Alte Zeitungen, neue Geschichten: Michael Pyter zeigt „Zwischenzeiten“ im PAN
Der Berliner Künstler verbindet historische Zeitungsseiten mit Zeichnungen und lädt Besucher im Museum PAN in Emmerich zu eigenen Entdeckungen ein.
EMMERICH. Als Michael Pyter zum ersten Mal die Räume des Museums PAN in Emmerich betritt, ist ihm sofort klar: „Das passt exakt.“ Seitdem, gesteht er lächelnd, „staune ich, dass es jetzt Wirklichkeit wird“. Damit spricht er die Ausstellung „Zwischenzeiten“ an, die am Samstag, 12. September, 16 Uhr, im PAN eröffnet wird. Auf rund 45 Metern Stellwand zeigt er einen aus 17 Bildern bestehenden Werkzyklus, entstanden zwischen 2015 und 2020, die er als etwa 20 Meter tiefen, begehbaren Bildboulevard inszentiert.
Für Michael Pyter passt das PAN so „exakt“ zu seinen Arbeiten, weil die einstige Fabrikhalle heute als Ort der Kultur ebenfalls Vergangenheit und Gegenwart verbindet. Bei Pyters Bildern liegt die Vergangenheit nicht zuletzt im „Background“ – denn der gebürtige Dortmunder, der heute in Berlin lebt, nutzt als Malgrund historische Zeitungen aus den Jahren 1892 bis 1926. Diese Originale von „Die Gartenlaube“ und „Berliner Illustrierte“ entdecke Pyter vor vielen Jahren auf einem Flohmarkt. Doch sind sie mehr als nur der Malgrund: „Viele Illustrationen integriere ich in meine Werke, gebe so nach 120 Jahren den unbekannten Illustratoren heute noch mal einen Raum.“ Immer wieder inspirieren ihn die Motive zu Zeichnungen. Dabei ist das Zusammenspiel aus geklebten Zeitungen und Zeichnungen „oft Zufall“. Im Entstehungsprozess „beginnt ein Bild, mit mir in einen Dialog zu treten“.
Pyter entdeckt selbst immer wieder Neues in seinen Werken. Foto: NN/Michael Bühs
So weit der Aspekt der Vergangenheit der „Zwischenzeiten“ – wo aber findet sich die Gegenwart? „Bei mir“, sagt Michel Pyter mit einem Augenzwinkern. „Und bei jedem, der meine Bilder betrachtet.“ Zwar besitzt jedes Bild eine eigene erzählischer Kraft, doch die Geschichte dahinter muss jeder Besucher der Ausstellung heute selbst entdecken. „Ich möchte gar nicht zu viel Inhalt vorgeben“, betont Pyter. „Es ist doch viel spannender zu sehen, was andere darin sehen.“ Entsprechend ist der Zyklus als „offener Erfahrungsraum“ zu sehen, die Besucher werden Teil des Dialogs zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Figuren in Pyters Werken und ihren eigenen Erinnerungen. „Ihr Blick soll frei sein für eigene Interpretationen“, sagt Michael Pyter.

Bekannte Marke vom Niederrhein: Werbung für „XOX-Waffeln“ aus Kleve. Foto: NN/Michael Bühs
Die Ausstellung „Zwischenzeiten“ von Michael Pyter ist bis 20. Dezember im PAN, Agnetenstraße 2, in Emmerich zu sehen.
Vergangenheit trifft Gegenwart mit den Werken von Michael Pyter (mit PAN-Kuratorin Christiane van Haaren). NN-Foto: Michael Bühs