Ausschnitt aus einer Arbeit von Jürgen Küster. NN-Foto: HF
27. August 2026 · Heiner Frost · Bedburg-Hau

„Wir wär`s denn mal mit Mode?“

Das ArToll Kunstlabor zeigt: Zwischen Haut und Welt

BEDBURG-HAU. Manchmal sind es die Fragen, die Dinge in Gang setzen. Zum Beispiel diese: „Wie wärˋs denn mal mit Mode?” Die Mode-Frage kam von Claus van Bebber. Es ging darum, was das Schwerpunkt-Thema beim ArToll-Sommerlabor sein könnte. Nach einigen Diskussionen nahm die Idee Gestalt an. Das Ergebnis: „Zwischen Haut und Welt”.

Wie schönpoetisch dieser Titel daherkommt – wie er ein Gerüst baut, das trotzdem alle Möglichkeiten offen lässt. „Zwischen Haut und Welt” – das wird zur Studie über Stofflichkeiten – wörtlich und im übertragenen Sinn. „Zwischen Haut und Welt” definiert eine irgendwie unsichtbare Grenze. Da wird ein Terrain definiert, das bei (recycelter) Kleidung beginnen kann und bei der Philosophie endet, die Stoffe als skulpturales Material begreift – wörtlich und im übertragenen Sinn. „Zwischen Haut und Welt” entsteht ein Stoffuniversum – ins Licht gesetzt und äußerst unterschiedlich interpretiert von Antonia Breme, Hanneke van Broekhoven, Luiza-Maria Derks, Maike Jansen, Jürgen Küster, Verena Michels, Lawin Ramelinck, Maria Vogt und Rosa Vogt.

Erlebnisparcours

Die Ausstellung: ein Erlebnisparcours der besonderen, weil anderen Art. Dekonstruktion als Neuanfang. Durch das Material rücken die Ergebnisse dem Besucher auf die Pelle – spannen einen Raum auf, in dem zu denken und zu bewegen man erst lernen muss. „Zwischen Haut und Welt” ist Haute Couture der etwas anderen Art. Man lernt, dass Stoffe nicht nur den Menschen als Träger nutzen und verändern, sondern auch Räume verwandeln können. „Irgendwie hatten wir noch nie so viele Nähmaschinen bei einem Sommerlabor”, sagt Carla Gottwein. Jetzt erst fällt es auf. Stimmt.

Pinsel zur Weltgestaltung

Man beginnt zu ahnen, dass denen, die hier arbeiten, die Nähmaschine eine Art Pinsel zur Weltgestaltung ist. Die Palette: Stoffe, die ihre Erstgeburt hinter sich haben und jetzt Wiederauferstehung feiern. „Zwischen Haut und Welt” – die Ergebnisschau zum Sommerlabor – wird am Samstag, 29. August, um 16 Uhr im ArToll Kunstlabor, Zur Mulde 10, in Bedburg-Hau eröffnet. Wer zur Eröffnung kommt, wird nicht nur schweigende Exponate finden. Es wird auch Performances geben. Für die Einführung konnte das ArToll-Team eine gewinnen, die in Kleve alles andere als unbekannt ist. Valentina Vlasic, die ihre Karriere im Museum Kurhaus begann, ist jetzt Leiterin des Museums Textilwerk Bocholt und kennt sich also bestens aus mit Stofflichkeiten und dem Nachdenken über Mode.

„Zwischen Haut und Welt” ist bis zum 13. September zu sehen. Dann findet um 15 Uhr die Finissage statt, die mit der Vorstellung des Katalogs verbunden wird.

Ausschnitt aus einer Arbeit von Jürgen Küster. NN-Foto: HF

Prospekte
weitere Artikel