Weinhändler Robin Rommen aus Geldern wird zum Diakon geweiht
„Gesellschaft funktioniert dann, wenn man auch etwas zurückgibt“
GELDERN. Der Herbst ist für Robin Rommen eine arbeitsreiche Zeit: Der Weinhändler aus Geldern muss neue Verträge schließen, mit Lieferanten und Kunden sprechen und die Preise im Blick behalten. Das Mobiltelefon ist für den Chef mehrerer Mitarbeiter ein ständiger Begleiter. Doch es gibt auch eine andere, eine stillere Seite: Neben seinem Beruf stellt sich der 35-Jährige als Diakon mit Zivilberuf in den Dienst der Gemeinde. Am Sonntag, 15. November, wird er gemeinsam mit zehn weiteren Männern von Bischof Dr. Heiner Wilmer in Münster geweiht.
Anschließend darf er zum Beispiel in Gottesdiensten predigen, Kinder taufen, bei Trauungen assistieren, aber auch Menschen beerdigen. Vor allen Dingen möchte Rommen als Diakon für die Menschen in seiner Heimatpfarrei Maria Magdalena in Geldern als Ansprechpartner und Zuhörer zur Verfügung stehen. „Das ist schon eine spannende Sache, das Geschäft einerseits und die Kirche mit dem Diakonat andererseits miteinander zu vereinen“, sagt er. Doch sei es für ihn an der Zeit, etwas von dem zurückzugeben, was ihn als Kind und Jugendlicher geprägt hat. Aufgewachsen ist Rommen in Kevelaer, „aus katholischer Sicht eine besondere Stadt, in der wir gute Seelsorger hatten und wo ich bereits Diakone kennengelernt habe“, blickt er zurück.
Zeit in Kevelaer hat ihn positiv geprägt
Die Zeit in Kevelaer, als Messdiener und Teilnehmer von Jugendfreizeiten, habe ihn positiv geprägt. „Schon früh hatte ich mit dem Gedanken gespielt, Diakon zu werden, um etwas von dem zurückgeben zu können, was mir geschenkt wurde“, berichtet Rommen. Damals sei er aber noch zu jung gewesen, das Mindestalter für die Weihe ist 35 Jahre. Und so zog er zunächst in die Pfalz, um Weinbau und Önologie zu studieren, danach fand er Arbeit in einem großen Weingut an der Mosel.
Doch Rommen wollte wieder zurück an den Niederrhein, eine Arbeitsstelle in Essen machte das möglich. Nun wohnt er mit seiner Frau und dem kleinen Sohn in Geldern, „ich fühle mich hier richtig wohl“, sagt er überzeugt. Vor rund vier Jahren kam dann das Thema Diakonat in einem Gespräch mit Pastor Christian Olding wieder zur Sprache und die Erkenntnis: „Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt!“ Denn die Ausbildung zum Diakon, zu der unter anderem ein Theologiestudium an der Fernuni Würzburg gehört und viele Wochenenden in Münster, dauert vier Jahre.
Im kirchlichen Dienst den Menschen helfen
Das sei eine schöne Zeit gewesen, aber auch eine anspruchsvolle, betont Rommen. „Nachdem unser Sohn unser Leben bereichert hat, ist es mir schon schwergefallen, meine Familie für ein oder zwei Tage alleine zu lassen, um zum Kurs nach Münster zu fahren“, erklärt er. Das sei nur durch das Einverständnis und die Unterstützung seiner Frau möglich gewesen. Dafür sei ihm aber auch immer klarer geworden, dass er in seinem kirchlichen Dienst den Menschen helfen will. „Außerdem habe ich viele Bibeltexte ganz neu kennengelernt und habe dafür eine echte Leidenschaft entwickelt – auch in der heutigen Zeit ist die Beschäftigung mit der Bibel wertvoll“, sagt Rommen.
Nach der Weihe wird er, so ist es mit dem Seelsorgeteam der Pfarrei abgesprochen, einmal im Quartal predigen und zu taufen. Zudem engagiert sich der künftige Diakon in verschiedenen Projekten wie etwa „Christkind aktiv“. Alles andere, weiß er, ergebe sich im Laufe der Zeit. Denn auch als Diakon will er weiterhin für seine Familie da sein – und auch für den Weinhandel.