto: Inken Brenner/Stadtbücherei Emmerich

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