Zahl der Verkehrsunfälle bleibt im Kreis Wesel weiter hoch
19 tödliche Verkehrsunfälle gab es 2025 im Kreis Wesel – vor allem Senioren verloren ihr Leben
KREIS WESEL. Der Kreis Wesel blieb auch 2025 ein Landkreis, in dem täglich einige Verkehrsunfälle passieren. Mit 14.672 Verkehrsunfällen im vergangenen Jahr blieb die Anzahl der Verkehrsunfälle nahezu identisch im Vergleich zum Vorjahr, in dem es 14.685 Verkehrsunfälle gab. Damit liegt der Kreis Wesel mit 3.660 Verkehrsunfällen pro 100.000 Einwohnern weiterhin über dem Landesdurchschnitt in Nordrhein-Westfalen, der bei 3.187 Verkehrsunfällen pro 100.000 Einwohnern liegt. Besonders tragisch: Obwohl die Anzahl Schwerstverletzter leicht zurückging (2025: 221; 2024: 276), gab es 2025 mit 19 Verkehrsunfalltoten zwei tödlich verletzte Unfallopfer mehr als noch im Vorjahr. Nur 2020 hatte es in den vergangenen Jahren mit 20 Verkehrsunfalltoten noch eine höhere Anzahl tödlich verletzter Unfallopfer gegeben.
Einen genauen Grund für die Anzahl der Verkehrsunfalltoten gebe es allerdings nicht. „Es sind alles Einzelfälle“, sagte Kreis Wesels Landrat Ingo Brohl als Leiter der Kreispolizeibehörde Wesel bei der Präsentation der Verkehrsunfallstatistik. Einen zusammenhängenden Grund zwischen mehreren Unfällen habe es bei der genaueren Betrachtung jedes einzelnen tödlichen Unfallopfers nicht gegeben. Es seien vielmehr tragische Einzelschicksale gewesen. Was jedoch auffällig sei, sei, dass unter den 19 Verkehrsunfalltoten im vergangenen Jahr 13 Senioren (ab 65 Jahren) gewesen seien, dafür allerdings keine jungen Erwachsenen und Kinder. Das spreche dafür, dass heutzutage viele ältere Mitmenschen immer noch mobil, aber etwa als Pedelec-Fahrende oder als Fußgänger auch mitunter besonders gefährdet seien. Zudem seien Senioren häufiger an Verkehrsunfällen beteiligt (2025 gab es 938 Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Senioren) als etwa junge Erwachsene (2025 gab es 517 Verkehrsunfälle unter Beteiligung von jungen Erwachsenen). Landrat Brohl appellierte im Pressegespräch deshalb auch an ältere Menschen und besonders an Familienangehörige, die Fahrtüchtigkeit im höheren Alter realistisch einzuschätzen. Natürlich sollten auch noch Menschen, die etwa älter als 80 Jahre sind, am Straßenverkehr teilnehmen dürfen, aber die Fahrtüchtigkeit müsste dennoch gegeben sein. Dafür bedarf es einer ehrlichen Einschätzung. „Ein Auto hat bei uns im ländlichen Raum natürlich auch viel mit Selbstständigkeit zu tun. Aber dafür bedarf es auch eines verantwortungsbewussten Umgangs“, sagte Brohl. Deshalb sollten sich zum Beispiel auch Kinder die Frage stellen: Sind meine Eltern wirklich noch fahrtüchtig?
Erfreulich sei hingegen im vergangenen Jahr gewesen, dass kein einziger Motorradfahrer tödlich auf den Straßen im Kreis Wesel verunglückt sei. 2024 hatte es schließlich noch sieben tödlich verunglückte „motorisierte Zweiradfahrende“, wie sie in der Statistik offiziell heißen, gegeben. Dass 2025 kein Motorradfahrer mehr tödlich verunglückt sei, sei deshalb umso positiver festzuhalten.
