Willibrord Gymnasium wird „Schule mit Courage“
Beitritt in das Bundesweite Netzwerk gegen Rassismus / Robin Gosens übernimmt Schulpatenschaft
EMMERICH. Das Willibrord Gymnasium ist gestern offiziell dem Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ beigetreten. Vor den Feierlichkeiten, haben Schulleiter Dr. Frank Meetz und Lehrerin Astrid Haumer den NN von der Initiative berichtetet und wie die Schulgemeinschaft sich zukünftig noch weiter für Vielfalt und Gemeinschaft einsetzen möchte.
Seit drei Jahren schon leitet Astrid Haumer die AG „Respekt und Toleranz“. Darin bespricht sie mit rund zehn Schülern regelmäßig Themen wie Demokratie oder Chancengleichheit und wie man diese Werte in der Gesellschaft stärken kann. Die Schüler waren es auch, die den Vorschlag unterbreiteten dem bundesweiten Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ beizutreten. Dafür sei vorher aber noch nicht der richtige Zeitpunkt gewesen, wie Haumer erläutert: „Wir haben oft über das Netzwerk gesprochen. Wenn man diesem Beitritt, wird aber auch vorausgesetzt, dass man in der Schulkultur an demokratischen Glaubenssätzen arbeitet. Wir wollten erst mal mit verschiedenen Aktionen starten, um den Gedanken hinter dem Netzwerk langsam zu verankern. Dieses Schuljahr fühlten wir uns dann bereit, weiter zusammenzuwachsen, um eine Schule mit Courage zu sein.“ Etwas Positives bewirken gehe eben nur Hand in Hand.
Um die Idee weiter zu etablieren, beteiligte sich die AG anschließend mit Aktionen an den Internationalen Wochen gegen Rassismus oder dem „Lila Freitag“, einem Aktionstag, der auf Toleranz gegenüber queeren Menschen aufmerksam machen soll. „Für uns geht es vor allem darum, positive Werte zu vermitteln. Natürlich muss man sich gegen explizite Formen der Diskriminierung aussprechen, wir versuchen aber auch, neue Perspektiven zu schaffen und zu zeigen, dass wir dazu bereit sind, aktiv an Respekt, Mitbestimmung und Vielfalt zu arbeiten“, betont Haumer weiter. Der Beitritt in das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ wurde dann mit Schulleiter Frank Meetz abgestimmt, der den Initiatoren gleich seine Unterstützung zusagte: „Durch das Netzwerk sehen wir, wo wir als Schule stehen, aber auch, woran wir noch weiter arbeiten müssen. Ich bin stolz, dass an unserer Schule schon sehr vieles, sehr gut läuft. Die Schüler sind engagiert und gehen in Gespräche. Genau so sollte Demokratie funktionieren.“ Es folgten Lehrer- und Schulkonferenzen, anschließend wurde demokratisch abgestimmt. „Wir hatten das Glück, dass etwa 90 Prozent dem Beitritt in das Netzwerk zugestimmt haben. Das war der Beweis für uns, dass wir bereit sind“, sagt Haumer weiter.
Unter Anwesenheit von Michael Käseberg, Regionalkoordinator für das Netzwerk im Kreis Kleve, wurde das Willibrord Gymnasium nun am gestrigen Freitag offiziell in das Netzwerk aufgenommen. Gefeiert wurde mit einem divers gestalteten Bühnenprogramm durch den Literaturkurs, die Schulbands sowie einiger Redner, darunter Bürgermeisterin Claudia Lindlar. In den großen Pausen stellten die Schüler der „Respekt und Toleranz“-AG außerdem noch einmal das Netzwerk allgemein vor, die Streitschlichter präsentierten sich und auch die Religionskurse bereiteten für ihre Mitschüler einen Infostand zum Thema Vielfalt vor. Wichtig, ist für Astrid Haumer zu betonen: „Die Aufnahme in das Netzwerk ist keine Auszeichnung. Es ist eine Selbstverpflichtung. Schulen, die Teil des Netzwerks sind, setzen sich aktiv und dauerhaft gegen Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung ein. Sie fördern stattdessen Zivilcourage, demokratische Werte und ein respektvolles Zusammenleben.“
Jede der mittlerweile über 5.000 beteiligten Schulen, hat einen Paten, der die Schule unterstützt und nicht nur einen Bezug zum Thema hat, sondern auch als Vorbild für die Schüler agieren kann. Im Falle des Willibrord Gymnasiums hat sich Fußballspieler Robin Gosens persönlich dazu bereit erklärt, der Schule als Schirmherr zu dienen. So durften sich die Schüler auch über seinen Besuch am Freitag freuen. „Wir freuen uns, Robin Gosens als Paten zu haben. Die Idee kam auch von den Schülern. Gosens ist als Emmericher regional verankert und engagiert sich mit seiner „Träumen lohnt sich“-Stiftung regelmäßig für soziale Projekte. Als Fußballer weiß er außerdem, was es bedeutet, im Team mit unterschiedlichen Menschen zusammenzuarbeiten“, erklärt Haumer. Gosens selbst wandte sich vor der Abstimmung mit einer Videobotschaft an die Schulgemeinschaft, in der er betonte für, wie wichtig er das Netzwerk in der heutigen Zeit halte: „Mit dem Netzwerk können wir zusammen nachhaltige Projekte fördern, um Rassismus und Diskriminierung vorzubeugen und entgegenzuwirken. Es ist wichtig, die Stimme zu erheben. Wenn wir das schaffen könnten, wäre ich dankbar und froh, teil dieses Projektes zu sein.“
Als positives Beispiel nennt Gosens die Situation im Fußball, insbesondere in seinem Verein AC Florenz, bei dem er immer weniger Diskriminierung wahrnehme. „Bei uns gibt es viele Kulturen und Herkunftsländer, trotzdem funktioniert in der Kabine alles. Herkunft, Hautfarbe oder Religion sind egal. Man will einfach nur zusammen Spaß haben und Fußball spielen. Das ist das Ziel, wo wir hinmüssen. Wir sind alle gleich. Dafür stehe ich.“ Mit dem Sport als Schlüssel für mehr Vielfalt und Zusammenhalt, beschäftigte sich in diesem Zusammenhang auch der Sport Leistungskurs. Die Schüler entwickelten für die Klassen fünf und sechs dabei ein Programm, bei dem sie sich über diverse internationale Mannschaftssportarten informieren und diese ausprobieren konnten. Warum haben sich diese Sportarten in der Gesellschaft etabliert? Wo liegen ihre kulturellen Wurzeln? Diese und mehr Fragen beantworteten sich die Kinder an diversen Stationen spielerisch.
Es ist nur ein Beispiel wie im Unterricht zukünftig noch weitere Inhalte zu den Themen Demokratie und Vielfalt vermittelt werden können. Frank Meetz und Astrid Haumer zeigen sich zuversichtlich. Nun da sie Mitglied des Netzwerks sind, kommt auch der Austausch mit anderen Schulen nicht zu kurz.
Das Willibrord Gymnasium in Emmerich setzt sich aktiv gegen Rassismus ein. Nun auch im Rahmen des Netzwerks „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Foto: Willibrord Gymnasium