"Stefan Rouenhoff eröffnet Zukunftsdialog Wirtschaft in Geldern, Gruppenfoto der Teilnehmer, NN-Foto: Theo Leie"
24. September 2026 Von NN-Online · Geldern

Zukunftsdialog Wirtschaft setzt klares Zeichen für starke Region

Gemeinsam Zukunft gestalten – Wirtschaftsakteure denken voraus

GELDERN. Es lohnt in die Zukunft zu denken, vieles haben wir selbst in der Hand, vieles können wir aktiv gestalten – das ist ein wichtiges Fazit des Austauschs der Teilnehmer beim Zukunftsdialog Wirtschaft, den die LEADER-Regionen „Lei.La“ und „Lemini“ gemeinsam mit der Volksbank an der Niers und der IHK in Geldern veranstaltet hatten.

Rund 100 Teilnehmer aus ganz unterschiedlichen Branchen waren der Einladung gefolgt. Die ausgewählten Impulse kamen gut an und bildeten die Basis für intensiven Austausch bei der anschließenden Zukunftswerkstatt.

Was zeichnet unseren Standort im Jahr 2035 aus? Was können Unternehmen zu einer positiven Zukunftsentwicklung beitragen? Welche guten Beispiele für konstruktive Zukunftsgestaltung gibt es heute in der Region? Diesen Fragen gab der Zukunftsdialog Wirtschaft am 18. September im Forum der Realschule An der Fleuth in Geldern den passenden Raum.

Das Thema traf einen Nerv. Zahlreiche Interessierte folgten der Einladung. Die Ortschaften auf den Namenschildchen reichten von Nettetal bis Kleve und von Straelen bis Kamp-Lintfort, sogar aus Oberhausen waren Teilnehmer angereist. Kleine und mittelständische Unternehmen verschiedenster Branchen waren ebenso vertreten wie Verbände, Politik, Verwaltung und Hochschulen.

Gemeinsamer Blick nach vorne

Eröffnet wurde der Nachmittag mit der Begrüßung durch Stefan Rouenhoff, Bundestagsabgeordneter des Kreises Kleve und parlamentarischer Staatsekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Er hob den starken Mittelstand der Region und die Bedeutung von Netzwerken hervor.

Er zeigte sich überzeugt von den Entwicklungspotentialen und vom Gestaltungswillen der Anwesenden und machte gleichzeitig klar, dass die Politik die passenden Rahmenbedingungen schaffen müsse und daran auch aktiv arbeite.

Theoretisch wurde es im Anschluss bei Prof. Dr. Andreas Engelen von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Mit „Future-Back-Strategies“ präsentierte er einen Ansatz für Unternehmen, der nicht von heute nach morgen, sondern vom Zielbild hin zu den heute notwendigen Handlungsschritten denkt. Dabei empfahl er, nicht vom heutigen Produkt her zu denken, sondern stets von den Möglichkeiten, Bedürfnisse der Kunden zu adressieren. Dazu müssten auch die passenden Strukturen in der Organisation geschaffen werden, die Innovationsteams von den negativen Einflüssen des alltäglichen Kerngeschäfts schützen. Diese Herangehensweise öffnete den Raum für Zukunftsideen, die unabhängig von den Herausforderungen der aktuellen Situation gedacht werden können.

Hinein in gelebte Praxis

Von der Theorie ging es direkt in die gelebte unternehmerische Praxis der Region. Sara Schnurbusch, verantwortlich für das Nachhaltigkeitsmanagement bei DHG in Wachtendonk, gab einen Einblick, wie ihr Unternehmen Nachhaltigkeit konsequent in der Gesamtstrategie des Unternehmens verankert und beispielhaft zum betriebswirtschaftlichen und strategischen Vorteil macht. Wichtiger Meilenstein war die Teilnahme am Programm Ökoprofit. Das unter anderem auf Blumenerden spezialisierte Unternehmen setzt auf transparente Lieferketten, Torfreduktion und möglichst regionale Beschaffung. „Wer Nachhaltigkeit strategisch denkt, beschäftigt sich letztlich mit der Zukunftsfähigkeit seines Unternehmens.“, lädt Sara Schnurbusch andere Anwesende ein, dem Beispiel zu folgen.

