Wie die Ziegelherstellung das Reeser Stadtbild prägte
Ausstellung „Tichelwerck und panneschoppen“ wird morgen eröffnet
Verantwortlich für die Ausstellung ist Peter von Bein, der bereits in Bislich ein Ziegelmuseum ins Leben gerufen hat. Mit dem Projekt in Rees erfüllt er Stadtarchivarin Tina Oostendorp „einen Herzenswunsch“, den sie an den Fachmann auf dem Gebiet der Geschichte der Ziegelherstellung herantrug; 2018 begann von Bein dann damit, die Ausstellung in Rees vorzubereiten.
Er trug unzählige Informationen aus Unterlagen und Gesprächen zusammen, konnte so bald auf einen großen Fundus zurückgreifen. Viele der Exponate in Rees stammen aus Bislich – „letztlich aber sind sie Zeugnisse aus Rees“, betont von Bein. Insgesamt 51 Rahmen und sieben Vitrinen umfasst die Ausstellung, hinzu kommen eine Streichbank und ein TV-Gerät, auf dem weitere Infos gezeigt werden.
Die Geschichte der Ziegelherstellung reicht bis in die Zeit der Stadtgründung von Rees. „Damals gab es keine Ziegeldächer, da Dachpfannen sehr teuer waren“, berichtet von Bein. „Die Umstellung vollzog sich über Jahrhunderte. Erst im 17. und 18. Jahrhundert ging man dazu über, neue Häuser in der Stadt aus Stein und mit Ziegeldächern zu errichten.“ Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich dies dann für alle Neubauten durchgesetzt.
Den Startschuss für die Ziegelherstellung aber läutete der besagte Bau der Reeser Stadtmauer ein. Die erste Ziegelei – in städtischem Besitz – stand an der Ecke Melatenweg. Der Lehm als Ausgangsmaterial für den Ziegelbrand wurde auch in späteren Zeiten in unmittelbarer Umgebung um die jeweiligen Ziegeleien gestochen. „Wenn man beispielsweise in Empel an der Bushaltestelle ins Gelände blickt, sieht man die Kanten, wo der Lehm für das Lehm-Ton-Gemisch gestochen wurde“, sagt Peter von Bein.
Erste private Ziegelei
Im Jahr 1813 eröffnete in der Feldmark die erste Ziegelei im Privatbesitz; nach dem Verkauf der städtischen Ziegelei gab es ab dem 19. Jahrhundert nur noch private Betriebe in Rees. Dabei waren alle Ortsteile vertreten, mit den Schwerpunkten Feldmark, Groin und Empel – dort vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgrund des Bahnhofs. Denn die Fülle an Betrieben – 1861 waren es 38 Betriebe mit 289 Mitarbeitern – produzierte in der Folge die Ziegel maßgeblich auch für den Export. Bis an die deutsche Nordseeküste wurden diese Erzeugnisse verkauft.
Die Hochphase der Ziegelherstellung in Rees begann im 17. Jahrhundert während der Besatzung durch die Niederländer. Freier Handel und der Bau zahlreicher neuer Häuser ließen diesen Wirtschaftszweig florieren. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden zahlreiche Betriebe geschlossen, „der Wiederaufbau nach der Zerstörung von Rees im Zweiten Weltkrieg führte noch einmal zu einem Aufflackern“, sagt von Bein. „Aber gegen Ende der 1950er Jahre sackte die Produktion schon wieder ab.“ 1975 wurde dann mit der Firma Muhr in Hurl die letzte Ziegelei auf Reeser Gebiet geschlossen. Von der Ziegelei Muhr sind heute noch Anlagen zu sehen, auch von der Ziegelei Kühnen sind Überreste erhalten.
Zur Geschichte der Ziegeleien in Rees gehört auch das dunkle Kapital um das „Kamp Rees“: Von November 1944 bis März 1945 befand sich auf dem Gelände der Ziegelei Boers am Melatenweg in Groin ein NS-Arbeitslager, auch als „Hölle von Rees“ bezeichnet. Bis zur Befreiung am 25. März 1945 starben zwischen 250 und 500 der rund 5.000 Gefangenen.
Zur neuen Ausstellung im Reeser Museum hat Peter von Bein auch ein Buch herausgebracht: „Tichelwerck und panneschoppen – 700 Jahre Ziegelherstellung im Raum Rees“. Es ist zum Preis von 15 Euro in der Touristeninformation und im Museum erhältlich.Michael BühsÜber die 700-jährige Geschichte der Ziegelherstellung in Rees informiert die von Peter von Bein (r.) zusammengestellte Ausstellung. Bürgermeister Sebastian Hense, Stadtarchivarin Tina Oostendorp und Kulturamtsleiterin Sigrid Mölleken werben für einen Besuch. NN-Foto: MB