„Wer hier Fuß fasst, hat eine sichere Anstellung“
Seit 1985 arbeitet Uwe Röper als Dachdecker – bis heute „ein toller Job“
In Wachtendonk absolvierte Röper ab 1985 seine Ausbildung. „Im Freundeskreis gab es viele Handwerker, zum Beispiel Maurer und Schreiner. Damals habe ich gedacht, das könnte auch etwas für mich sein“, erzählt der gebürtige Gelderner. So bewarb er sich schließlich auf eine Stellenanzeige und erhielt auch die Zusage. „Das handwerkliche Interesse war vorher schon da“, sagt Röper, der als Kind Baumhäuser baute und an Fahrrädern schraubte – „was man damals als Kind eben so gemacht hat“.
Die Ausbildung hat er in bester Erinnerung. „Ich habe schnell gemerkt: Dachdecker, das passt.“ Seit 1997 arbeitet er bei Vißer in Geldern, feierte nun sein silbernes Betriebsjubiläum. Vor allem die Dachschieferarbeiten haben es ihm bis heute angetan. „Leider sind sie selten geworden, da sie recht kostspielig sind“, sagt Röper. „Aber sie sind auch anspruchsvoll, man kann seiner Kreativität ein Stück weit freien Lauf lassen.“ Doch wie das Beispiel Schloss Diersfordt zeigt: Gänzlich verschwunden sind sie nicht. Schieferdächer sind heute überwiegend auf Kirchen und Schlössern zu finden. „Früher hat man hier Ornamente eingearbeitet“, erzählt Röper. „Es ist eine schöne Arbeit, fast alles ist hier erlaubt.“ Doch als Vollblut-Dachdecker hat der 55-Jährige an allen Aufgaben in luftiger Höhe Freude – mit Ausnahme vielleicht von Dachabbruch-Arbeiten. „Da wird‘s ziemlich dreckig“, sagt er augenzwinkernd.
Wie in so vielen Branchen, ist auch im Dachdecker-Handwerk der Nachwuchs-Mangel angekommen. Röper findet dazu deutliche Worte: „Die jungen Leute wollen heutzutage weniger arbeiten – Stichwort Vier-Tage-Woche –, außerdem wollen sie sich nicht die Hände schmutzig machen.“ Dabei bietet der Job aus seiner Sicht viele Vorteile. Zwar will er nicht verschweigen, dass es eine harte Arbeit ist, die körperliche Fitness erfordert. Auch die Witterung kann einem die Freude an der Arbeit schon mal verleiden, gibt Röper offen zu: „Die Wintermonate mit Kälte und Regen sind nicht so schön. Dafür reißen es die Sommermonate wieder raus.“ Ihm selbst sind Temperaturen bis 30 Grad durchaus angenehm, „das ist doch herrliches Wetter“.
Viele positive Aspekte
Letztlich überwiegen für ihn klar die positiven Aspekte: „Der Beruf des Dachdeckers ist anspruchsvoll und kreativ, der technische Fortschritt – etwa durch moderne Kräne – macht manches ein wenig leichter.“ Hinzu kommt ein aus seiner Sicht ganz entscheidender Punkt: „Wer als Dachdecker einmal Fuß gefasst hat, hat eine sichere Anstellung, verdient auch nicht schlecht und hat viele Möglichkeiten, sich weiterzubilden.“ Meisterschule und Studium sind da nur zwei Optionen.
Auch der Beruf des Dachdeckers hat sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte verändert. Die Arbeiten selbst zwar weniger, „der Aufbau eines Daches ist ja im Prinzip immer gleich“, sagt Röper. „Allerdings arbeiten wir heute mit wesentlich mehr Materialien.“ Entsprechend sind auch regelmäßige Schulungen und Weiterbildungen nicht nur empfehlenswert, sondern erforderlich. „Lehrgänge stehen immer wieder an“, betont Röper – so auch beim Thema Fotovoltaik-Anlagen, wo der technische Aspekt noch mehr greift.
Kein Wunder also, dass Röper überzeugt ist: „Ein Job auf dem Bau ist heute keine letzte Notlösung mehr, wie es früher viele gesehen haben. Aufgrund neuer, moderner Materialien muss man immer dazulernen und technisches Verständnis mitbringen.“ Insofern ist eine qualifizierte Ausbildung immer noch der beste Einstieg in den Beruf des Dachdeckers. Doch auch als Seiteneinsteiger kann man laut Uwe Röper schnell Fuß fassen: „Man muss Arbeitswille und körperliche Fitness mitbringen – und auch Köpfchen haben.“ Auch Höhenangst sollte für einen Dachdecker kein Thema sein: „Respekt und Vorsicht ja, Angst nein.“ Natürlich fällt der Umstieg aus anderen Bereichen des Handwerks und der Baubranche leichter. Doch allgemein gilt seiner Ansicht nach für Quereinsteiger: „Wer etwas lernen will, kann hier glücklich werden.“
Michael BühsUwe Röper ist auch nach 38 Jahren im Dachdecker-Beruf noch mit viel Spaß an der Sache dabei.Foto: privat