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Mia Giesen und Fiona Itgenshorst tragen sich ins Goldene Buch der Schule ein, Schulzeremonie, Ehrung, Foto von Michael Bühs
20. Mai 2026 · Michael Bühs · Geldern

Zwischen Latein-Klausur und EM-Pokal: Geldern feiert seine Europameisterinnen

Mit der deutschen U17-Fußballnationalmannschaft holen Fiona Itgenshorst und Mia Giesen den EM-Titel in Belfast. Jetzt träumen sie von der WM in Marokko.

GELDERN. Vor mittlerweile zwölf Jahren entwickelt sich das Lied „Auf uns“ zur Hymne der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien und schließlich auch des Titelgewinns der deutschen Nationalmannschaft. Am Dienstag erlebt Andreas Bouranis Hit in Geldern einen zweiten Frühling, als unzählige Schüler des Friedrich-Spee-Gymnasiums ihn anstimmen, um damit zwei Fußball-Europameisterinnen zu begrüßen. Mit den U17-Juniorinnen des DFB haben Fiona Itgenshorst und Mia Giesen zwei Tage zuvor in Nordirland den EM-Titel geholt und die Goldmedaille mit nach Hause gebracht.

Fiona Itgenshorst, 17 Jahre, defensives Mittelfeld, aus Nieukerk. Mia Giesen, ebenfalls 17, linker Flügel, aus Sevelen. Beide spielen mit den 1. Frauen von Borussia Mönchengladbach in der 2. Frauen-Bundesliga. Mit der U15 des DFB absolvieren sie jeweils ihre ersten internationalen Spiele, Fiona im Jahr 2022, Mia im Jahr darauf. Die U17-Europameisterschaft in Nordirland ist für beide das erste große Turnier.

„Schritt für Schritt“ zur Goldmedaille

„Wir haben beide den Ehrgeiz, so hoch wie möglich zu spielen“, sagt Mia. Entsprechend gibt es auch eine gewisse Erwartungshaltung, für die Nachwuchs-Nationalmannschaften des DFB zu spielen. „Man muss sich immer wieder neu beweisen und zeigen, dass man zurecht dazugehört“, sagt Fiona. Im Verlauf der vergangenen Monate habe sich dann aber immer mehr herauskristallisiert, dass sie in Belfast zum Kader gehören würden.

Beim Lehrgang der U17-Juniorinnen im Vorfeld der EM „haben wir uns schon Gedanken über unsere Erwartungen an das Turnier gemacht“, erzählt Mia. Dabei sei man schnell zu dem Ergebnis gekommen, „Schritt für Schritt“ zu gehen und sich erst einmal auf das Auftaktspiel in der Gruppe A zu fokussieren.

Mia Giesen mit der Führung gegen Norwegen

Es geht gegen Norwegen – und das sehr erfolgreich. Bereits nach acht Minuten erzielt Mia die Führung für Deutschland, am Ende steht es 3:1 für die DFB-Juniorinnen. Es folgt das wichtige Spiel gegen England – auch das gewinnt die Mannschaft von Bundestrainerin Sabine Loderer. Das 1:0 bedeutet den vorzeitigen Einzug ins Halbfinale. „Danach haben wir uns dann bereits auf die K.o.-Phase fokussiert“, sagt Fiona. Gegen Gastgeber Nordirland habe man „die Belastungen gesteuert“. Trotz einer 0:1-Niederlage zieht Deutschland als Gruppenerster ins Halbfinale.

Dort trifft der DFB-Nachwuchs auf Spanien. „Es war das schwierigste Spiel des Turniers“, sagt Mia rückblickend. Da es für das gesamte Team das erste K.o.-Spiel war, „war die Aufregung schon größer“. Dazu war durch vorangegangene Aufeinandertreffen klar: „Die Spanierinnen haben echt feine Füße und sind mega-schnell“, sagt Fiona. Im ersten Spiel im Windsor Park in Belfast, der von der nordirischen Fußballnationalmannschaft auch als Nationalstadion genutzt wird, schenken sich beide Teams nichts. So fällt die Entscheidung erst im Elfmeterschießen, das Deutschland mit 4:3 gewinnt.

"Fiona Intgenshorst und Mia Giesen werden am Friedrich-Spee-Gymnasium von Mitschülern gefeiert"

Am Friedrich-Spee-Gymnasium werden Fiona Intgenshorst (r.) und Mia Giesen von ihren Mitschülern gefeiert. Foto: NN/Michael Bühs

Ganz nebenbei: Am Tag vor dem Halbfinale schreiben Mia und Fiona noch eine Latein-Klausur. Denn zwar hat das Gymnasium seine beiden Nationalspielerinnen für die Europameisterschaft freigestellt, die schulischen Pflichten sollen dennoch so wenig wie möglich darunter leiden.

