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Alexandra Bottenbruch (studio20.21), Harald Münzner (Stadt Kalkar), Lioba Rochell (Verein der Freunde Kalkars) und Thomas Baumgärtel (v.l.) mit den Werken des "Banansprayer"-Künstlers. NN-Foto: SP
28. Mai 2026 · Sabrina Peters · Kalkar

Thomas Baumgärtels NiederrheinTour: Die Banane als Symbol der Freiheit

Thomas Baumgärtel feiert 40 Jahre „Bananensprayer“ mit Ausstellungen in Kalkar und am gesamten Niederrhein

KALKAR/NIEDERRHEIN. Die Banane ist Thomas Baumgärtels Markenzeichen. „Für mich ist die Banane ein Freiheitssymbol“, sagt der in Rheinberg aufgewachsene, aber in Köln lebende Künstler, der international auch als „Bananensprayer“ bekannt ist. Seine „ikonische Spraybanane“ feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum. Unter dem Titel „Freiheit für Kunst“ verwandeln sich deshalb von Mai bis Juli insgesamt 40 Kunstorte der Region in eine dezentrale Gesamtausstellung seines Werkes. An jedem der 40 Orte stellt Baumgärtel je eine Werkgruppe aus. Am Samstag, 6. Juni, werden in Kalkar gleich drei Ausstellungen eröffnet: Im studio20.21 werden „Verpackungskartons“ gezeigt. Im Städtischen Museum lautet der Titel „Alte Meister – Übersprühungen“, während sich im Städtischen Museum Kalkar alles um die Deutsche Einheit dreht.

„Die Deutsche Einheit ist die Werkgruppe, die mich schon am längsten begleitet“, sagt Baumgärtel. Einige dieser Werke sind in Zusammenarbeit mit dem Künstler Harald Klemm entstanden, mit dem er sich auch mal ein Atelier geteilt habe. Im Rahmen dieser Werkreihe entstand bereits 1999 das Bild „Der Kuss“, in dem Baumgärtel und Klemm den berühmten „sozialistischen Bruderkuss“ zwischen Erich Honecker und Leonid Breschnew aufgreifen – jenes Motiv, das durch Dmitri Wrubels Graffiti „Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben“ an der Berliner East Side Gallery weltbekannt wurde. Neben zwei charakteristischen Bananen zeigt das Werk Menschen, die einem offensichtlichen Paar in einem Trabant zujubeln, sowie das DDR-Staatssymbol aus Hammer und Zirkel, allerdings ohne den sonst üblichen Ährenkranz, vor einer angedeuteten schwarz-rot-goldenen Karte und einem „DDR“-Schild. Nicht nur mit diesem Werk beschäftigen sich die beiden Künstler politisch-satirisch mit den gesellschaftlichen und historischen Umbrüchen der deutschen Wiedervereinigung. „Wir haben damals eine friedliche Revolution geschaffen, auf die wir stolz sein dürfen“, betont Baumgärtel im Pressegespräch. Und seine charakteristische Banane passe zu dieser Werkreihe wie kein anderes Symbol sonst. „Es gibt ja 1000 Witze über Bananen und die DDR: Lag ‚ne Banane auf der Mauer. Im Westen ist sie ganz, im Osten angebissen“, begründet Baumgärtel. Auch damit sei die Banane zu einem bildhaften Symbol der Freiheit geworden.

Auch in vielen anderen Werken setzt sich Thomas Baumgärtel kritisch und satirisch mit politischen Geschehnissen und politischen Akteuren auseinander. „Ich habe mich schon immer für die Freiheit der Kunst eingesetzt“, sagt Baumgärtel. Er finde es wichtig, dass Kunst auch politisch werden dürfe. „Ich habe mir schon viele Autokraten und Diktatoren ausgeguckt und bin gegen sie und für die Freiheit auch auf die Straße gegangen“, berichtet Baumgärtel. Das habe mitunter auch zu Morddrohungen gegen ihn geführt. „Ich stand auch schon unter Staatsschutz – Familie inklusive“, verrät Baumgärtel und ergänzt: „Dabei darf man nicht ängstlich sein. Man muss schon eine gewisse Abgebrühtheit haben.“

