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Wie die Geschichte um Krabat (Zoe Gastens, unten rechts) und den Meister (Elias Janßen, l.) ausgeht, erfahren die Theaterbesucher am 21. und 22. Mai. NN-Fotos: Thomas Langer
12. Mai 2025 · Thomas Langer · Kevelaer

Zwischen Macht und Freundschaft

Kevelaerer Gesamtschüler bereiten sich auf die Aufführung von Otfried Preußlers „Krabat“ vor

KEVELAER. Die Lausitz im nordischen Krieg: Ein 14-jähriger sorbischer Waisenjunge schlägt sich mit Betteln durchs Leben, ehe er eine Lehrstelle in einer Mühle im Koselbruch antritt. Was er noch nicht ahnt: Die Mühle ist eine „schwarze Schule“. Statt im ehrlichen Müllerhandwerk bildet der Meister seine zwölf Mühlknappen in schwarzer Magie aus. Neben dem strengen Regiment des Meisters findet der Waisenjunge in seinem neuen Zuhause auch Hoffnung, Freunde und die Liebe, während sich nach und nach ein rätselhaftes Spiel um Leben und Tod entspinnt. „Krabat“ von Otfried Preußler ist eine Geschichte über Macht und Menschlichkeit, Verlockung und Freundschaft, die die Theater- und Musik-AG der Gesamtschule Kevelaer schon bald im Konzert- und Bühnenhaus zum Leben erwecken wird – als musikalisches Theaterstück.

Mehr als 50 Jahre zählt das Jugendbuch von Ottfried Preußler mittlerweile. Zum alten Eisen gehört dieser Klassiker – wie viele andere – deshalb aber noch lange nicht, findet auch Lehrerin und Regisseurin Saskia Reinkens, die das Theaterprojekt seit ihrer Zeit als Referendarin betreut. „Krabat“ sei damals sogar ihr erstes Stück gewesen, erinnert sie sich. „Es hat mich sehr fasziniert. Das Stück wird im Deutschunterricht nach wie vor oft gelesen und wir haben uns gefragt, ob es immer noch ein Stück ist, das für Kinder aktuell ist. Können sich die Schüler noch damit identifizieren?“ Ihre Antwort: absolut! Das liege einerseits an einigen universellen Themen: „Das Stück zeigt, wie wichtig Freundschaft, Liebe und Zusammenhalt sind.“ Gleichzeitig gehe es in Krabat auch um die Entscheidung zwischen Richtig und Falsch – gerade mit Blick auf Machtmissbrauch noch immer „hochaktuell“, sagt Reinkens. Das macht das Stück zwar zu einer düsteren Geschichte, aber so viel sei bereits verraten: Sie endet auch mit einem Happy End.

Hand in Hand

Mehr als 150 Schüler, von der fünften Klasse bis zur Oberstufe, arbeiten seit Anfang des Schuljahres in den AGs zusammen mit ihren Lehrern daran, ihren Gästen ein besonderes Erlebnis zu bereiten. „Wir sind eigentlich immer das ganze Jahr über beschäftigt“, sagt Saskia Reinkens. „Wir vom Theaterteam setzen uns schon in den Sommerferien oder am Ende des Schuljahres zusammen und überlegen, was wir im nächsten Jahr für ein Stück inszenieren.“ Dabei achte man immer darauf, mal etwas für die Jüngeren, mal etwas für die Älteren zu bieten.

Jetzt, wo die Aufführungen näher rücken, steckt das Team mitten in der heißen Phase. „Es ist wie ein Puzzle, das am Ende zusammengesetzt wird“, sagt Reinkens. Das gelingt offenbar ziemlich gut, wie sich im Foyer der Zweifachturnhalle zeigt. Noch sitzt zwar nicht jede Zeile perfekt, aber die Schauspieler agieren greifbar dynamisch: mal mit donnernder, mal mit verhaltener Stimme und immer mit dem nötigen Körpereinsatz und spürbarer Präsenz.