Fiona Itgenshorst: „Riesen-Vorfreude“ vor dem Finale

Unmittelbar vor dem Anpfiff des Finales gegen Frankreich herrscht weniger Nervosität im DFB-Team als vielmehr „eine Riesen-Vorfreude“, erzählt Fiona. „Die war schon morgens beim Frühstück zu spüren: Jeder hatte gute Laune, alle hatten ein gutes Gefühl.“ Das 1:0 von Marie Kleemann in der 29. Spielminute gibt zusätzliche Sicherheit. „Wir wussten ja, dass wir eine starke Defensive haben“, sagt Mia. „Daher war uns klar, dass wir zu Null spielen würden.“ Damit wirkt die Führung wie „eine Bestätigung, dass wir es schaffen können“, betont Fiona. „Wir haben alles reingeworfen, es war eine super Teamleistung.“ Die schließlich mit dem Titelgewinn belohnt wird.

Dieser ist für die beiden jungen Spielerinnen „eine starke Bestätigung für alles, was wir bisher investiert haben“, sagt Fiona. Viermal in der Woche geht es zum Training nach Gladbach, am Wochenende stehen die Spiele in der 2. Frauen-Bundesliga an, hinzu kommen die Lehrgänge mit dem DFB-Nachwuchs. „Man muss auf das eine oder andere verzichten“, sagt Mia. „Man hat schon ein anderes Leben als andere in unserem Alter.“ Doch ein Erlebnis wie die EM in Nordirland zeige, „dass es sich auszahlt“. Wobei Fiona mit einem Lächeln gesteht: „Ich habe noch gar nicht richtig realisiert, dass wir uns jetzt Europameisterinnen nennen dürfen.“

Als Favorit zur WM? „Ist nicht wichtig!“

Beide können nach dem Finalsieg auch mit ihren Familien feiern, die mit nach Belfast gereist sind. „Es war ein schönes Gefühl, unseren Eltern nach dem Sieg in die Arme zu fallen“, sagt Fiona, „nur durch sie ist das alles möglich.“ Mia ergänzt: „In so einem Moment ist es egal, auf was man alles verzichtet.“

Und der erste Titel soll nicht der letzte sein: Vom 17. Oktober bis 7. November steht die U17-Weltmeisterschaft in Marokko an. Zählt man als amtierender Europameister damit automatisch zum Kreis der Favoriten? „Das ist nicht wichtig“, versichert Fiona. „Wenn unser Team bei sich bleibt und wir mit Überzeugung in jedes Spiel gehen, werden wir dem Turnier unseren Stempel aufdrücken können und weit kommen.“

„Wir sind eine kleine Familie geworden“

Diese Zuversicht gründet sich nicht allein auf dem Leistungsvermögen der Mannschaft auf dem Platz. „Wir sind auch außerhalb des Platzes wirklich ein Team“, betont Mia. „Wir sind eine kleine Familie geworden und leben das auch.“ Wenn man stets Vertrauen zueinander habe, zeige sich dieser Zusammenhalt auch auf dem Platz. „Jede gibt für jede alles“, ergänzt Fiona. „Das macht uns echt stark.“

"Fiona Intgenshorst und Mia Giesen beim Empfang am Friedrich-Spee-Gymnasium"

Fiona Intgenshorst und Mia Giesen beim Empfang durch die Schulgemeinschaft am Friedrich-Spee-Gymnasium. Foto: NN/Michael Bühs

Während es für die beiden Gymnasiastinnen nach der Rückkehr aus Nordirland am Dienstagmorgen – mehr oder weniger – nahtlos mit der Schule weitergeht, ruht der Fußball erst einmal. Die Frauen-Bundesliga geht in die Sommerpause, am 29. Juni startet mit der Borussia die Vorbereitung auf die neue Saison. Anfang August gehen dann die Lehrgänge mit den DFB-Juniorinnen weiter. Und am Gelderner Friedrich-Spee-Gymnasium hätte sicherlich niemand etwas dagegen, wenn sie in etwa einem halben Jahr wieder singen: „Ein Hoch auf uns...“

Eintrag ins „Goldene Buch“ der Schule: Mia Giesen (l.) und Fiona Itgenshorst. NN-Foto: Michael Bühs

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