Im Anschluss sprach Christian Grusa von der BAAK Sicherheitsschuhe aus Straelen. Er beschrieb zunächst die Beweggründe für die bewusste, strategische Unternehmensentwicklung mit Bezug auf Teamentwicklung, Notwendigkeit zur Verantwortungsdelegation und aktive Gestaltung des Generationswechsels. Im Strategieprozess wurde zunächst das Wunschbild 2030 formuliert und dann in einer „Regnose“ (statt Prognose) konkrete Handlungsschritte für jedes Jahr abgeleitet. Dreimal jährlich wird an Strategie-Tagen aktiv und entkoppelt vom Tagesgeschäft am Fortschritt der Umsetzung gearbeitet.

Vernetzung und Austausch

Nicht alles lässt sich innerhalb eines Unternehmens lösen, Prozesse können auch von einer Region gemeinsam getragen werden. Dazu braucht es Vernetzung und Austausch. Drei Netzwerkakteure, die genau diesen Austausch auf verschiedene Weise moderieren, stellten ebenfalls ihre Arbeit und aktuelle Projekte vor. Es sprachen Benedikt Tebartz van Elst für die Wirtschaftsjunioren, Dr. Anke Schiroki für Agrobusiness Niederrhein und Brigitte Jansen und Dr. Benedikt Rösen für die Wirtschaftsförderung Kreis Kleve.

Die Gesichter der Anwesenden verrieten deutlich, dass es zwar vielfach ein oberflächliches Wissen über die Tätigkeiten der Netzwerkakteure gibt, im Detail dann aber doch des Öfteren ein „Oh“ oder „Ah“ zu den vorgestellten Projekten zu vernehmen war.

Den großen Wert von Vernetzung und Austausch brachte schließlich Friedhelm Lange mit seinem Beitrag „Einfach mal Zukunft machen – wie Vernetzung aus Ideen Innovationen macht“ auf den Punkt. Er lud ein, gemeinsam zu schauen: Welche Herausforderungen teilen die Unternehmen? Welche Kompetenzen gibt es, die wir noch nicht miteinander verbinden? Welche Dinge können wir einfach mal gemeinsam ausprobieren? Das war die Einladung für die direkt anschließende Zukunftswerkstatt.

Moderatorin Antonia Cox leitete die Gespräche an den Tischen mit aufeinander aufbauenden Fragen zu potenziellen Entwicklungen der Region in den nächsten Jahren: „Was bleibt?“, „Was geht verloren?“ „Was darf nicht passieren?“. Die Zukunftswerkstatt brachte Menschen neu miteinander ins Gespräch, die sich vorher nicht kannten. Perspektiven wurden ausgetauscht und Gemeinsamkeiten aber auch gegensätzliche Vorstellungen besprochen.

Vision Statement

Abschließend formulierten alle Teilnehmer ein persönliches „Vision Statement“ für die Region. Zusammengefasst ergibt der Blick auf die mehr als 50 abgegebenen Statements folgendes Bild: „Der Niederrhein 2035 ist eine wirtschaftlich starke, innovative und lebenswerte Region, die ihre Identität und ihre besonderen Stärken bewahrt und gleichzeitig offen für Veränderung ist. Menschen werden hier gerne leben und arbeiten. Zusammenhalt, Vielfalt, Eigenverantwortung und regionale Zusammenarbeit bilden die Grundlage dafür. Wirtschaft, Gesellschaft und Kommunen übernehmen gemeinsam Verantwortung für eine nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung.“

Die genaue Auswertung der zahlreichen Zukunftsvisionen erfolgt aktuell durch die Regionalmanagements. „Wir freuen uns, dass das Format sehr gut angekommen ist und nicht wenige nach einer Vertiefung des Austauschs oder einer Wiederholung gefragt haben,“ fasst Ute Neu, Geschäftsführerin der Leader-Region „Lei.La“ das Feedback zusammen. „Die Resonanz werden wir aufgreifen und mit den Kommunen und Netzwerkpartnern geeignete Folgeformate entwickeln.“

Die Akteure beim Zukunftsdialog Wirtschaft in Geldern. Der Bundestagsabgeorndete Stefan Rouenhoff (7.v.l.) eröffnete den Nachmittag. NN-Foto: Theo Leie

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