"Michael Pyter Kunstwerk mit PAN-Kuratorin Christiane van Haaren, Foto von Michael Bühs, Vergangenheit trifft Gegenwart"
11. September 2026 · Emmerich

Alte Zeitungen, neue Geschichten: Michael Pyter zeigt „Zwischenzeiten“ im PAN

Der Berliner Künstler verbindet historische Zeitungsseiten mit Zeichnungen und lädt Besucher im Museum PAN in Emmerich zu eigenen Entdeckungen ein.

EMMERICH. Als Michael Pyter zum ersten Mal die Räume des Museums PAN in Emmerich betritt, ist ihm sofort klar: „Das passt exakt.“ Seitdem, gesteht er lächelnd, „staune ich, dass es jetzt Wirklichkeit wird“. Damit spricht er die Ausstellung „Zwischenzeiten“ an, die am Samstag, 12. September, 16 Uhr, im PAN eröffnet wird. Auf rund 45 Metern Stellwand zeigt er einen aus 17 Bildern bestehenden Werkzyklus, entstanden zwischen 2015 und 2020, die er als etwa 20 Meter tiefen, begehbaren Bildboulevard inszentiert.

Für Michael Pyter passt das PAN so „exakt“ zu seinen Arbeiten, weil die einstige Fabrikhalle heute als Ort der Kultur ebenfalls Vergangenheit und Gegenwart verbindet. Bei Pyters Bildern liegt die Vergangenheit nicht zuletzt im „Background“ – denn der gebürtige Dortmunder, der heute in Berlin lebt, nutzt als Malgrund historische Zeitungen aus den Jahren 1892 bis 1926. Diese Originale von „Die Gartenlaube“ und „Berliner Illustrierte“ entdecke Pyter vor vielen Jahren auf einem Flohmarkt. Doch sind sie mehr als nur der Malgrund: „Viele Illustrationen integriere ich in meine Werke, gebe so nach 120 Jahren den unbekannten Illustratoren heute noch mal einen Raum.“ Immer wieder inspirieren ihn die Motive zu Zeichnungen. Dabei ist das Zusammenspiel aus geklebten Zeitungen und Zeichnungen „oft Zufall“. Im Entstehungsprozess „beginnt ein Bild, mit mir in einen Dialog zu treten“.

"Pyter bei der Entdeckung neuer Details in seinen Kunstwerken, Künstler, Kreativität, Kunstinterpretation"

Pyter entdeckt selbst immer wieder Neues in seinen Werken. Foto: NN/Michael Bühs

Auch nutzt er die Zeitungsseiten für Recherchen. „Ich finde die 1890er und 1920er Jahre sehr spannende Zeiten“, erzählt Pyter. Während die 1890er noch „vor den zwei großen Katastrophen“, sprich den beiden Weltkriegen, liegen, sind die 1920er „eine absolute Zwischenzeit“, inklusive des „Mythos goldene 20er“.

So weit der Aspekt der Vergangenheit der „Zwischenzeiten“ – wo aber findet sich die Gegenwart? „Bei mir“, sagt Michel Pyter mit einem Augenzwinkern. „Und bei jedem, der meine Bilder betrachtet.“ Zwar besitzt jedes Bild eine eigene erzählischer Kraft, doch die Geschichte dahinter muss jeder Besucher der Ausstellung heute selbst entdecken. „Ich möchte gar nicht zu viel Inhalt vorgeben“, betont Pyter. „Es ist doch viel spannender zu sehen, was andere darin sehen.“ Entsprechend ist der Zyklus als „offener Erfahrungsraum“ zu sehen, die Besucher werden Teil des Dialogs zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Figuren in Pyters Werken und ihren eigenen Erinnerungen. „Ihr Blick soll frei sein für eigene Interpretationen“, sagt Michael Pyter.

"XOX-Waffeln-Werbung aus Kleve, bekannte Marke vom Niederrhein"

Bekannte Marke vom Niederrhein: Werbung für „XOX-Waffeln“ aus Kleve. Foto: NN/Michael Bühs

Für seine Zeichnungen auf dem historischen Untergrund nutzt der Künstler überwiegend Wachskreide und Buntstifte. So erzeugt er eine ausgesprochen malerische Wirkung, spart dabei jedoch immer wieder kleine Bereiche aus, die den Illustrationen in den Zeitungen einen Raum geben. Darunter finden sich auch zahlreiche Werbeanzeigen – nicht nur von bis heute bekannten Marken, sondern auch vom Niederrhein. So entdeckt der aufmerksame Betrachter in einem Werk die Werbung für „XOX-Waffeln“ der „Biskuitfabrik ‚Holland‘ Cleve“. Lachend gibt Pyter zu: „Obwohl die Bilder teilweise mehr als zehn Jahre alt sind, finde auch ich noch immer neue Elemente.“

Die Ausstellung „Zwischenzeiten“ von Michael Pyter ist bis 20. Dezember im PAN, Agnetenstraße 2, in Emmerich zu sehen.

Vergangenheit trifft Gegenwart mit den Werken von Michael Pyter (mit PAN-Kuratorin Christiane van Haaren). NN-Foto: Michael Bühs