Zusammen für die Umwelt
Grenzüberschreitendes Interreg-Projekt bringt Biodiversität voran / Artikelserie über den Wert von Hecken
KREIS KLEVE. Oft passiert Gutes fast unbemerkt – so wie dieses vorbildhafte Beispiel grenzüberschreitender Zusammenarbeit: Beim Interreg-Projekt „Grenzenlose Landschaft“ arbeiten die Vereeniging Nederlands cultuurlandschap (VNC) und das Naturschutzzentrum im Kreis Kleve mit weiteren Partnern daran, auf beiden Seiten der Grenze durch verschiedene Landschaftsmaßnahmen und das Erlebbarmachen der regionalen Schätze dem Klimawandel und der Biodiversitätskrise entgegenzuwirken. Ein Teilprojekt nimmt gerade in Weeze Gestalt an.
360 Meter Hecke
Auf dem Feld zwischen Niers und der Kreuzung Hamscher Weg/Höst-Vornicker-Weg entstehen dieser Tage 360 Meter Hecke – eines der Kernelemente im Interreg-Projekt. Für die Umsetzung vor Ort reiste eigens ein Team der Vereeniging Nederlands cultuurlandschap mit Projektleiterin Malve Falk an. „Heckenpflanzung ist eine ihrer Kernaufgaben“, sagt Verena Busch vom Naturschutzzentrum Kreis Kleve. „Daher profitieren wir stark von der Expertise unseres Projektpartners.“
Und genau hier zeigt sich ein anderer Kernaspekt des Projekts: Erfahrungsaustausch. „Wir können voneinander lernen“, weiß Busch.
240 Meter, also den Großteil der Hecke, macht die Strecke im trockeneren Bereich entlang des gewundenen Zauns aus. Doch auch im nassen Bereich nahe der Niers werden 120 Meter Hecke platziert. „Wir verpflanzen insgesamt elf Arten an. Für die trockenen Standorte kommen zum Beispiel Weißdorn und Roter Hartriegel zum Einsatz. Im hinteren Bereich folgen die Pflanzen für die nassen Bedingungen“, erläutert Busch. Dort sollen sich später unter anderem Erle, Faulbaum oder auch Holunder wiederfinden. „Die Artzusammensetzung ist so abgestimmt, dass wir möglichst viel Variabilität in den Heckenabschnitten haben, um möglichst viele Insekten anlocken zu können und damit sich viele Tiere dort zurückziehen können.“
Da es sich um eine Weidefläche handelt, trifft letztgenannter Punkt auch auf die grasenden Rinder zu: Die Hecken funktionieren nämlich wunderbar als Windschutz und Schattenspender, erklärt Pächterin Simone Schmitz vom Biohof Büsch. „Durchlässe für die Rinder wurden bei der Planung ebenfalls berücksichtigt“, ergänzt Bürgermeister Georg Koenen. Er zeigt sich angetan von der Sache: „Ein wirklich tolles Projekt in Sachen Natur- und Artenschutz auf dem Gebiet der Gemeinde Weeze.“
Genauso sieht es Jagdpächter Christian Schmitz. „Wir haben hier viele positive Effekte.“ Neben den Vorteilen für die Beweidung und dem Nutzen als Lebensräume und Schutzelemente für Insekten, Kleintiere und Niederwild hebt er die „tolle Biotop-Verbindung“ hervor – gewissermaßen als Wanderweg für die Tierwelt. „Da hinten ist ein groß angelegter Wildacker und ein Teich umringt von einem Busch“, erläutert Schmitz mit Fingerzeig in Richtung Niers. „Viel besser kann man es eigentlich nicht machen, das ist eine unheimliche Verbesserung.“ Das auch mit Blick auf die Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Das Projekt verbinde erfolgreich den Naturschutzaspekt mit dem jagdlichen Zweck und der Beweidung.
Tatsächlich hat das Unterfangen in Weeze überhaupt erst unter diesem Aspekt Gestalt angenommen, berichtet Melanie van de Flierdt, bis 2025 Artenvielfaltbeauftragte der Gemeinde Weeze als Eigentümerin der besagten Fläche. „Christian Schmitz hat sich irgendwann vor drei Jahren bei mir gemeldet und gesagt, dass er eine Fläche habe, für die er sich eine Hecke wünsche. Dafür hatte ich damals allerdings noch keine richtige Lösung.“ Irgendwann habe sich dann das Naturschutzzentrum auf seiner Suche nach Flächen für Hecken gemeldet. „So haben sich die beiden Puzzleteile schließlich gefunden“, sagt van de Flierdt.
