Bekenntnis zur Jugendarbeit
Die evangelische Kirchengemeinde Kleve lädt zu einem runden Tisch ein
Vor einigen Wochen ereignete sich dort das, was man einen „Vorfall“ nennen könnte. Pfarrer Achim Rohländer (Vorsitzender des Presbyteriums der evangelischen Kirchengemeinde Kleve) und sein Kollege Benjamin Meister (Ansprechpartner in Sachen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen) waren selber nicht dabei. Meister: „Es gibt drei Versionen dessen, was geschehen ist.“
Die Feldmannstege ist eine Tempo-30-Straße. Einen Bürgersteig gibt es nicht. Wenn Jugendliche, die aufgrund des Jugendschutzes weder im „EFFA“ noch auf dem Gelände der evangelischen Kirche rauchen dürfen, dies trotzdem tun wollen, stehen sie außerhalb des kirchlichen Geländes auf eben jener Feldmannstege. „An dem bewussten Tag dürften sich dort zwischen 30 und 40 Jugendliche aufgehalten haben“, erklärt Meister. „Die standen aber nicht in einem Pulk, sondern wahrscheinlich in kleineren Gruppen.“ Eine Anwohnerin, die nun mit ihrem PKW aus der Feldmannstege Richtung Hagsche Straße ausfahren wollte, fühlte sich durch die Jugendlichen behindert. Sie hupte und die Jugendlichen „klopften dann aufs Autodach“ – so Meisters Vermutung. „Wie gesagt: Weder Achim Rohländer noch ich waren vor Ort und auch der Jugendleiter nicht. Also gibt es drei Versionen des Geschehens. Eine Version stammt von der Fahrerin, die zweite von den Jugendlichen und eine dritte vom Gärtner, den wir später dazu befragt haben.“ In jedem Fall kam es zu zwei Anzeigen wegen Körperverletzung – eine wurde von der Autofahrerin (und Nachbarin) erstattet, die andere von einer Jugendlichen.
Achim Rohländer: „Wir haben einen Tag später ein Treffen mit den Nachbarn veranstaltet, an dem die Fahrerin des PKW leider nicht teilgenommen hat. Uns ist es sehr wichtig, Sorgen und eventuelle Beschwerden der Anwohner sehr ernst zu nehmen und so haben wir gestern [Montag, 28. Mai] das Thema als Punkt eins in einer regulären Presbyteriumssitzung besprochen.“ Ein Ergebnis der Sitzung: „Wir wollen zeitnah einen runden Tisch veranstalten, zu dem Jugendamt, Ordnungsamt, Polizei, Nachbarn und Mitglieder der Kirchengemeinde eingeladen werden.“ In einem Schreiben der Kirchengemeinde heißt es: „Seit einiger Zeit wird das Verhalten von Jugendlichen und jungen Menschen in der Feldmannstege gegenüber Anwohnern und Passanten als ‚aggressiv‘ wahrgenommen. Das ist nicht im Sinne der Kirchengemeinde. [...] Die Verunsicherung und den Ärger der Anwohner nehmen wir ernst. Das Problem können wir aber als Kirchengemeinde nicht alleine lösen. [...] Als Kirchengemeinde legen wir großen Wert auf ein gutes Miteinander innerhalb unserer Kirchengemeinde und im Umgang mit Anwohnern und der Stadtgesellschaft. Das soll so bleiben und wir möchten das uns Mögliche dazu beitragen.“ Gleichzeitig bekenne sich die Gemeinde allerdings zur offenen Jugendarbeit. Dass eine Ansammlung von Jugendlichen als bedrohlich empfunden werden könne, sei verständlich und müsse thematisiert werden.
Die Jugendlichen, die sich im und am „EFFA“ aufhalten, sind im Alter zwischen 13 und 18 Jahren. Benjamin Meister: „Es ist auch so, dass viele der Jugendlichen zwischen den verschiedenen Angeboten pendeln – sich also nicht ausschließlich im ‚EFFA‘ aufhalten.“ Am Ende allerdings spielt das keine Rolle für den „Vorfall“ und es bleibt zu hoffen, dass der runde Tisch bei allen Beteiligten für Kommunikation, Klärung und Annäherung sorgen wird. Achim Rohländer: „Sobald es einen konkreten Termin gibt, werden wir den bekanntgeben.“Heiner FrostDie Situation vor dem EFFA: Einen Bürgersteig gibt es ander Feldmannstege nicht und wenn 30 bis 40 Jugendliche draußen stehen, kann es eng werden.NN-Foto: Rüdiger Dehnen