Wie geht es weiter mit der St. Georg Grundschule?
Eltern starteten eine Online-Petition
NÜTTERDEN. Ein Treffen am 20. April. Da sind es noch drei Tage bis zur nächsten Ratssitzung in Kranenburg. Frank Saueressig macht sich Sorgen. Es geht um die St. Georg Grundschule in Nütterden.
Saueressig: „Unter den Eltern der St. Georg Grundschule Nütterden herrscht Aufregung. Der Grund: die neuen Entwicklungen in den Ausschüssen für ‚Bildung und Generationen‘ und ‚Planung, Umwelt und Klima‘ der Gemeinde Kranenburg. Seit 2022 soll die Grundschule jedes Jahr eine weitere Eingangsklasse bekommen. Es fehlen aber die Klassenräume, um die zusätzlichen Schüler unterzubringen. Als Folge wurde über zwei Jahre lang im Auftrag der Gemeinde Kranenburg an einem Konzept für die neue Schule gefeilt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: die fehlenden Räume sollen durch einen Anbau an das bestehende Schulgebäude geschaffen werden. Zusätzlich sollen die bestehenden Klassenräume vergrößert und an die heutigen pädagogischen Bedürfnisse angepasst werden.“ Der Altbestand, in dem 28 Kinder in 60 Quadratmeter großen Klassenräumen unterrichtet werden, sei, so Saueressig nicht mehr zeitgemäß.
„Der Schulalltag hat sich geändert“
Im Rat seien SPD und GRÜNE weiterhin für den Ausbau des Bestandes, der jetzt aber mit einem Blick auf die demografische Entwicklung nicht mehr stattfinden soll. Saueressig blickt zurück: „Der Schulalltag der Kinder hat sich seit dem Ausbau der Grundschule 1975 grundlegend geändert. Mit der Ganztagsbetreuung verbringen die Kinder viel Zeit in der Schule und ein modernes Schulgebäude muss dieser Entwicklung Rechnung tragen. Nach langer Planung und mehreren Workshops, an denen sich die Gemeinde, ein Planungsbüro und die Schulleitung beteiligten, war man sich schließlich einig: Die St. Georg Grundschule soll zu einer modernen Cluster-Schule mit exzellenten pädagogischen Möglichkeiten ausgebaut werden.“
Clusterschule
[Die Clusterschule ist ein modernes Schulbaukonzept, bei dem Klassenräume, Differenzierungsräume und ein zentraler ‚Marktplatz‘ eine räumliche Einheit (Cluster) bilden. Diese Struktur fördert flexibles, offenes Lernen und ersetzt den traditionellen Flur-Schulbau, um individuelle Förderung und Teamarbeit zu unterstützen.]
Eine Erfolgsgeschichte?
Saueressig: „In seiner Sitzung vom 14. März 2024 wurde dieses Konzept einstimmig vom Gemeinderat beschlossen und die Verwaltung mit der Umsetzung beauftragt. Eine echte Erfolgsgeschichte – sollte man meinen.“
Mittlerweile platze die Schule aus allen Nähten und „im Zuge der demografischen Entwicklung empfiehlt der Ausschuss für ‚Planung, Umwelt und Klima‘ der Gemeinde, die Erweiterung und Sanierung der bestehenden Klassenräume nicht mehr umzusetzen. Das Vorhaben sei überteuert. Dass mit diesem Schritt das mühsam erarbeitete zukünftige pädagogische Konzept der Grundschule nicht mehr umsetzbar ist, spielt in dieser offenbar Diskussion keine Rolle.“
Kein Öl ins Feuer gießen
Man habe ein gutes Konzept gehabt, aber ein gutes Konzept sei so angelegt, dass alle seine Einzelteile gleich wichtig sind. „Da lässt sich nicht einfach ein Baustein herausnehmen.“ Saueressig geht es nicht darum, Öl ins Feuer einer Diskussion zu gießen. „Unsere Kommunalpolitiker sind ehrenamtlich tätig und ich bin sicher, dass sie sich größte Mühe geben.“
Eine Online-Petition
Nach den Osterferien hatte es seitens der Elternschaft eine Online-Petition gegeben. Saueressig: „Um diese Überzeugung für die Politik deutlich sichtbar zu machen, wurde die Online-Petition ‚Vorfahrt für Bildung - Für zukunftsweisende Bestandsräume an der St. Georg Grundschule Nütterden‘ gestartet.“ Mehr als 150 Unterschriften in drei Tagen zeigen, „wie wichtig den Menschen das Thema ‚Gute Bildung für unsere Kinder‘ ist“. Als Initiator der Petition erhoffe sich die Elternvertretung der Schule, dass der Gemeinderat in letzter Minute seinen Änderungsantrag zum Ausbau der Grundschule zurücknimmt und die lang erwartete Cluster-Schule endlich gebaut wird.