Zu Baumgärtels Schaffen gehören aber auch viele andere sehenswerte Werke. Im studio20.21 werden beispielsweise viele Motive – wie die Maus aus der Sendung mit der Maus, die olympischen Ringe, die Spitzen des Kölner Doms oder Kabarettistin Carolin Kebekus („Ich finde sie als Künstlerin einfach toll“) – zu sehen sein, deren Leinwände Verpackungskartons, Schuhkartons oder Milchverpackungen bilden. Sie seien zum Teil auch „als Spiegel der Gesellschaft“ zu verstehen. „Oftmals haben auch der Hintergrund und das Motiv einen Bezug zueinander“, sagt Baumgärtel. Im Kalkarer Rathaus hat der Künstler die dortigen historischen Bilder, die Porträts von Schöffen, Richtern oder Bürgermeistern, als Grundlage genommen und sie beispielsweise um ein IPad mit dem typischen Apple-Logo auf der Rückseite ergänzt. Auch diese Werke sollen zum Nachdenken und Analysieren anregen. „Das Schöne an den Werken von Thomas Baumgärtel ist, dass vieles auf den ersten Blick gar nicht sichtbar ist“, sagt Kalkars Tourismuschef Harald Münzner. Die drei Ausstellungen in Kalkar böten – ebenso wie bei allen 40 Orten, von denen gut die Hälfte bereits eröffnet ist – zum 40-jährigen „Bananensprayer“-Jubiläum einen guten und interessanten Blick über die Werke von Thomas Baumgärtel. Hinzu kommt noch eine exklusiv zur NiederrheinTour 2026 erschienene** Grafikedition. Dabei hat Baumgärtel die Banane mit niederrheinischen Motiven verknüpft. So ist zum Beispiel die Niederrheinbanane mit einem Weidenkopf, die Siegfriedbanane, die Drachenbanane, die Underbergbanane, die Beuysbanane oder die Claudia-Schiffer-Banane entstanden. Die Pigment- beziehungsweise Siebdrucke hat Baumgärtel in Zusammenarbeit mit Galeristin Alexandra Bottenbruch vom Kalkarer studio20.21 in limitierter Edition aufgelegt. Erhältlich sind sie bei allen teilnehmenden Ausstellungsorten sowie direkt beim studio20.21.

Die drei Kalkarer Ausstellungen werden am Samstag, 6. Juni, um 17 Uhr im Ratssaal der Stadt Kalkar eröffnet. Es sprechen Kalkars Bürgermeisterin Alexandra Schacky, Künstler Kai „Semor“ Niederhausen sowie Thomas Baumgärtel selbst. Die Ausstellungsorte sind anschließend bis 19 Uhr geöffnet. Alle drei Kalkarer Ausstellungen werden bis zum 26. Juli gezeigt. Ein Begleitprogramm ist in Planung.

Die Ausstellungen unter anderem im Städtischen Museum Goch (bis 12. Juli), im Museum Kevelaer (bis 30. August), im Schloss Wissen in Weeze (bis 7. Juni), im Haus Te Gesselen in Kevelaer (bis 14. Juni), im Museum Katharinenhof in Kranenburg (bis 30. August), im Projektraum Kranenburg (bis 30. August), im PAN kunstforum in Emmerich (bis 31. Juli), im StiftsMuseum Xanten (bis 20. September), in der KulturKirche Xanten-Mörmter (bis 21. Juni) und im SiegfriedMuseum Xanten (bis 20. September) sind bereits eröffnet. Im KUHnst-Turm Geldern wird die Ausstellung am 30. und 31. Mai sowie am 7., 14. und 21. Juni zu sehen sein. Im Museum Schloss Moyland wird die Ausstellung vom 7. Juni bis 27. September, im Museum B.C. Koekkoek-Haus vom 21. Juni bis 16. August, im Museum Forum Arenacum in Rindern vom 21. Juni bis 13. September sowie im Museum Kurhaus vom 10. Juli bis zum 27. September gezeigt.

Alexandra Bottenbruch (studio20.21), Harald Münzner (Stadt Kalkar), Lioba Rochell (Verein der Freunde Kalkars) und Thomas Baumgärtel (v.l.) mit den Werken des "Banansprayer"-Künstlers. NN-Foto: SP

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