Ausbleibender Regen bedroht Ernten im Kreis
Kreisbauernschaft Wesel fordert schnelle nationale Umsetzung der EU-Agrarkrisenreserven
NIEDERRHEIN. Die anhaltende Trockenheit und die erneut hohen Temperaturen bereiten den landwirtschaftlichen Familienbetrieben in der Region große Sorgen. Während die Getreideernte vielerorts bereits schon abgeschlossen ist, blicken die Landwirte nun mit Sorgen auf die Kulturen, die noch auf den Feldern stehen. Besonders Kartoffeln, Mais, Zuckerrüben, Obst und Gemüse leiden weiterhin stark unter dem ausbleibenden Regen. „Diese Kulturen befinden sich derzeit in ihrer entscheidenden Wachstums- und Ertragsbildungsphase; ohne ausreichend Wasser können sich die Pflanzen nicht normal entwickeln. Vielerorts geht es inzwischen nicht mehr um Spitzenerträge, sondern darum, überhaupt noch eine wirtschaftlich tragfähige Ernte einzufahren“, erklärt Johannes Leuchtenberg, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Wesel. Sorge bereitet Johannes Leuchtenberg in diesem Zusammenhang auch die Futterversorgung der tierhaltenden Betriebe. Zwar konnten dank der Niederschläge im Frühjahr auf vielen Grünlandflächen bereits mehrere Schnitte eingefahren und damit ein wichtiger Teil des Jahresfutterbedarfs gesichert werden, aktuell droht aufgrund der anhaltenden Trockenheit jedoch der Ausfall von mindestens einem Grünlandschnitt. Umso wichtiger ist nun die Entwicklung des Maises, der eine zentrale Rolle in der Fütterung von Rindern spielt. In vielen Regionen leidet dieser bereits erheblich unter der Trockenheit. „Bleiben die dringend benötigten Niederschläge aus, drohen deutliche Ertragseinbußen und eine angespannte Futterversorgung im weiteren Jahresverlauf“, so der Kreisvorsitzende. Zu den trockenheitsbedingten Ernteverlusten kommen hohe Kosten für Dünger, Energie und Dieselkraftstoff. Sinkende Einnahmen bei gleichzeitig hohen Ausgaben verschärfen die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe. „Insbesondere unsere tierhaltenden Betriebe im Kreis Wesel stehen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Hohe Energie- und Betriebsmittelkosten, steigende Futterkosten und gleichzeitig niedrige Milch- und Fleischpreise lassen kaum Spielraum für Investitionen“, teilt Johannes Leuchtenberg mit.
Vor diesem Hintergrund fordert die Kreisbauernschaft Wesel ein entschlossenes Handeln der Bundesregierung. Die Europäische Union hat bereits Mittel aus der Agrarkrisenreserve bereitgestellt, um die gestiegenen Düngemittelkosten der landwirtschaftlichen Betriebe abzufedern. „Frankreich nutzt dieses Instrument bereits und ergänzt die EU-Mittel national. Deutschland muss jetzt nachziehen, damit unsere landwirtschaftlichen Betriebe im europäischen Wettbewerb nicht benachteiligt werden. Ebenso brauchen wir endlich die seit langem geforderte steuerfreie Risikoausgleichsrücklage. Diese würde den Betrieben ermöglichen, finanzielle Reserven für Jahre mit Extremwetter und/oder starken Marktschwankungen aufzubauen und so ihre Risiken eigenverantwortlich abzusichern.“, erklärt Johannes Leuchtenberg.