Weg zum Abitur führt auch über Gesamtschulen
Offene Klever kritisieren: Elternwille oft stärker als pädagogische Empfehlung
KLEVE. Marco Hendricks, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Offenen Klever, nimmt Stellung zu den aktuellen Anmeldezahlen für die weiterführenden Schulen. Seit dem Schuljahr 2009/2010 gilt in NRW die freie Schulwahl: Daraus folgt, dass Empfehlungen der Grundschule zum Besuch einer weiterführenden Schule nur empfehlenden Charakter haben. Im Klartext bedeutet das: Nicht immer wird dem pädagogischen Rat bei der Schulwahl durch die Eltern gefolgt.
„Das mag im Einzelfall nachvollziehbar sein, schließt aber nicht aus, dass der Wechsel von der Grundschule an eine weiterführende Schule zur Überforderung bei den Kindern führt“, sagt Hendricks. „In Kleve sind für das kommende Schuljahr von Eltern an den Gymnasien unter anderem auch Kinder mit einer Hauptschulempfehlung und rund 50 Kinder mit Realschulempfehlung angemeldet worden, an den Gesamtschulen jedoch lediglich drei Kinder mit Gymnasialempfehlung.“ Diese im Schulausschuss präsentierten Zahlen zum Anmeldeverfahren an den weiterführenden Schulen geben aus Sicht der OK vielfältigen Anlass zur Besorgnis – sowohl mit Blick auf die bestmögliche Bildung für die Kinder und Jugendlichen als auch auf den Fortbestand der vielfältigen Schullandschaft in Kleve. Hendricks: „Ein Elternwille, der sich über pädagogische Schulempfehlungen der Grundschulen hinwegsetzt, kann nicht Maßstab für die Schulpolitik sein. Ausschlaggebend muss die Qualität der Bildung an den Schulen sein.“ Dazu gehöre eine ausgewogene Verteilung der Schüler auf die verschiedenen Schulformen, die sowohl Über- als auch Unterforderung ausschließe. Das sei die Voraussetzung für ein gutes Lernklima. Mit Anerkennung nehmen die Offenen Klever zur Kenntnis, dass die Gesamtschulen in Kleve, trotz dieser schwierigen Ausgangslage für sie, jedes Jahr viele Schüler zum Abitur führen. Die Offenen Klever sehen derzeit keine Notwendigkeit, die bestehenden Kapazitäten der Gymnasien zu erweitern. Zusammen mit den beiden Gesamtschulen könne der Bedarf an gymnasialer Schulbildung bis zum Abitur in Kleve bereits jetzt gedeckt und dabei jedem Kind die bestmögliche Bildungschance geboten werden. „Der Ausbau der weiterführenden Schulen sollte sich am tatsächlichen Bedarf, der sich aus den pädagogischen Empfehlungen der Grundschulen ergibt, orientieren und nicht an den persönlichen Wünschen der Eltern“, so Hendricks. Es gelte, darauf zu achten, dass die Vielfalt an Schulformen erhalten bleibe. Dazu gehöre, dass die Gesamtschulen ihre Aufgaben, etwa für alle Schüler den Zugang zu höheren Schulabschlüssen zu verbessern, erfüllen können. Es sei möglich, die Bildungschancen in Kleve gerecht zu verteilen, ohne dass es zur Unter- oder Überforderung der Kinder und Jugendlichen komme.