Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.OKWeitere InformationenCookies Auflistung
Christian Schmitz (DBX), Xantens Bürgermeister Thomas Görtz und Xantens Technischer Dezernent Niklas Franke (v.l.) im Feld am Prekkeesee, wo der Blutbär schon ganze Arbeit geleistet hat. NN-Foto: SP
5. August 2025 · Sabrina Peters · Xanten

Xanten-Lüttingen: Blutbären gegen Jakobs-Kreuzkraut am Prekkesee

Das Jakobs-Kreuzkraut kann seltene Tierarten verdrängen und ist für Weidetiere gefährlich / Deshalb setzt die Stadt Xanten nun auf eine natürliche Bekämpfung

XANTEN. Der Prekkesee in Xanten-Lüttingen bietet seltenen Tier- und Pflanzenarten mittlerweile einen wertvollen Lebensraum. Seit die Stadt Xanten das ehemalige Abgrabungsgelände 2021 von der Firma Hülskens Wasserbau übernommen hat, steht die Förderung der heimischen Biodiversität im Vordergrund. Die Magerböden und ein abwechslungsreich strukturiertes Gelände bieten ideale Bedingungen für eine vielfältige Flora und Fauna.

Doch das Jakobs-Kreuzkrauts droht diese Idylle zu beeinträchtigen. Denn diese anspruchslose, gelbblühende Pflanze breitet sich gerne auf Ruderalflächen aus, kann aber seltene Arten verdrängen und ist für Weidetiere sogar giftig. Um das Jakobs-Kreuzkraut auf natürliche Weise einzudämmen und damit auf chemische Bekämpfungsmittel zu verzichten, setzt die Stadt Xanten nun auf tierische Hilfe und einen naturnahen Ansatz: Den Jakobskrautbär (Tyria jacobaeae), umgangssprachlich auch Blutbär genannt.

Die Raupen dieses unscheinbaren Nachtfalters ernähren sich ausschließlich vom Jakobs-Kreuzkraut und schwächen die Pflanze deutlich. „Dadurch bildet sie weniger Samen aus oder stirbt sogar vollständig ab“, erklärt Christian Schmitz vom DBX, der sich Rat bei Experte Andreas Frahm aus Schleswig-Holstein suchte. Bei einer ersten Bestandsaufnahme vor Ort seien sogar bereits einzelne Exemplare des Falters nachgewiesen worden. Daraufhin ließ die Stadt dichte Bestände des Jakobs-Kreuzkrauts als Nahrungsquelle für die Raupen stehen, anstatt sie wie bisher zu mähen. Anschließend wurden 150 Raupen am Prekkesee in Xanten-Lüttingen ausgesetzt.

Die ersten Erfolge sind sogar bereits sichtbar: Die gelbblühenden Blüten sind an den meisten Stängeln des Jakobs-Kreuzkrauts bereits abgefressen, sodass nur noch die braunen Stängel übriggeblieben sind. Auch die Population des Blutbären habe sich erfreulich entwickelt.

„Nach Einschätzung des Experten Andreas Frahm bestehen gute Chancen, dass das Jsakobs-Kreuzkraut durch die Maßnahme innerhalb von zwei bis drei Jahren auf ein kontrollierbares Maß von bis zu etwa vier Prozent reduziert wird“, sagt Schmitz. Da sich der Blutbär gleichzeitig natürlich vermehren werde, sei wohl auch kein weiteres Aussetzen von Raupen in Zukunft notwendig.

Im Rahmen einer Schulung erhielten die Mitarbeitenden des Dienstleistungsbetriebs Xanten (DBX) praxisnahe Informationen zum Umgang mit dem Blutbären. Ihre Aufgaben umfassen unter anderem das teilweise Absammeln von Raupen aus dichten Beständen und deren Umsetzung auf unbesiedelte Pflanzen rund um den See. Zusätzlich werden im Juli und August an ausgewählten Stellen Blütenköpfe des Jakobs-Kreuzkrauts entfernt, um die weitere Ausbreitung zu begrenzen. Einzelne Pflanzenreste bleiben bewusst stehen, um Brutstätten für die nächste Generation des Blutbären zu sichern, wie Schmitz erklärt.

„Mit einem Mal hat der DBX mehrere hundert neue fleißige Mitarbeiter“, ergänzt Schmitz stolz. Mit diesem naturnahen Ansatz könne das Problem, dass das Jakobs-Kreuzkrauts mitbringe, erfolgreich und mit minimalem Personaleinsatz bewältigt werden. Das sei nur mit den menschlichen Mitarbeitern des DBX so nicht möglich werden. „Jede Pflanze muss mit der Hand rausgezogen werden“, betont Schmitz. Damit wären mehrere Mitarbeiter einige Wochen lang beschäftigt gewesen. Ein gesamtes Abmähen oder der Einsatz von chemischen Mitteln seien an dieser Stelle zudem keine optimale Lösung gewesen. „Am Seeufer wachsen auch andere gelbblühende Arten wie das Echte Johanniskraut oder der Rheinfarn, die ökologisch wertvoll sind und nicht bekämpft werden sollen“, begründet Schmitz.

Die naturnahe Flächenpflege am Prekkesee umfasse zudem weitere Maßnahmen. So setze die Stadt auf eine extensive Bewirtschaftung mit einer störungsarmen Beweidung durch Schafe. In anderen Bereichen solle künftig ein Balkenmäher eingesetzt werden, der beim Mähen Insekten und Kleintiere schont. Dies begünstige zugleich die Saatgutverbreitung und die Entwicklung heimischer Pflanzen.

Darüber hinaus seien gezielte Lebensraumverbesserungen umgesetzt worden, darunter Bruthilfen für Eisvögel, um optimale Nistmöglichkeiten zu schaffen. Auch in der Freizeitnutzung würden klare Naturschutz-Schwerpunkte gesetzt: Die See- und Uferordnung sehe unter anderem ausgewiesene Ruhezonen, Mindestabstände zu sensiblen Uferbereichen sowie eine Leinenpflicht für Hunde vor, um störungsempfindliche Arten zu schützen.

Parallel entwickle die Stadt Xanten im Rahmen des KAW-Förderprogramms „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ ein naturnahes Flächenkonzept. Ziel sei es, bestehende Lebensräume ökologisch aufzuwerten und zusätzliche naturnahe Flächen im Stadtgebiet zu schaffen.

Sabrina Peters
Die Blüten des Jakobs-Kreuzkrauts wurden oben bereits von den Raupen des Blutbäres abgefressen. NN-Foto: SP

Die Blüten des Jakobs-Kreuzkrauts wurden oben bereits von den Raupen des Blutbäres abgefressen. NN-Foto: SP

Die Raupen bei der Arbeit. Foto: DBX

Die Raupen bei der Arbeit. Foto: DBX

Christian Schmitz (DBX), Xantens Bürgermeister Thomas Görtz und Xantens Technischer Dezernent Niklas Franke (v.l.) im Feld am Prekkeesee, wo der Blutbär schon ganze Arbeit geleistet hat. NN-Foto: SP

Prospekte