Die besondere Atmosphäre verstärkt sich weiter, wenn zwischendurch das Orchester die schauspielerischen Darbietungen musikalisch in Szene setzt. Ein paar Stücke werden aber auch per Computer eingespielt: „Die Band ASP hat einmal eine Lieder-Reihe zum Stück geschrieben. Davon haben wir zwei Stücke genommen“, erzählt Saskia Reinkens. „Ansonsten gucken wir in der ganzen Bandbreite der Musikstile nach Liedern, die eine Szene in ihrer Stimmung und Aussage unterstützen.“

Aber es sind nicht nur die Schauspieler und Musiker: Ohne die Helden aus der zweiten Reihe wäre die traditionsreiche Aufführung der Gesamtschule nicht das, was sie heute ist. Egal ob Technik, Tanz, Kostüme und Masken oder Requisiten und Bühnenbild, zu dem zum Beispiel ein sich drehendes Mühlrad gehört: In allen Abteilungen zeigt sich der Schweiß und das Herzblut, was Schüler und Lehrer gemeinsam investieren. „Es ist wirklich ein tolles Projekt, an dem jeder beteiligt ist“, lobt Saskia Reinkens, für die das Projekt selbst ein willkommener Ausgleich zum Schullalltag ist. „Hier können wir anders mit den Schülern arbeiten, viel wertschätzender. Man kann ihnen mehr zutrauen.“ Die Arbeiten würden sehr selbstständig ablaufen. „Ich kann mich auf die Schüler verlassen und muss es auch. Allein könnte ich es nämlich nicht stemmen.“

Die Vorteile
der Schauspielerei

Einer der Schauspieler, Elias Janßen aus der 11. Klasse und Darsteller des „Meisters“, ist seit dem 9. Schuljahr Teil des Theaterprojekts. Ihm gefällt vor allem die Gemeinschaft dahinter und die Möglichkeit, sich in Rollen hineinzuversetzen und ungewöhnliche Situationen zu spielen. Anders als die Rolle des eher kindlichen Krabat komme ihm die Rolle des Meisters daher sehr gelegen, verrät er – eine böse Figur, die viel schreie: das reizt Janßen. „Rollen, in denen man Stimme zeigen kann und Präsenz hat, sprechen mich an.“ Auch Saskia Reinkens ist mit der Besetzung zufrieden: „Man muss immer gucken, wer in die Rolle passt.“ Vor allem das Schamgefühl müsse man ablegen können, sagt sie und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Elias ist sich für nichts zu schade.“

Das mit dem Singen sei allerdings noch so eine Sache, gibt Elias Janßen zu. Die einzige Herausforderung sei das aber nicht: „Es gibt schon viel Text. Zumal ich in diesem Stück viele Monologe habe. Das flüssig herunterzusprechen ist schon schwierig, da waren die Dialoge im letzten Jahr einfacher zu sprechen. Man konnte sich auch auf den Partner verlassen.“

Zoe Gastens aus der Q1, die in diesem Jahr Krabat spielt, ist seit der siebten Klasse dabei. „Schauspielerei hat mich schon lange interessiert, vor allem in andere Rollen zu schlüpfen. Man hat dabei viele kreative Möglichkeiten.“ Der Charakter des Krabat sei dem ihren zwar nicht allzu ähnlich, doch „das Gutgläubige, man könnte es auch Naivität nennen, hat wohl jeder ein bisschen. Damit kann ich mich identifizieren.“ In der Projektphase angetan haben es ihr unter anderem die Samstagsproben. „Da kann man am besten spielen. Man hat fast den ganzen Tag Zeit und ist mehr mit der Gruppe zusammen. Man tauscht sich aus.“ Zustimmung von Elias Janßen: „Man lernt sich anders kennen, auch die Lehrer.“

Es stehen drei Aufführungen auf dem Plan: Am Mittwoch, 21. Mai, findet die Premiere um 19 Uhr statt. Tags darauf folgt die zweite Aufführung zur selben Uhrzeit. Der Eintritt kostet sechs Euro. Für Donnerstagmorgen um 10 Uhr ist die nicht-öffentliche Aufführung für geladene Schulklassen bei freiem Eintritt angesetzt. Vorverkauf in der Bücherstube Aengenheyster in Kevelaer, bei Bauer Schuhe & Schönes in Weeze sowie in der Gesamtschule. Thomas Langer

Im Stück von Otfried Preußler geht es um Themen wie die Verlockungen von Macht, Freundschaft – und Liebe.

Im Stück von Otfried Preußler geht es um Themen wie die Verlockungen von Macht, Freundschaft – und Liebe. Foto: Thomas Langer

Wie die Geschichte um Krabat (Zoe Gastens, unten rechts) und den Meister (Elias Janßen, l.) ausgeht, erfahren die Theaterbesucher am 21. und 22. Mai. NN-Fotos: Thomas Langer

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