Versprochen
Saueressig: „Alle demokratischen Parteien haben vor der letzten Kommunalwahl versprochen, sich für das Wohl unserer Kinder und Bildung auf kommunaler Ebene einzusetzen. Jetzt ist es an der Zeit, dieses Versprechen mit einem zukunftsorientierten Bauvorhaben einzulösen. Die Zukunft unserer Kinder sollte uns das wert sein.“
Die Petition wurde übergeben. Saueressig: „Zusätzlich fand ein circa zweieinhalbstündiges Gespräch in äußerst konstruktiver Atmosphäre statt.“
Weichen in richtige Richtung gestellt
Ein Telefongespräch mit Saueressig am Tag nach der Ratssitzung, in deren Verlauf mehrfach angekündigt wurde, ein neues pädagogisches Konzept für die Grundschule zu finanzieren. „Einen Beschluss gibt es noch nicht, aber ich sehe die Entwicklung positiv, auch wenn damit das ursprünglich geplante Schulkonzept nicht realisiert wird.“ Was bedeutet das für die Zukunft der Schule? „Mein Eindruck ist, dass die neue Planung vom Kollegium der Schule positiv gesehen wird. Für mich ist das eine positive Entwicklung. Es geht noch immer darum, das pädagogische Konzept zu modernisieren. Das ist der zentrale Punkt und mein Eindruck ist, dass die Gemeinde diesen Punkt berücksichtigen wird. Die Weichen sind in die richtig Richtung gestellt und eben das sehe ich positiv.“
Information aus dem Rat
In einer „Information aus dem Rat“ findet sich auf der Internetseite der Gemeinde Kranenburg folgender Text: „Der Rat hat sich erneut mit der Erweiterung der St. Georg-Grundschule in Nütterden befasst. [...] Die aktualisierten Berechnungen zeigen: Ab 2028 ist mit einem deutlichen Rückgang der Grundschulkinderzahlen zu rechnen. Gleichzeitig bleibt es aber bis 2031/32 möglich, in Nütterden durchgängig dreizügige Eingangsklassen zu bilden. Nach der neuen Bewertung sind die vorhandenen Klassen- und Gruppenräume jedoch ausreichend groß, um den Unterrichtsbetrieb auch ohne eine Erweiterung des Bestandsgebäudes sicherzustellen. Der Schulentwicklungsplaner rechnet ab 2028 mit rund 20 Kindern pro Eingangsklasse. Der Rat hat deshalb beschlossen, auf die ursprünglich geplante bauliche Erweiterung des bestehenden Schulgebäudes zu verzichten. Vorgesehen war, die Fassade des Bestandsgebäudes zu öffnen und die Klassenräume um jeweils 17 Quadratmeter zu vergrößern. Über die Nutzungsdauer betrachtet können durch den Verzicht auf diese Maßnahme Gesamtaufwendungen in Höhe von rund 2,07 Millionen Euro vermieden werden. Gleichzeitig verkürzt sich die Bauzeit. Wichtig ist: Der große Neubau mit Mensa, Räumen für den Offenen Ganztag und weiteren Funktionen mit einem Volumen von über 9 Millionen Euro wird wie geplant umgesetzt. Die Auftragsvergabe ist erfolgt, die Bauarbeiten an der Grundschule Nütterden werden zeitnah starten.“
Gedämpfter Enthusiasmus
Saueressigs Statement: „Mein Enthusiasmus ist nach dieser Mitteilung gedämpft. Sollte die Gemeinde die im Rat angesprochenen zusätzlichen Maßnahmen (neue Fußböden, Schallisolierung, diverse neue Heizungen, mehr Licht im Altbestand) ausführen, wäre ich zufrieden. Da muss die Gemeinde jetzt aber im Mai noch einen entsprechenden Beschluss vorlegen und auch beschließen. Für das Kollegium (und dessen Zufriedenheit) sollte ich dann besser nicht sprechen.“
Frank Saueressig sieht eine positive Entwicklung. NN-Foto: HF