Trotz der wegen der Bodenbeschaffenheit etwas kniffligen Voraussetzungen soll die Heckenpflanzung in Weeze bereits in wenigen Tagen beendet sein. Wetterbedingt soll der zusätzlich geplante Zaun jedoch erst im April folgen, erzählt Malve Falk. „Solange es kalt ist, können wir lieber erst einmal pflanzen als Zäune setzen.“
Start der Artikel-Serie
Der Lebensraum für Niederwild, verbunden mit der vernetzenden Struktur in der Landschaft, sowie die schattenspendende Struktur, der Nutzen als „Hausapotheke“ und die Bedeutung für die Biodiversität sind nicht die einzigen Aspekte, die zeigen, welchen Beitrag Hecken für die Umwelt und das Klima leisten. Welche dies sind, erläutern die NN gemeinsam mit dem Naturschutzzentrum im Kreis Kleve ab kommenden Mittwoch in ihrer Online-Ausgabe (siehe unten). Verena Busch gibt dazu einen ersten Ausblick: „Hecken sind ein Lebensraum für Vögel und Insekten, zudem sind sie ein kulturhistorisches Element. Hecken prägen seit Jahrhunderten den Niederrhein, wurden früher gepflanzt, um Grundstücke abzugrenzen und Ortschaften einzufrieden.“ Als dies nicht mehr erforderlich war, verschwanden die trennenden Hecken vielerorts – und damit auch eine wichtige Rückzugsmöglichkeit für viele Tierarten.
Auch unter dem Aspekt des Klimawandels sind Hecken von großer Bedeutung in der Region. Sie binden CO2 aus der Luft – „ähnlich viel wie ein deutscher Wald“, betont Busch –, haben einen kühlenden Effekt und sorgen dafür, dass Böden Wasser besser binden und länger halten. Zudem brechen sie Windböen, verhindern so das Abtragen des wertvollen Erdbodens und mildern die Auswirkungen von Überflutungen ab.
Weitere Projekte möglich
Im Zuge des Projektes „Grenzenlose Landschaft“ unterstützt das Naturschutzzentrum die Anlage von Landschaftselementen wie Wildhecken und Blühstreifen durch Finanzierung und Anlage. Interessierte Flächeneigentümer und Bewirtschafter aus dem Projektgebiet im Raum Goch, Kalkar, Uedem und Weeze können sich beim NZ Kleve unter Telefon 02851/96330 und per E-Mail an info@nz-kleve.de melden. Weitere Informationen zum Interreg-Projekt und seinen drei Säulen gibt es unter https://www.nz-kleve.de/grenzenlose-landschaft.
Neben den erwähnten deutschen Kommunen umfasst das Projektgebiet die Gemeinden Gennep, Mook en Middelaar und Bergen auf niederländischer Seite. Finanziert wird das Interreg-Projekt vom Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie NRW, vom Kreis Kleve, den Kommunen Goch, Kalkar, Uedem und Weeze, vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr NRW sowie von den niederländischen Provinzen Limburg, Gelderland und Noord-Brabant.
Artikel-Serie
Die NN veröffentlichen gemeinsam mit dem Naturschutzzentrum im Kreis Kleve ab kommenden Mittwoch alle zwei Monate in ihrer Online-Ausgabe einen Artikel, in dem es um Sinn, Nutzen, Wert und Schönheit von Hecken geht.
25. Februar: Hecken als Lebensraum für Vögel und Insekten
29. April: Hecken als Lebensraum für Niederwild und die jagdliche Perspektive
24. Juni: Hecken im Kontext des Klimawandels
26. August: Hecken und Biodiversität sowie ökologische Vernetzungsfunktionen
28. Oktober: Hecken in der Landwirtschaft
30. Dezember: Kulturhistorische Elemente und regionale Identität der Hecken
Nicht nur hier in Weeze tun die Projektpartner etwas für die Biodiversität. NN-Foto: T. Langer