Allerdings ist die Zahl der Pedelec-Verunglückten 2025 wieder stärker angestiegen: 258 Verkehrsunfälle haben sich im vergangenen Jahr mit Pedelec-Fahrern ereignet (2024: 209 Verkehrsunfälle mit Pedelec-Fahrenden) – drei von ihnen starben 2025 an den Folgen. Das liege besonders an zwei Gründen: Zum einen würden die Verkaufszahlen von Pedelecs weiter steigen – auch unter Jüngeren. Zum anderen würden viele Pedelec-Fahrende ihr Gefährt immer noch unterschätzen. „Mit einem Pedelec fährt man aber ganz schnell 25 Stundenkilometer. Entsprechend gefährlich sind dann auch Unfälle mit dem Pedelec“, sagte Ralf Klauck, Leiter der Direktion Verkehr bei der Kreispolizeibehörde Wesel. Dadurch, dass die Zahl der Pedelec-Fahrer immer weiter steige, nehme jedoch die Zahl der Radfahrenden ab, was sich auch 2025 wieder in der geringer werdenden Anzahl von Verkehrsunfällen mit Radfahrenden widerspiegelte (2025: 321; 2024: 384).
Drastisch zugenommen haben 2025 allerdings wieder einmal die Verkehrsunfälle unter Beteiligung eines Elektrokleinstfahrzeugs (zum Beispiel E-Roller). Von 92 Verkehrsunfällen mit Personenschaden unter Beteiligung eines Elektrokleinstfahrzeugs im Jahr 2024 ist die Zahl auf 157 Verkehrsunfälle mit Personenschaden unter Beteiligung eines Elektrokleinstfahrzeugs im Jahr 2025 angestiegen. „Aus meiner subjektiven Wahrnehmung heraus kann ich sagen, dass viele E-Roller-Fahrende meinen, dass für sie die Straßenverkehrsordnung nicht gilt“, sagte Brohl, der sich im Pressegespräch sogar für eine Art Führerschein für E-Roller aussprach. Denn viele E-Roller-Fahrende wüssten nicht, wie sie mit dem Gefährt umgehen müssten. Eine verpflichtende Einweisung in den Umgang mit einem E-Roller – also eine Art Führerschein – sei seiner Meinung nach deshalb wünschenswert, um präventiv tätig werden zu können. Die Pedelec-Kurse, welche die Kreispolizeibehörde Wesel insbesondere für Senioren seit einiger Zeit schon anbietet, hätten bereits bewiesen, dass sie sinnvoll und nützlich sein können. Außerdem erinnerte Brohl daran, dass ein Helm sowohl für Pedelec-Fahrer als auch für E-Roller-Fahrende sinnvoll ist. „Ein Helm ist vielleicht nicht unbedingt schick. Aber eine Kopfwunde ist definitiv noch weniger schick und kann im schlimmsten Fall sogar tödlich sein“, betonte Brohl. Zudem kündigte die Kreispolizeibehörde Wesel an, dass sie auch E-Roller-Fahrer in Zukunft verstärkt kontrollieren werde. So dürften unter 14-Jährige zum Beispiel noch gar keinen E-Roller fahren. Auch die Benutzung zu zweit sei untersagt. Beides würden die Polizeibeamten künftig täglich kontrollieren.
Tuner –Poser –Raser –Dater
Nach einem großen Szenetreffen in der Halloweennacht 2025 in Moers wurde bei der Kreispolizeibehörde Wesel die Ermittlungskommission „EK Donut“ eingerichtet. Zudem wurde eine Arbeitsgruppe (AG RPDT) gebildet, die auf Grundlage der Rahmenkonzeption des Innenministeriums Nordrhein-Westfalen eine Stufenkonzeption für den Kreis Wesel entwickelt hat. Bestandteil der Maßnahmen sind unter anderem die Erstellung und fortlaufende Aktualisierung eines Lagebildes zu potenziellen Treffpunkten, ein tägliches Monitoring möglicher Tuningtreffen im Internet (OSINT) sowie regelmäßige Sondereinsätze des Verkehrsdienstes.
Nach derzeitigem Stand hat sich im Zuständigkeitsbereich der Kreispolizeibehörde Wesel bislang keine feste Tuner-, Poser-, Raser- oder Dater-Szene etabliert. Die Polizei kündigt jedoch an, die Situation weiterhin eng zu beobachten und auch künftig gezielte Kontrollen durchzuführen, um zu verhindern, dass sich eine entsprechende Szene im Kreis Wesel entwickelt.
Sabrina Peters
Im Polizeidienstgebäude der Kreispolizeibehörde Wesel an der Schillstraße wurde in diesem Jahr die Verkehrsunfallstatistik vorgestellt. NN-Foto: SP
Redakteurin in Xanten, Kalkar, Rheinberg und Alpen sowie Büderich und Ginderich