Wegwerfen? Reparieren!
Der Verein „ReparierBar“ rettet allerlei Dinge vor dem Aus – zum Vorteil von Mensch und Umwelt
Passende Experten gibt es bei der ReparierBar für viele Bereiche – insgesamt rund 25 aktive Ehrenamtler des 48 Köpfe starken Vereins sind mittlerweile jeden ersten Dienstag im Monat im Einsatz. Das Team weiß, wofür es sich die Mühe macht: „Man sieht ständig Dankbarkeit, weil das geliebte Teil eben nicht weggeworfen werden muss“, sagt Helmut Gerritsen.
Aber was darf man überhaupt mitbringen? „Es muss tragbar sein“, nennt Gerritsen eine Grundvoraussetzung. Das kann natürlich vieles sein: Kleidung, Spielzeuge, Nähmaschinen, Holz-, Kunststoff- und Metallgegenstände oder Elektrogeräte wie PCs und Smartphones. „Wir haben auch einen Uhrmacher-Meister und einen Messer- und Scherenschärfer hier“, sagt Gerritsen. Manches davon findet häufiger den Weg zur ReparierBar als anderes. „Staubsauger kommen sehr oft“, sagt Helmut Gerritsen mit einem Lachen – die wie andere Geräte auch zuvor gereinigt worden sein sollten. Zwischendurch sind für die Ehrenamtler aber auch ein paar Überraschungen dabei. „Einmal hatten wir einen Segway hier“, erinnert sich Gerritsen. Andere Hingucker seien beispielsweise ein Porsche-Toaster, eine Nähmaschine aus den 1950ern, eine Spieluhr, eine Popcorn-Maschine oder eine alte Märklin-Eisenbahn gewesen.
Und wie lange dauert so eine Reparatur im Regelfall? „Wir rechnen mit einer halben Stunde, aber das ist letztlich immer vom Gerät und dem Schaden abhängig“, erklärt Ditmar Helms. Dabei bewege sich das Aufkommen zwischen 40 und 60 Reparaturen pro Termin, ergänzt Lothar Hermens.
Was nicht geht, sind die ganz großen Klopper: „Weiße Ware“ zum Beispiel, also Waschmaschinen und Co. Zu groß oder zu komplex dürfen auch die Elektronikartikel nicht sein – moderne, riesige Flachbildfernseher fallen damit weg, genauso wie Kaffeevollautomaten.
Davon abgesehen kann man bei der ReparierBar eine stolze Erfolgsstatistik vorweisen: „Wir liegen momentan bei 72 Prozent repariert, aber das wechselt“, sagt Gerritsen. Sollten einmal Ersatzteile gebraucht werden, bekommen die Besucher auf Wunsch Hilfe bei der Bestellung selbiger für eine spätere Reparatur. In diesem Sinne: Wo es geht, versucht das Team immer auch „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu leisten und zum Reparieren anzuregen, erklärt Ditmar Helms den Grundgedanken. Da das aber längst nicht immer und mit allem möglich sei, können die Besucher zumindest bei ein paar kleinen Handgriffen helfen: hier eine Schraube lösen oder da mal etwas festhalten, nennt Gerritsen Beispiele.
Tätig waren die Ehrenamtlichen zuletzt vor allem in den Kellerräumen der evangelischen Kirche. „Aber hier hatten wir zuletzt ein kleines Platzproblem“, sagt Lothar Hermens. Nach einigen Gesprächen und mehreren Angeboten für neue Wirkungsstätten steht bis auf Weiteres das Forum der öffentlichen Begegnungsstätte als neue Heimat zur Verfügung. Der Vorteil: „Es liegt sehr zentral in Kevelaer“, sagt Helmut Gerritsen. Abseits des stationären Angebots unterstützt der Verein hin und wieder aber auch Altenheime, Schulen und Kitas mit Außeneinsätzen – zum Beispiel, um Fahrräder zu überholen.
Ditmar Helms, Helmut Gerritsen und Lothar Hermens gefällt an der Aktion vor allem der Umweltgedanke, doch geht es bei der ReparierBar um mehr als das: der soziale Gedanke, der den Kontakt zu anderen Menschen einschließt, ist ebenso wichtig. Wer hier vorbeischaut, bekommt nicht nur tatkräftige Hilfe, sondern kann sich auch über Geselligkeit mit kostenfreien Getränken, Kuchen oder Brötchen freuen. Möglich ist das nicht nur über die freiwilligen Spenden der Hilfesuchenden, sondern auch durch die laut Lothar Hermens „großzügige Förderung“ von offizieller Seite, wie der Kreis Klever Abfallgesellschaft, Energie für Kevelaer oder dem Bundesministerium für Umwelt. Hilfen, die die Ehrenamtler gut für ihre Arbeit gebrauchen können. „Wir haben Werkzeug dafür angeschafft, das wir uns sonst nicht hätten leisten können. Messgeräte zum Beispiel“, erläutert Helmut Gerritsen.
Der nächste Reparaturtermin ist am kommenden Dienstag, 2. September, von 16 bis 20 Uhr im Forum der öffentlichen Begegnungsstätte an der Bury-St. Edmunds-Straße.
Wer selbst aushelfen möchte, kann das ebenfalls gerne tun. Aus Versicherungsgründen ist dafür zwar eine Vereinsmitgliedschaft nötig, ein Mitgliedsbeitrag wird aber nicht fällig, betont Hermens. Neben handwerklicher Hilfe werden auch Leute für den Gastro-Bereich, die IT und den Empfangsbereich gesucht – oder ein Schreiber für die Pressearbeit.
Weitere Informationen, auch zur Anmeldung von Reparaturen, gibt es unter https://reparierbar-kevelaer.clubdesk.de oder unter Telefon 0152/59147700.
Hilfe vor Ort
Im Kreis Kleve gibt es noch an vielen weiteren Stellen Reparaturinitiativen. So unter anderem in Geldern, Kerken, Rheurdt, Goch, Kleve, Kalkar und Rees. Infos über den nächstgelegenen Standort gibt es unter https://www.reparatur-initiativen.de.
Lothar Hermens, Helmut Gerritsen und Ditmar Helms schauen sich an, was die Nähmaschine braucht. NN-Foto: Thomas Langer
Das Team der „ReparierBar“: Die ehrenamtlichen Helfer in der Not. NN-Foto: Gerhard Seybert