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„Der Besuch des Bestatters war am coolsten“, sagte Ella (7). Ganz unbedarft und ohne Vorbehalte fassten die Kinder den hölzernen Sarg an und zogen ihn gemeinsam aus dem champagnerfarbenen Leichenwagen heraus. Foto: CV Kleve
20. April 2025 Von NN-Online · Bedburg-Hau

Wie ist das mit dem Sterben?

Ferienprojekt zu Tod und Trauer der OGS an der St.-Markus-Grundschule

SCHNEPPENBAUM. Es sind Kinder, die diese Fragen stellen: „Merkt man das, wenn man tot ist?“ „Wie lange darf man dann noch auf der Erde bleiben?“ „Und was kostet so eine Beerdigung überhaupt?“ Hailey, Sophie, Paul, Tiziano und Hanna, die mit den anderen Kindern ganz unbedarft und ohne Vorbehalte den hölzernen Sarg anfassen und diesen aus dem Leichenwagen ziehen. Aus diesem großen, ganz besonderen Auto, in dem ein Mensch gefahren wird, der gestorben ist. „Der ist ja gar nicht so schwer. Dürfen wir auch einmal den Deckel aufmachen?“

Durften sie. Denn die 15 Kinder haben sich freiwillig für die Expertengruppe im Osterferien-Programm der Offenen Ganztagsschule (OGS) an der St.-Markus-Grundschule in Bedburg-Hau angemeldet. Vier Tage lang beschäftigten sie sich dort mit dem Thema „Tod und Trauer“. Die Idee dazu hatte OGS-Leiterin Manuela Witzke. Prominente wie sachkundige Unterstützung bekam sie an allen vier Tagen von Trauerrednerin Andrea Franken. An einem Morgen war sogar ein Bestatter bei – Bernhard Dünte aus Weeze. „Das war der coolste Teil“, sagte Ella, sieben Jahre alt.

„Wie ist das mit dem Sterben?“ Diese Frage stand jeden Morgen für anderthalb Stunden im Vordergrund. Denn der Tod ist irgendwie immer noch ein Tabu-Thema. Erst recht, wenn es darum geht, mit Kindern darüber zu sprechen. „Doch die meisten haben bereits ihre Erfahrungen damit gemacht“, wusste Manuela Witzke zu berichten. Eine Schülerin hat zum Beispiel ihre Schwester verloren. Bei einigen ist Opa oder Oma gestorben. Viele trauern auch um eine geliebte Katze oder einen treuen Familienhund. „Kinder können und wollen über den Tod sprechen“, da war und ist sich Manuela Witzke sicher.

Damit es ihnen im Ferienprogramm ein Stück leichter fiel, haben sich die Schüler und Schülerinnen eine fiktive Person ausgedacht. „Die Wahl fiel auf Kammelita, 90 Jahre alt. Die gebürtige Italienerin, die sich einst in den Urlauber Bruno verliebte und mit ihm vor vielen Jahren nach Deutschland zog und dort eine Pizzeria eröffnete, starb eines Morgens im hohen Alter an Herzversagen“, berichtete Andrea Franken. „Und was muss Bruno jetzt alles machen?“

Mit einfachen und leicht verständlichen Worten erklärten Bestatter Bernhard Dünte und Trauerrednerin Andrea Franken die einzelnen Schritte. Vom Anruf beim Arzt über das Ausfüllen der Totenbescheinigung bis hin zur Wahl des Bestatters oder der Bestatterin. „Und auch hier müssen wieder jede Menge Entscheidungen getroffen werden“, erzählte Bernhard Dünte. Welcher Sarg soll es werden? Was soll Kammelita anziehen? Soll sie verbrannt werden oder nicht? Und wo geht überhaupt ihre letzte Reise hin – auf den Friedhof oder in einen Fried- oder Trostwald? „Manche wünschen sich auch eine Seebestattung. Zuletzt war ich auf einer Ballonbestattung in den Niederlanden. Da wurde die Asche des Verstorbenen in einen großen Heliumballon gefüllt, der dann in den Himmel aufstieg“, erzählte Andrea Franken.

Kammelita wurde verbrannt und am Gründonnerstag im Garten der St. Markus Grundschule in Schneppenbaum in einem Urnengrab beerdigt. Zuvor hatten die Kinder alles für ihre fiktive Trauerfeier vorbereitet. „Es gab Gruppen, die sich um die Dekoration und die Blumen gekümmert haben. Andere wiederum suchten die Musik aus. Ein paar Kinder haben auch eine Rede geschrieben“, berichtete Manuela Witzke. Zwischendurch, nebenbei und natürlich auch zuhause gab es nicht nur von den Kindern viele Fragen. „Meine Mutter wollte alles wissen“, sagte Jos. „Wir holen jedes Kind jeden Tag ab und fragen, wie es ihm oder ihr geht. Wer nicht weiter machen wollte, konnte die Expertengruppe zu jeder Zeit verlassen“, versicherte Manuela Witzke.

Die meisten machten bis zum Ende mit. Es ging zum Friedhof in Schneppenbaum. Und es gab – wie kann es für eine italienische Pizzabäckerin auch anders sein – Vanilleeis zum letzten Gruß.

„Der Besuch des Bestatters war am coolsten“, sagte Ella (7). Ganz unbedarft und ohne Vorbehalte fassten die Kinder den hölzernen Sarg an und zogen ihn gemeinsam aus dem champagnerfarbenen Leichenwagen heraus. Foto: CV Kleve

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