Am Sonntag noch einmal Jan Szopinski mit der Kantorei
Das Bistum ehrte die Kalkarer Kirchenmusik
Somit endet eine 27-jährige Laufbahn in Kalkar nach vorherigen intensiven Jahren unter abderem in Krefeld. Der Kantor in der Heilig-Geist-Pfarrei hat viele Menschen in den Schulen, im Kinder- und Jugendchor, in der Kantorei und im Pankratius-Chor, im Blockflöten-Ensemble und in der Choralschola für die Kirchenmusik animiert und begeistert. Seine Kompositionen sind grenzüberschreitend gefragt und sein Orgelspiel hat unzählige Gottesdienstbesucher in frohen und schweren Tagen einfühlsam unterstützt.
Zu Jahresende hat Diözesanpräses Clemens Lübbers in St. Nicolai über die Kirchenmusik gesprochen und die beiden Kalkarer Chöre sowie ihren hervorragenden Kantor geehrt: Er drückte es so aus: „Die stimmlich-emotionale Selbsterfahrung, dieses Einbringen in die Musik ermöglicht dem Einzelnen im Chor einen Weg zu Individualität in der Gruppe. Mit dem „Erlebnis Singen“ entsteht eine chorische Solidarität, in der wir füreinander da sind, uns aufeinander verlassen, aufeinander hören, aufeinander Rücksicht nehmen, voneinander lernen, aneinander arbeiten, einander die Meinung sagen, einander anerkennen: ein hochstrukturiertes und anspruchsvolles soziales Live-Netzwerk, welches beispielhaft und prägend sein kann für unser ganzes Leben. Und das können Sie, liebe Chorsängerinnen und -sänger, liebe Musikerinnen und Musiker, wohl jetzt mit ganz vielen Beispielen untermauern. Wie viel tragen Sie durch Ihre gemeinschaftsstiftenden Aktionen zum Zusammenhalt Ihrer Chöre, Ihrer Schola und Ihres Blockflötenensembles, dann Ihrer Kirchengemeinde und Ihrer Stadt bei! Wie viel ehrenamtliches Engagement – ohne das es mächtig ärmer wäre hier in Kalkar! Dafür meinen ganz, ganz herzlichen Dank!“
Die Ehrung für die Chöre nahm er so vor: „Und jetzt ist es an der Zeit Sie, liebe Nikolaus-Kantorei, und Sie, lieber Pankratius-Chor, zu ehren mit der Palestrina-Medaille des ACV, des Allgemeinen Cäcilien-Verbandes für Deutschland, der seinen Sitz in Regensburg hat. So darf ich Sie, liebe Frau Abbing-Kemper, Sie, lieber Herr Franken, Dich, lieber Jan, bitten, zu mir zu kommen, damit ich den beiden Erstgenannten die Urkunde und die Palestrina-Medaille überreichen kann. Herzlichen Glückwunsch zum 200-jährigen Jubiläum, liebe Nikolaus-Kantorei! Herzlichen Glückwunsch zum 100-jährigen Jubiläum, lieber Pankratius-Chor! Mit diesem Glückwunsch verbinde ich für Sie, liebe Chorsängerinnen und Chorsänger, dass Ihr Gesang auch weiterhin von ganz innen kommt, ein Spiegel der Seele ist, dass Sie zu Ihrem eigenen Wohl, zur Freude und Erbauung der Zuhörer und zum Lobe Gottes singen, und dass Sie weiterhin „fröhlich und getrost“ bleiben, wie es im Schlusschoral der Bachschen Motette heißt.“
Dann wandte er sich an Kantor Jan Szopinski, den er schon lange kennt: „Seit einigen Jahrzehnten bist Du hier als Kirchenmusiker in St. Nicolai! Das heißt, Du wirkst hier als Organist, Chorleiter, Kantor und Leiter des Blockflötenensembles, auch das besteht jetzt schon bald 20 Jahre. Aus all dem hört man den Musiker heraus. Aber Du bist noch mehr: Großorganisator. Wer seit 2006 über 100 mal eine geistliche Abendmusik veranstaltet, der hat viel vorzubereiten. Dazu bedarf es auch eines gewissen Talentes. Des Weiteren stehst Du hier als Mensch. Als – so habe ich Dich zumindest immer wieder erlebt –, als fröhlicher, freundlicher und heiterer, als ehrgeiziger, leidenschaftlicher und empathischer, als einer, der von seiner Aufgabe und seinem Dienst überzeugt ist, als einer: der gerne erzählt. Wenn Jan bei mir anruft, dann weiß ich: Clemens, nimm Dir Zeit. Die habe ich mir gerne genommen.
Und als letztes stehst Du hier – nein, als erstes stehst Du hier als gläubiger, getaufter Christ. Denn das, was Du hier in Kalkar lebst, ist Dein Getauft-Sein. Und was heißt das? Das, was Gott am Anfang getan hat und was er an uns weitergegeben hat, an jede Christin und an jeden Christen, selber tun – nämlich: kreieren, also selber schöpferisch tätig sein. Wieviel hast du komponiert, arrangiert und gesetzt: Einer Übersicht konnte ich 14 mal Deinen Namen entnehmen, der dann u. a. neben Mozart steht. Das will ja schon was heißen. Dass die Zahl 14 viel zu gering ist, weiß ich natürlich, denn: Noten gesetzt hast Du viel, viel häufiger. Die Zahl 14 ist mehr symbolisch zu verstehen, als Zeichen der Fülle: zweimal 7, zweimal die „Welt erschaffen“, will heißen: die musikalische Welt erweitern – mit Deinem ureigenen „Ton“, also: Kompositionsstil. Ich greife aus der Fülle der Stücke, die Deiner Feder entsprossen sind, das „Magnificat“, die „Missa Sancti Gregorii“ und die „Missa cum jubilo“ heraus und stellvertretend für alle Kompositionen Deine „Friedensmesse“. Ein Werk voller Herzblut. Ich höre sie gerne. Melodien, die einen – zumindest mich – zutiefst anrühren, weil der Friede so gefährdet ist, der große wie der kleine.
Des Weiteren sind da die unzähligen Arrangements vieler polnischer Melodien und Hymnen sowie Arrangements zu weltlichen Liedern für Ständchen.