Wenn Arbeit wieder gut tut
Gelungene berufliche Integration bei der Caritas Geldern-Kevelaer
GELDERLAND. Wenn Melanie Derstappen morgens um 7 Uhr ihre Schürze bindet, läuft in der Klosterküche Kevelaer längst der erste Kaffee durch. Frühstück vorbereiten, Soßen ansetzen, Essen portionieren, beim Wagen setzen helfen – der Arbeitstag der 45-Jährigen ist vielseitig. Und genau das liebt sie. „Ich arbeite einfach gerne mit Menschen zusammen. Hier hilft jeder jedem“, sagt sie.
Seit 2021 gehört Melanie Derstappen zum Team der Klosterküche und ist Teil der Beruflichen Integration des Caritasverbandes Geldern-Kevelaer. Für die gelernte Hauswirtschafterin ist die Arbeit weit mehr als ein Job. Nach Erfahrungen in Gastronomie, Krankenhaus und Restaurantbetrieb hat sie hier etwas gefunden, das in vielen Küchen selten geworden ist: Ruhe, Vertrauen und ein echtes Miteinander.
„Früher hatte ich oft Angst, Fehler zu machen“, erzählt sie offen. „Hier ist das anders. Niemand macht Vorwürfe. Wenn etwas nicht klappt, schaut man gemeinsam drüber.“ Dieses Gefühl von Sicherheit habe viel verändert. Sie sei ausgeglichener geworden, habe wieder mehr Zeit für ihr Privatleben und könne ihre Arbeit mit Freude machen.
Dass dieses Arbeitsumfeld gelingt, ist kein Zufall. Menschen mit Unterstützungsbedarf werden in den Inklusionsbetrieben der Caritas individuell begleitet. Alleine in der Klosterküche hat jeder dritte Mitarbeiter eine Beeinträchtigung. Eine wichtige Ansprechpartnerin ist Sozialpädagogin Laura Sweers. Seit April 2024 begleitet sie Mitarbeiter in der Klosterküche Kevelaer und im Hotel Klostergarten.
„Miteinander sprechen hilft“, sagt die 27-Jährige. Genau darum gehe es in ihrer Arbeit: zuhören, unterstützen und passende Lösungen finden. Mal sind es Gespräche, mal kleine praktische Hilfen im Arbeitsalltag. Für manche Mitarbeiter entwickelt sie Checklisten mit Piktogrammen, für andere werden Arbeitsmittel angepasst. „Oft sind es Kleinigkeiten, die einen großen Unterschied machen und echte Teilhabe ermöglichen“, erklärt sie.
Besonders wichtig sei dabei die Atmosphäre im Team. Viele Mitarbeitender hätten anfangs Unsicherheiten oder Zweifel mitgebracht. „Deshalb ist es wichtig, dass Menschen spüren: Hier darf ich ankommen, Fragen stellen und Fehler machen.“ Genau das erlebt auch Melanie Derstappen jeden Tag. „Ich fühle mich hier einfach wohl“, sagt sie. „Am liebsten würde ich bis zur Rente bleiben.“
Berufliche Integration bedeutet beim Caritasverband Geldern-Kevelaer deshalb nicht nur Beschäftigung. Es geht darum, Menschen einen Arbeitsplatz zu bieten, an dem sie ernst genommen werden, ihre Stärken einbringen können und Gemeinschaft erleben. Oder, wie Melanie Derstappen es sagen würde: „Arbeit soll nicht nur funktionieren. Arbeit soll auch gut tun.“